Fussball
Basel gegen Bern: Der Kampf um die Vorherrschaft geht in die nächste Runde

Will er nicht zur ewigen Nummer 2 verkommen, muss der FCB YB möglichst bald vom Meisterthron stossen. Ein Sieg im Direktduell am Mittwochabend wäre ein wichtiges Etappenziel.

Jakob Weber
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Timm Klose und Meschack Elia werden heute Abend (20.30 Uhr) wieder aufeinander treffen.

Timm Klose und Meschack Elia werden heute Abend (20.30 Uhr) wieder aufeinander treffen.

Fresh (21.11.20

Innenverteidiger Timm Klose kennt seinen FCB gut. «Es gab Saisons, da hatten wir 13 Punkte Rückstand auf YB und sind trotzdem noch Meister geworden», sagt er am 21. November 2020. Der FCB hatte soeben im Wankdorf 1:2 verloren. Wie schon im Cupfinal Ende August konnte Rotblau seine 1:0-Führung gegen YB nicht ins Ziel bringen. Schon nach dem 8. Spieltag war der amtierende Meister wieder acht Punkte voraus.

Während so mancher FCB-Fan die Saison 2020/21 nach diesem Spiel innerlich abgehakt hat, erinnert Klose direkt nach Schlusspfiff an 2010, als der FCB unter Thorsten Fink 13 Punkte aufholte und YB in der Finalissima noch abfing. Klose hatte vor jener Saison den FCB verlassen müssen, weil es ihm laut Fink nicht für die erste Mannschaft reichte. Die Basler Aufholjagd erlebte er als Challenge-League-Spieler des FC Thun und als FCB-Fan passiv mit. Und der Sommer 2010 ist Klose dank Aufstieg mit Thun und FCB-Meisterfeier nach wie vor in guter Erinnerung.

Auch im 2020 hat der FCB – diesmal mit Abwehrchef Timm Klose – eine Aufholjagd lanciert. Vier Wochen und fünf Spiele nach dem letzten Aufeinandertreffen hat der FCB im Direktduell die Chance, YB mit einem Sieg in der Tabelle sogar bereits zu überholen. Drei Basler Siege in Folge, die YB-Heimniederlage gegen Servette und ein ausgefallenes YB-Spiel machen es möglich.

Durch diese Ausgangslage hat der Schweizer «Knüller», wie ihn FCB- Trainer Ciriaco Sforza gerne nennt, einiges an Sprengkraft. YB-Stürmer Christian Fassnacht hat bereits angekündigt, dass sich sein Team heute im Joggeli für die Niederlage gegen Servette revanchieren will. Und der FCB darf dieses Spiel eigentlich nicht verlieren, da die gestartete Aufholjagd ansonsten quasi im Keim erstickt wird. Wegen des noch ausstehenden Nachholspiels betrüge der Rückstand auf YB dann theoretisch wieder acht Punkte.

FCB-Eigentümer Burgener will in der Winterpause investieren

Der FCB will tunlichst vermeiden, dass YB den Vorsprung wieder ausbaut. Denn im Duell zwischen Basel und Bern geht es in dieser Saison um nichts anderes als die Vorherrschaft im Schweizer Fussball. Nur der Meister hat in Zukunft Zugang zu den europäischen Honigtöpfen Champions League und Europa League. Drei weitere Schweizer Teams dürfen zwar in der neuen Conference League mitspielen. Aber zu verdienen gibt es dort nicht viel. Dabei sind die Uefa-Prämien für die Schweizer Klubs doch so wichtig, um das strukturelle Defizit auszugleichen.

Bereits in den letzten drei Jahren schrieb Meister YB 17, 18 und 21 Millionen Franken Gewinn, während der FCB im selben Zeitraum insgesamt 17,4 Millionen Verlust machte – die Auflösung von Rückstellungen der FC Basel Holding nicht mitberechnet. Wenn der FCB YB in den nächsten Jahren nicht überholt, droht der Schweiz eine Zweiklassengesellschaft. Und da Rang 2 und der FCB nach eigenem Selbstverständnis so gut zusammenpassen wie Tomaten und Fondue, will Eigentümer Bernhard Burgener in der Winterpause investieren. «Das Kader ist stark genug, trotzdem wollen wir die Mannschaft punktuell verstärken», kündigte er jüngst im «Blick» an.

Diese Ankündigung mag aufgrund der unsicheren Finanzlage in diesen Tagen überraschen. Doch der FCB konnte die Personalkosten 2020 um 11,2 Millionen senken und 35 Millionen an Transfereinnahmen generieren. Burgener rechnet fürs Geschäftsjahr 2020 trotz Corona mit einer Schwarzen Null. Ausserdem hat der FCB vor, die bereitgestellten a-fonds-perdu-Beiträge vom Bund zu beantragen. Diese sollen gemäss BAG zwei Drittel der entgangenen Zuschauereinnahmen betragen. Dem FCB geben sie auch Spielraum bei Investitionen in die Mannschaft.

Noch ist YB in vielerlei Hinsicht überlegen. Die Berner führen in dieser Saison trotz Doppelbelastung in fast allen relevanten Statistiken. Punkte (21:19), Flanken (308:195), Abschlüsse (206:147), herausgespielte Chancen (72:41), Ballbesitz (57:50), Gegentore (7:13). Nur bei den Toren führt der FCB mit 18:14, was allerdings der äusserst mangelhaften Chancenverwertung von YB zuzuschreiben ist. Doch zuletzt schwächelte YB, und der FCB hat Auftrieb. Und all diese Zahlen zählen am Mittwochabend nichts, wenn Timm Klose und sein FCB aus eigener Kraft in 90 Minuten den Rückstand auf YB in einen Vorsprung verwandeln können.