Analyse
Shaqiri und Chicago: Das klingt zwar zunächst ungewöhnlich, könnte aber genau der richtige Schritt sein

Xherdan Shaqiri wechselt in die USA zu Chicago Fire. Ein Wechsel in die USA mag zunächst für den 30-Jährigen ungewöhnlich tönen, doch vieles spricht dafür, dass Shaqiri in den USA zur alten Stärke zurückfinden kann.

Raphael Gutzwiller
Raphael Gutzwiller
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Geht bald für Chicago Fire auf Torjagd: Xherdan Shaqiri.

Geht bald für Chicago Fire auf Torjagd: Xherdan Shaqiri.

Georgios Kefalas EPA

Xherdan Shaqiri wechselt zum Chicago Fire FC in der amerikanischen MLS. Es ist ein erstaunlicher Transfer des Schweizer Nationalspielers. Auf den ersten Blick scheint es ernüchternd, dass der wohl talentierteste Schweizer Fussballer dieser Generation im Alter von 30 Jahren in die USA transferiert wird. In der MLS spielen zwar immer mal wieder Topstars, aber jeweils zum Ende grosser Karrieren. David Beckham, Thierry Henry oder Bastian Schweinsteiger beendeten in Amerika ihre Profilaufbahn.

Doch der Wechsel nach Chicago soll für Shaqiri kein Schritt in den vorzeitigen Ruhestand sein. Vielmehr soll er einer etwas ins Stocken geratene Karriere neuen Schwung verleihen. Für den kreativen Offensivspieler ist es zuletzt auch bei Lyon, wo er erst im letzten Sommer hin wechselte, gar nicht nach Wunsch gelaufen. Keine Konstanz, seltene Glanzmomente und kaum Spielzeit war die Bilanz. Genau so sah es eigentlich immer aus in den letzten Jahren bei Shaqiri. In vier von fünf europäischen Topligen hat er für Spitzenklubs gespielt, richtig durchsetzen konnte er sich aber weder bei Bayern München, bei Inter Mailand, in Liverpool oder zuletzt in Lyon.

Zur gleichen Zeit brillierte er aber in jeder Endrunde für die Schweiz. Auch im letzten Sommer an der Europameisterschaft zeigte er, wie wichtig er mit seiner kreativen Art für ein Team sein kann. In einzelnen Spielen – und das hat Shaqiri schon so oft gezeigt – kann er den Unterschied ausmachen. Vielleicht kommt es gerade recht, dass er nun in einer Liga mit einem Playoff-System spielt. Am Tag X wird er bereit sein.

In Chicago wird Shaqiri mit offenen Armen empfangen, in Sportchef Georg Heitz findet er einen prominenten Fürsprecher. Im Unterschied zu einer Rückkehr in die Schweiz war der Transfer nach Amerika auch deshalb möglich, weil die finanziellen Mittel nochmals grösser sind als hierzulande. Der Partnerklub des FC Lugano soll laut Medienberichten Shaqiri einen Jahreslohn von 7 Millionen Dollar auszahlen. Auch sportlich kann sich der Wechsel auszahlen. Die MLS ist eine interessante Liga, die in den nächsten Jahren auch im Hinblick auf die WM 2026 in Nordamerika weiter an Niveau gewinnen wird. Das Potenzial der Liga ist riesig.

Und so ist der Wechsel von Xherdan Shaqiri zu Chicago zwar etwas ungewöhnlich, für ihn ist er aber eine grosse Chance, endlich wieder richtig in Fahrt zu kommen. Dann kann sich auch die Schweizer Nationalmannschaft freuen.

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