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«Als hätte ich eine Zigarette geraucht» – Giftige Rauchglocke hängt über Melbourne

In Melbourne tragen Zuschauer Mundschutz.

In Melbourne tragen Zuschauer Mundschutz.

Die Buschbrände wüten in Australien weiter. Dennoch wird das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres gespielt. Zahlreiche Spieler äussern Kritik.

Seit Ende September wüten in weiten Teilen Australiens verheerende Buschbrände. Nach Angaben der Behörden sind bisher 29 Menschen ums Leben gekommen, eine Milliarde Tiere fielen der Feuerwalze zum Opfer. Immerhin brachten Regenfälle Mitte der Woche etwas Linderung. Mit einer dauerhaften Entspannung rechnen die Behörden erst im Frühjahr. Alleine in den Bundesstaaten New South Wales und Victoria (zu dem auch Melbourne zählt) brennen rund 150 Feuer. Die Luftverschmutzung wird mit einem Echtzeit-Luftqualitätsindex (LQI) gemessen. Ein Wert bis 70 gilt als normal und gesund. In Melbourne lag dieser Wert in der Nacht zwischenzeitlich über 400; am Montag hielt er sich über 200. In der Spitze lag die Feinstaubbelastung bei 393 Mikrogramm.

Slowenin muss aufgeben - wegen der Luftverschmutzung

Die Stadt riet den Bewohnern, Fenster und Türen zu schliessen und ihre Häuser nicht zu verlassen. Dennoch wurde bei den Australian Open die Qualifikation gespielt. Der Österreicher Sebastian Ofner sagte, seine Kehle habe sich so trocken angefühlt, als hätte er während des Spiels eine Zigarette geraucht. Die Slowenin Dalila Jakupovic musste wegen eines Hustenanfalls aufgeben und sagte danach, sie habe Angst gehabt, zu kollabieren. Sicher nicht förderlich war, dass dazu Temperaturen von über 30 Grad gemessen wurden, die Belastung der Körper ist enorm.

Rauch in Melbourne: Luftqualität beeinträchtigt auch Australian Open

Rauch in Melbourne: Luftqualität beeinträchtigt auch Australian Open

Beissende Kritik von Spielern am Krisenmanagement

Turnierdirektor Craig Tiley verteidigte das Krisenmanagement. Man arbeite mit Experten zusammen und habe Messinstrumente aufgestellt. Die Gesundheit der Spieler geniesse oberste Priorität. Im Extremfall würde nur in den drei überdachten Stadien gespielt. Zusätzlich spendet der Verband für jedes Ass Geld für die Opfer der Brände. Beim Benefizspiel «Rally for Relief» wurden knapp drei Millionen australische Dollar für die Opfer der Buschbrände eingespielt. Alleine Roger Federer und Rafael Nadal steuerten 250'000 australische Dollar bei. Das tat der Kritik aber kaum Abbruch. Der Franzose Gilles Simon schrieb: «Wenn man Ärzte findet, die bestätigen, es gebe keine Gefahr, bei 45 Grad an den Australien Open zu spielen, und Schiedsrichter, die in Wimbledon bestätigen, nasser Rasen sei nicht rutschig, dann wird sich doch ein Experte finden lassen, der die Luftqualität für ausreichend hält, oder?»

Der Franzose Gilles Simon schreckt vor Kritik gegenüber dem Krisenmanagement nicht zurück.

Der Franzose Gilles Simon schreckt vor Kritik gegenüber dem Krisenmanagement nicht zurück.

Über den Australian Open, die den Beinamen «Happy Slam» geniessen, hängen dunkle Wolken. Am Wochenende werden wieder Rauchschwaden über Melbourne erwartet, starke Wind treiben sie bis an die Küste. Auch dann hängt wieder eine giftige Rauchglocke über der Stadt. Entsprechend verhalten ist die Vorfreude. Mit Roger Federer, Stan Wawrinka, Belinda Bencic, Viktorija Golubic und Jil Teichmann ist die Schweiz mit fünf Spielerinnen und Spielern im Hauptfeld vertreten.

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