EM-Qualifikation

Andy Schmid hängt in der Testfalle: Der Einsatz unseres Handballstars in Dänemark steht auf der Kippe

Der Schweizer Regisseur Andy Schmid (links) setzt an der EM gegen Slowenien zum Wurf an.

Der Schweizer Regisseur Andy Schmid (links) setzt an der EM gegen Slowenien zum Wurf an.

Das Handball-Nationalteam muss für die EM-Qualifikation in die Blase. Das wird teuer und nervenaufreibend.

Die aussergewöhnliche Lage erfordert Flexibilität. Geplant war, dass die Schweizer Handball-Nati ihr EM-Qualifikationsspiel am kommenden Samstag gegen Nordmazedonien in der Zuger Bossard Arena durchführt. Nach dem bundesrätlichen Beschluss vom Mittwoch (maximal 50 Zuschauer) war klar: Dieses Spiel muss nicht in einer Eishockeyarena stattfinden, die man in ein Handballstadion umbauen muss. Nun wird in Schaffhausen gespielt. Der Vorteil: Der BBC Arena ist ein Hotelkomplex angegliedert, wo beide Teams untergebracht werden und Kontakte zur Aussenwelt vermieden werden können.

Am Mittwoch, drei Tage vor dem Heimspiel gegen Nordmazedonien, tritt die Schweiz zum Auftakt in die EM-Quali bei Weltmeister Dänemark an. Die Idee war, wie üblich mit einer Linienmaschine zu fliegen. Der geplante Flug wurde annulliert. Nun wird das Nationalteam am Dienstag in einem gecharterten Flugzeug reisen.

Ein Minus im hohen fünfstelligen Bereich

Die Reise nach Dänemark wird mehr als doppelt so teuer, wie veranschlagt. Und weil keine Tickets für das Heimspiel gegen Nordmazedonien verkauft werden können, aber Mehrkosten anfallen, wird der Handballverband drauflegen. «Wir rechnen mit einem Minus im hohen fünfstelligen Bereich», sagt Ingo Meckes, Chef Leistungssport.

Immerhin kann gespielt werden. Denn im Unterschied zu Klubwettbewerben sind Länderspiele einiges heikler, weil die Spieler aus unterschiedlichen Ländern und Regionen zusammenkommen. Da verwundert es nicht, dass sich die Bundesliga-Klubs lange gesträubt haben, ihre Spieler für die Nationalteams freizustellen, weil nach der Rückkehr die Quarantäne droht. Nationaltrainer Michael Suter hatte bis letzte Woche keine Gewissheit, ober mit Starspieler Andy Schmid (Rhein Neckar-Löwen) sowie Lucas Meister (Minden), Lenny Rubin (Wetzlar), Alen Milosevic (Leipzig) und Samuel Röthlisberger (Stuttgart) planen kann.

Testen, testen, testen – aber subito

Die Schweizer Bundesliga-Söldner haben inzwischen grünes Licht bekommen. Allerdings musste der Verband den Bundesliga-Klubs erst sein Schutzkonzept präsentieren. Dass die Schweizer für die Reise nach Dänemark ein Flugzeug chartern, war ein Pluspunkt für die Zusage aus Deutschland.

Entscheidender ist: Die Schweizer müssen sicherstellen, dass die Blase nicht platzt. Das bedingt viele Tests. Den ersten machen die Nationalspieler, wenn sie am Sonntag eintreffen. Weil einzelne Bundesliga-Spieler erst am Monat erwartet werden, muss das gesamte Team nochmals testen. Geplant war, diese beiden Testreihen im Schnellverfahren durchzuführen. Der europäische Handballverband (EHF) stellt dafür Schnelltests zur Verfügung.

Seit Freitag Abend spielen die Dänen nun nicht mehr mit. Sie verlangen einen PCR-Test. Das Problem ist aber, dass sowohl Schmid als auch Rubin und Meister am Sonntag noch in der Bundesliga engagiert sind, erst am Montag in der Schweiz getestet werden können und somit das Ergebnis vor der Abreise kaum vorliegen wird. Die Haltung der Schweizer Handballer ist unmissverständlich. In Mails an die EHF und den dänischen Verband heisst es: Entweder die Schnelltests werden akzeptiert wir dürfen mit allen Bundesliga-Söldnern einreisen oder wir kommen gar nicht. Der Ball liegt nun bei den Dänen.

Am Freitag, einen Tag vor der Partie gegen Nordmazedonien, müssen die Schweizer zweimal testen. Im Schnellverfahren, um von der EHF die Spielerlaubnis für die Partie gegen Nordmazedonien zu erhalten. Und einen PCR-Test machen, weil die Bundesliga-Klubs vor der Rückkehr ihrer Söldner einen solchen verlangen.

500 Millionen Euro für 10 Jahre

Quer durch Europa reisen, vor leeren Zuschauerrängen spielen, was ein tiefes Loch in die Kasse reisst: Da stellt sich die Sinnfrage. Aber auch der Handball hat seine Unschuld verloren. Auch da steht viel Geld auf dem Spiel. Sportvermarkter Infront bezahlt der EHF für die nächsten 10 Jahre 500 Millionen Euro. Im Gegenzug erhält Infront die Rechte an den vom europäischen Handballverband organisierten Spielen. Das EM-Teilnehmerfeld an einem Ort und innerhalb von einer, maximal zwei Wochen im Turniermodus auszuspielen, steht derzeit nicht zur Diskussion.

«Ich habe grosse Kopfschmerzen, wenn sich die Situation nicht ändert, wir in den nächsten Runden im März und April ebenfalls in leeren Stadien spielen müssen und folglich keine Einnahmen haben», sagt Meckes. Die Schweizer Handballer zählen nicht zu den Krisengewinnlern. Die Möglichkeit, sich gegen Island für die WM im kommenden Jahr zu qualifizieren, wurde ihnen wegen des Lockdowns genommen. Und dann hat der Internationale Handballverband die zwei WM-Wild-Cards an Russland und Polen vergeben. Zwei Teams, die an der diesjährigen EM hinter der Schweiz platziert waren.

Immerhin können die Schweizer ihr Schicksal nun wieder selbst bestimmen. Das Ziel ist klar: Die Qualifikation für die EM 2022 in Ungarn und der Slowakei. Dafür muss die Schweiz in der Gruppe mit Favorit Dänemark, dem etwa gleich starken Nordmazedonien und dem Aussenseiter aus Finnland einen der ersten beiden Plätze erreichen. Zudem fahren noch vier von acht Gruppendritten an die EM. Zumindest sportlich ist die Aufgabe lösbar.

Autor

François Schmid-Bechtel

François Schmid-Bechtel

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