NLA

Auftakt zur Eishockeysaison: Die grosse Analyse

Die neue Eishockeysaison steht vor der Tür. Die Meisterschaft ist seit der Gründung nicht mehr so ausgeglichen.

Am Freitag der 13. fängt die neue Eishockeysaison an. In der Schweizer National League sind ausgeglichene, spannende Spiele auch in dieser Saison garantiert.

Ein Blick zurück zeigt uns, wie hoch wir gestiegen sind. 1976 spielte der SC Langnau im damaligen Europa Cup gegen TPS Turku. Um Kosten zu sparen, spielten die Finnen beide Partien in der Schweiz. In der ersten kamen sie, schlaflos vom wüsten Zechen, nur zu einem 3:3. Zwei Tage später putzten sie den Schweizer Meister nüchtern 10:1 vom Eis. Unsere höchste Spielklasse als Lach- und Lotter-Liga.

40 Jahre später sind die Finnen heilfroh, wenn sie in der Champions Hockey League gegen unsere Spitzenteams ungeschoren davonkommen. Keine andere Liga der Welt kann auf eine so stürmische Entwicklung zurückblicken wie unsere National League. Sie ist im Quadrat besser in Form als die höchste Liga im Fussball. Im Eishockey schreiben die Anständigen und Tüchtigen im Stadion die Geschichten. Im Fussball die Unanständigen und die Gaukler ausserhalb des Spielfeldes. Anders als im Fussball sorgt die strikte Begrenzung der Ausländer dafür, dass der Einfluss der Spieler-Händler begrenzt bleibt und das Niveau nicht durch untaugliches ausländisches Personal verwässert wird.

Eine Liga ist nur so gut wie die zweite Hälfte der Teams. Dass unsere Liga so ausgeglichen ist wie nie seit der Gründung 1937, lässt sich leicht erklären. Trainer von Weltniveau haben die gleiche Wirkung wie eine Lohnobergrenze. Jürgen Klopp wird, so lange er bei Verstand ist, nicht für einen hiesigen Klub arbeiten. Im Eishockey ist ein Job in der Schweiz hingegen eine Verlockung für die besten Trainer der Welt. Nie war das taktische Niveau der Liga so hoch. Mit gut strukturiertem Spiel kann eine Mannschaft wie die SC Tigers problemlos Gegner wie Zug, die ZSC Lions, Lausanne oder Lugano herausfordern, die fast doppelt so viel Geld für Löhne ausgeben.

Wir leben im Klubhockey

Wer im Hockey Karriere machen will, muss nicht mehr in Bern oder Lugano spielen wie in den 1990er-Jahren. Die guten Spieler sind inzwischen über die ganze Liga verteilt, überall arbeiten kompetente Trainer, und bei einem vermeintlich «kleinen» Team ist die Möglichkeit, sich zu profilieren sogar grösser. Bald werden alle über eine moderne Infrastruktur verfügen. Wenn Ambri in zwei Jahren in den neuen Hockey-Tempel einzieht, hat Lugano zusammen mit Genf das grösste Lotterstadion im Land. Die Ausgeglichenheit ist die Folge einer Nivellierung nach oben, nicht nach unten. Und das wird auf absehbare Zeit so bleiben.

Wir leben im Klubhockey auf einer Insel der Glückseligkeit. Anders als im Fussball, wo uns täglich im Fernsehen der wahre Fussball mit den wahren Stars aus Italien, England, Spanien oder Deutschland vorgeführt wird, ist diese internationale Konkurrenz im Eishockey gleich null. Die Champions Hockey League ist etwas für Freaks und führt – anders als im Fussball – nicht zu Einnahmen, die den nationalen Wettbewerb verzerren. Im Fussball lockt jede ausländische Liga unsere Talente an.

Im Eishockey ist es nur die NHL und der Verlust an guten Spielern bei weitem nicht so bedeutend wie in Finnland oder Schweden. Die Fans haben zu Recht das Gefühl, das wahre Hockey werde ausser in Amerika nur noch bei uns gespielt. Und so stehen wir vor einer ausgeglichenen, unberechenbaren, unterhaltsamen und sportlich hochstehenden Meisterschaft, in der die Wirklichkeit meist die Fiktion übertrifft. Wer hätte denn vor einem Jahr geahnt, dass die ZSC Lions die Playoffs im letzten Spiel in Genf mit Arno Del Curto an der Bande verspielen werden?

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