Stille in der dunklen Basler St. Jakobshalle. Zu hören ist nur das Surren des Shuttles, welches vom Setzlistenersten Shi Yuqi aus China und dessen Finalgegner, dem Inder Sai Praneeth, messerscharf über das Netz spediert wird. Es saugt die Blicke der Zuschauer auf sich, während es in horrendem Tempo von Schlägerkopf zu Schlägerkopf fliegt. Dann fällt es zu Boden – tosender Applaus brandet über die Tribünen. Yuqi beendet das Finale mit einem satten Schlag durch die Mitte und krönt sich zum Champion. Der Chinese war als grosser Favorit in das Turnier gestiegen und wurde dieser Rolle letztlich auch gerecht. Zuvor hatte er gegen den ungesetzten Inder jedoch einen Krimi zu bestehen und sich aus einem 0:1-Satzrückstand zurückzukämpfen.

Das packende Finale, es bot dem hochklassig besetzten Turnier, in dem nicht weniger als 14 Spieler und Spielerinnen aus den Top 10 antraten, ein würdiges Ende. Ein Ende, an dem aus dem Turnier die zu erwartenden asiatischen Festspiele geworden waren: Einzig im Mixed Doppel triumphierten mit dem dänischen Duo keine Athleten aus Fernost. Sämtliche Schweizer waren bereits am dritten Turniertag ausgeschieden.

«Wir konnten vieles testen»

Die Stars der Szene kredenzten dem Basler Publikum während einer Woche so manchen Leckerbissen – wobei man aber eigentlich nur von einem Amuse-Bouche sprechen kann. Denn wie der Gruss aus der Küche im gehobenen Restaurant stand auch das diesjährige Swiss Open ganz im Zeichen des folgenden Hauptgangs: Der Weltmeisterschaft, die im August an selber Stätte ausgetragen wird.

«Dass wir die Swiss Open in diesem Jahr so kurz vor der WM austragen konnten, hat uns enorm geholfen. Wir konnten vieles testen und wissen nun, was wir im Hinblick auf die WM noch verbessern müssen. Diese Chance eines Testlaufs haben auch viele Topspieler wahrgenommen, was für uns natürlich ebenfalls von Vorteil war», fasst Turnier-Präsident Christian Wackernagel zusammen. Tatsächlich verdankte diese Amuse-Bouche ihren Status vor allem einer Zutat: Den zahlreichen Topstars, wie etwa Olympiasieger Cheng Long, die in dieser Woche in Basel antraten, um sich mit den Bedingungen in der Halle vertraut zu machen und trotz widriger Voraussetzungen Zuschauer in die Halle lockten.

Topstars am Cortège

Denn die Swiss Open kollidierten mit der Fasnacht mit einem Publikumsmagneten, was vor allem zu Turnierbeginn für einige leere Sitze sorgte: «Wir gehen davon aus, dass wir insgesamt 10 Prozent mehr Zuschauer hatten als letztes Jahr. Das ist natürlich umso erfreulicher, wenn man bedenkt, dass in der Endabrechnung viele Basler Zuschauer gefehlt haben durch Fasnacht und Ferien», so Wackernagel. Für die Spieler aus aller Welt hingegen sei die Fasnacht eine willkommene Abwechslung gewesen. So hätten diverse Badminton-Stars etwa den Cortège besucht. «Einige, die bereits in früheren Jahren dabei waren, sind sogar einen Tag früher angereist, damit sie an den Chienbäse in Liestal gehen können», erzählt Wackernagel.

Grundsätzlich sei aber bei der 29. Austragung des Turniers ohnehin der WM-Testcharakter im Vordergrund gestanden. Angesichts des bevorstehenden Highlights habe man die Terminkollisionen relativ gelassen genommen. Denn zu allem Überfluss stieg am Finaltag gleich neben der Halle auch noch der Super-League-Spitzenkampf zwischen Basel und YB. Dennoch ist die Halle gut gefüllt, als sich Yuqi und Praneeth um die Krone duellieren.

Dies stimmt Wackernagel auch für die WM, bei der er ebenfalls im OK sitzt, zuversichtlich: «Es wird alles nochmals einige Dimensionen grösser, vor allem vom Organisatorischen her. Wir gehen von dreissig- bis vierzigtausend Zuschauern in der WM-Woche aus, dazu kommen die TV-Übertragungen in die ganze Welt.» Dieser Herausforderung fühlt man sich nach überstandenem Testlauf gewachsen. Es ist alles angerichtet, wenn die Badmintonwelt im August erneut nach Basel blickt. Der Appetit auf den Hauptgang ist geweckt.

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