FC Wangen
Zwei Aargauer geben im Solothurner Fussball den Ton an

Die Oftringer Daniel Schneider und Roger Grimm führen den FC Wangen bei Olten zu zweit. Dies ist für Klubs mit vergleichbarer Grösse ein ungewohnter Luxus.

Pascal Kamber
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Sinkende Zuschauerzahlen auf der Chrüzmatt sind eines der Probleme, die Daniel Schneider und Roger Grimm als Co-Präsidenten des FC Wangen b.O. beschäftigen.pka

Sinkende Zuschauerzahlen auf der Chrüzmatt sind eines der Probleme, die Daniel Schneider und Roger Grimm als Co-Präsidenten des FC Wangen b.O. beschäftigen.pka

Der FC Wangen b. O. darf sich glücklich schätzen. Während Vereine wie etwa der SC Zofingen neun Jahre ohne Präsident auskommen mussten, stehen beim Solothurner Dorfklub gleich zwei Personen an der Spitze. Seit drei Jahren üben die beiden Oftringer Roger Grimm und Daniel Schneider das Amt im Co-Präsidium aus.

«Das funktioniert bestens», sagt Grimm, der den Verein als Marketing- und Sponsoring-Verantwortlicher nach aussen vertritt. «Wir sprechen uns in allen Belangen ab und treffen die Entscheide gemeinsam», so Grimm, «dadurch halten wir die Dienstwege kurz und schnell.»

Daniel Schneider, der als «Innenminister» für Bereiche wie die Spielkommission oder den Nachwuchs zuständig ist, hebt die Verteilung des Aufwands auf mehrere Schultern hervor. «So trägt nicht einer allein die gesamte Verantwortung», sagt er. Einen Fussballverein als «Ein-Mann-Show» zu führen, sei heutzutage ohnehin schwierig.

Zwei Zofinger im Fussball-Exil

«Ein Dorfverein, der in der Region verwurzelt ist, verfolgt gewisse Leitsätze», sagt Schneider, «die kann eine Person nicht einfach so über den Haufen werfen.» Obwohl die Vorteile für die Co-Präsidenten überwiegen, stellt sich die Frage, weshalb zwei in der Region Zofingen wohnhafte Fussball-Experten ihr Wissen auf «fremdem» Terrain weitergeben?

«Das hat sich durch unsere beruflichen Tätigkeiten ergeben», erklärt Grimm, der als Leiter Aussendienst in Oftringen arbeitet. Der 43-Jährige hat beim FCW von den Junioren bis hin zur ersten Mannschaft auf allen Stufen aktiv gespielt und später in den Vorstand gewechselt.

Ähnlich präsentiert sich Daniel Schneiders Laufbahn. Sein Stammverein ist zwar der SC Zofingen, für den er mehrere Jahre gespielt hat und als Juniorentrainer tätig war. «Ich arbeite aber schon seit 20 Jahren in Olten und bin über das Traineramt beim FC Wangen b. O. in diese Position gekommen», erzählt der 51-jährige Wirtschaftswissenschaftler.

Nachdem er drei Jahre das Amt des Sportchefs bekleidete, sei der Rücktrittsgedanke im Raum gestanden. Mit der Umstrukturierung unter dem neuen Präsidenten René von Euw stieg Schneider aber als dessen Vize ein. «Als bei seinem Rücktritt kein Nachfolger vorhanden war, entschieden wir uns dazu, das Amt in dieser Funktion zu übernehmen.»

Zwar habe der SC Zofingen gezeigt, dass ein Verein für ein paar Jahre ohne Präsident bestehen kann. Mittelfristig brauche es aber Leute an der Spitze, «um dem Verein nach aussen ein Gesicht zu verleihen.»

Gänzlich ohne Probleme läuft das Vereinsleben jedoch beim FC Wangen b. O. nicht ab. Eines davon sind die sinkenden Zuschauerzahlen, wie Daniel Schneider erzählt. «Unsere Heimspiele auf dem Sportplatz Chrüzmatt besuchen stets die gleichen knapp 300 Zuschauer», sagt er.

Zudem drücke der Schuh generell beim Thema Infrastruktur. «Unser Platz befindet sich mitten im Dorf, einen Kunstrasen haben wir nicht», sagt Schneider, der neidisch zu den Klubs in der Nachbarschaft blickt: «Dort herrschen bezüglich Zustand der Garderoben andere Verhältnisse.»

Und weil der Vorstand noch nicht so breit wie gewünscht abgestützt ist, besetzen derzeit einige Personen gleich mehrere Ämter. «Einen Dorfklub über 20 Jahre in der 1. Liga zu halten, ist eine Herkulesaufgabe», betont Daniel Schneider.

Auch aus sportlicher Sicht droht Ungemach in Form des Abstiegs der ersten Mannschaft in die 2. Liga inter. «Die Tabellenlage ist ungemütlich», sagt Roger Grimm zum vorletzten Rang in der 1.-Liga-Gruppe 2, «aber dank neuen Spielern und dem erfahrenen Trainer Dariusz Skrzypczak traue ich dem Team den Ligaerhalt absolut zu.»

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