Sport

Als die Leichtathletin Anita Brägger 2001 durch die «Schallmauer» lief

In Lausanne lief Anita Brägger am 4. Juli 2001 so schnell wie nie zuvor.

In Lausanne lief Anita Brägger am 4. Juli 2001 so schnell wie nie zuvor.

Anita Brägger (47) war 2001 die dritte Schweizer Leichtathletin, welche die 800 Meter unter 2 Minuten lief.

Sie hat 2004 an den Olympischen Spielen in Athen teilgenommen und sagt, dass die Zeit der Vorbereitung und die Teilnahme am Anlass für sie natürlich ein sportliches Highlight gewesen sei. «Das war eine Zeit, die ich sicher nicht vergessen werde.» Auch die Laufduelle mit Anita Weyermann, aus deren (medialem) Schatten sie selten hatte treten können, sind unvergessen. Dennoch hat Anita Brägger ihren Sportmoment nicht in Griechenland oder bei einem Lauf gegen Weyermann erlebt, sondern an einem Mittwoch, im Stade Olympique de la Pontaise in Lausanne.

Die im Kanton Uri geborene Spezialistin und mehrfache Schweizer Meisterin über die Mittelstrecken 400 und 800 Meter, hat am 4.Juli 2001 etwas erreicht, was neben ihr bis heute nur vier weitere Schweizerinnen geschafft haben. Anita Protti, Maryan-Yusuf Jamal, Sandra Gasser, Selina Büchel und eben Anita Brägger – heute Anita Belz-Brägger – sind über die Distanz von 800 Metern unter der 2-Minuten-Grenze geblieben. «Das war emotional ein ganz besonderer und sportlich gesehen ein ganz wichtiger Moment für mich. Das Durchbrechen dieser Schallmauer hat mir gezeigt, dass mein Weg stimmt. Gleichzeitig war es der Lohn für die in den vielen Jahren davor geleistete Arbeit.»

Hinter drei Russinnen, einer Amerikanerin und je einer Läuferin aus Surinam und Brasilien lief Anita Brägger damals auf Platz 7. Eine Platzierung die zwar sehr gut, im Vergleich mit der gelaufenen Zeit letztlich aber beinahe unwichtig gewesen ist.

Anita Brägger arbeitet heute bei Fairtiq und ist Masseurin.

Anita Brägger arbeitet heute bei Fairtiq und ist Masseurin.

Den Grundstein in Luzern gelegt

Die Wahl-Bernerin Brägger erinnert sich daran, dass das, was ihr in Lausanne gelungen ist, quasi ein Coup mit Ansage gewesen ist. Eine Woche zuvor blieb sie beim «Heimrennen» auf der Luzerner Allmend in 2:00,15 nur knapp über der ominösen Marke. «Ich kann die 2-Minuten-Grenze knacken, vielleicht ist es dann in Lausanne soweit», sagte sie damals gegenüber dieser Zeitung.

Das Rennen auf der Allmend sei sie äusserst offensiv angegangen, erinnert sich Brägger. «Ich war nie eine Frontläuferin und habe mich meistens etwas hinter der Spitze aufgehalten. Aber in Luzern sind wir die erste Runde brutal schnell gelaufen. Das hat mir gezeigt, dass ich für den nächsten Schritt parat bin.» Und diesen tat sie im Rahmen der Athletissima von Lausanne. Danach gehörte sie in der 800-Meter-Jahreswertung zu den 12 besten Läuferinnen der Welt. «Ich habe gewusst, dass ich die zwei Minuten unterbieten kann. Das Feld mit den im Vergleich zu Luzern noch stärkeren Läuferinnen hat mich erneut zu offensivem Laufen ermutigt.» Sie sei, wie es in der Läuferinnen-Sprache heisst, auf den letzten Metern zwar «gestorben», aber den Kontakt zur Brasilianerin, die schon in Luzern unmittelbar vor Brägger über die Ziellinie gegangen war, habe sie unbedingt halten wollen – und können. «Es war ein Rennen unter dem Motto ‹friss, oder stirb›.»

Ausgepumpt sei sie gewesen, aber nur kurz. Denn: «Als ich die Zeit gesehen habe, war ich voller Adrenalin, superhappy und habe mich gefühlt, als könnte ich Bäume ausreissen.» Und das an einem Abend, der eine Besonderheit aufgewiesen hat. Anita Bräggers Coach Beat Aeschbacher war krankheitsbedingt ausgefallen. An Aeschbachers Stelle übernahm Sandra Gasser, damals mit 1:58,90 noch Inhaberin des Schweizer Rekords über 800 Meter, das Coaching. «Ich hätte ihr den Rekord vor dem Heimpublikum sehr gerne abgejagt», sagt Brägger rückblickend. Das Vorhaben hat nicht ganz geklappt. Dennoch beinhaltete der Abend des 4.Juli 2001 Anita Bräggers ganz besonderen Sportmoment.

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