Talent
Abflug in Richtung grosse Tennisbühne

Am Junioren-Turnier der Australian Open das Halbfinale erreicht und erstmals im WTA-Ranking: Rebeka Masárová eilt von Erfolg zu Erfolg.

Fabio Baranzini
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Rebeka Masárová hat ein grosses Vorbild: Roger Federer.

Rebeka Masárová hat ein grosses Vorbild: Roger Federer.

Fabio Baranzini

Treffpunkt für das Gespräch mit Rebeka Masárová ist der Basler Euro-Airport. Ein passender Ort, denn das 16-jährige Tennistalent schickt sich an, von Basel aus die grosse Tenniswelt zu erobern. Ende Januar ist die schweizerisch-spanische Doppelbürgerin in neue Sphären vorgestossen. An den Australian Open hat sie beim Juniorenturnier die Halbfinals erreicht – als erst vierte Schweizerin in den letzten
22 Jahren nach Martina Hingis, Timea Bacsinszky und Belinda Bencic – und hat damit die Top 15 der Juniorenweltrangliste geknackt. Ein Erfolg, der Masárová erstmals in ihrer noch jungen Karriere ins Rampenlicht katapultiert hat. Eine neue Situation für die gross gewachsene Spielerin mit den pink gefärbten Haaren. Eine Situation aber auch, an die sich das derzeit wohl vielversprechendste Tennistalent des Landes gewöhnen wird, wenn sie weiterhin so erfolgreich spielt.

Neben Wawrinka trainiert

In Australien war das Interesse der Öffentlichkeit aber noch sehr ungewohnt. «Es war speziell, als mir nach meinem Halbfinal gesagt wurde, es würden einige Journalisten auf mich warten. Im Umgang mit der Presse, aber auch mit Social Media und den Fans muss ich noch viel lernen», sagt Masárová, die im Gespräch zurückhaltend, ja fast schon etwas schüchtern wirkt. Wenn sie jedoch über ihre Erlebnisse in Australien spricht, gewinnt sie zunehmend an Sicherheit und antwortet ausführlicher. Dass sie Gelegenheit hatte, auf einem der grössten Plätze der Anlage in Melbourne zu spielen – der Hisense Arena, die für 10 500 Zuschauer Platz bietet – wird ihr noch lange in Erinnerung bleiben. Genauso wie die Tatsache, dass sie Down Under neben Topstars wie Stan Wawrinka trainieren konnte. «Zu sehen, wie die Besten der Welt trainieren, war sehr interessant. Vor allem, weil sie in den Trainings auch viele Fehler machen und ihnen die Coaches noch immer dasselbe sagen, wie meine Mutter auch mir im Training sagt», so Masárová, die seit vielen Jahren von ihrer Mutter Marivi trainiert und an den Turnieren hin und wieder von ihrer älteren Schwester begleitet wird.

Erstes WTA-Ranking

Die junge Baslerin, die während gut fünf Jahren in Barcelona trainiert hatte und seit Sommer 2014 voll auf die Karte Tennis setzt, hat in diesem Jahr aber nicht nur bei den Australian Open der Junioren für Furore gesorgt, sondern vor wenigen Wochen auch beim Profiturnier in Kreuzligen. Dort hat sie in der ersten Runde die Weltnummer 315, Antonia Lottner aus Deutschland, souverän in zwei Sätzen geschlagen. In der zweiten Runde war dann die spätere Turniersiegerin Kristyna Pliskova aus Tschechien eine Nummer zu gross für Masárová. Dank dem Sieg über Lottner konnte sich Masárová acht WTA-Punkte gutschreiben lassen und wird seit zwei Wochen erstmals in der offiziellen Weltrangliste der Profispielerinnen geführt – zuerst als Nummer 928, mittlerweile als Nummer 923. «Ich wusste gar nicht, dass ich nach diesem Turnier ein Ranking haben werde», sagt Masárová lachend. «Aber darauf bin ich schon sehr stolz.»

Bald schon dürfte die 16-Jährige weiter vorne in der Weltrangliste anzutreffen sein, denn in diesem Jahr wird sie vermehrt auch bei kleineren Turnieren auf der WTA-Tour antreten und Erfahrungen sammeln. Ihr Augenmerk liegt in dieser Saison aber noch auf den Junioren-Events. Dort nimmt sie vor allem die drei noch ausstehenden Grand-Slam-Turniere ins Visier und liebäugelt zudem mit einem Platz in den Top 3 der Juniorenweltrangliste. «Das wäre natürlich super, denn dadurch würde ich im nächsten Jahr einige Wild Cards für Profiturniere erhalten», blickt sie nach vorn. Gut möglich, dass Masárová dieses Ziel erreicht, denn im Moment kennt ihre Karriere nur eine Richtung: nach oben.