Fussball
Zofingen-Coach Catricalà fühlt sich vor Rückrundenstart verschaukelt: «Der Sport wird mit Füssen getreten»

Plötzlich nur noch Dritter statt Tabellenführer: Beim 2. Liga inter-Aufstiegsanwärter ist der Ärger über den Fussball-Verband gross.

Ruedi Kuhn
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Der Ärger von Trainer Flavio Catricalà ist gross.

Der Ärger von Trainer Flavio Catricalà ist gross.

Otto Lüscher

Flavio Catricalà schüttelt den Kopf. Der Ärger des Trainers vom SC Zofingen ist riesig. Der Frust sitzt tief. «Das kann alles nicht wahr sein», sagt er wenige Tage vor dem Rückrundenauftakt am kommenden Wochenende. «Nach dem Rückzug von Eagles Aarau kurz vor Beginn der Rückrunde sind wir nicht mehr Leader sondern nur noch Dritter. Und das, obwohl in unserer Gruppe der 2. Liga interregional die Vorrunde abgeschlossen war und danach kein einziges Spiel ausgetragen wurde! Das soll mir mal einer erklären!» Catricalà kann, will sich nicht beruhigen, gerät in Rage, lässt seinen Emotionen freien Lauf und fügt hinzu: «Wir vom SC Zofingen fühlen uns total verschaukelt. Eines ist klar: Der Fairplay-Gedanke wird hier mit Füssen getreten. Das hat mit Sport nichts mehr zu tun.»

Was ist passiert? Warum ist der SC Zofingen nach dem kurzfristigen Rückzug von Eagles Aarau nicht mehr auf Rang eins, sondern nur auf Rang drei? Die nachfolgende Geschichte ist kompliziert. Sie wirft vor allem Fragen auf, statt Antworten zu liefern. Im Vordergrund ist nicht der sportliche Aspekt – es geht um Reglemente, Paragraphen und Ziffern des Wettspielreglements des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV).

Rollen wir den Fall auf: Weil der FC Eagles Aarau keine Junioren hat und damit eine wichtige Auflage der Amateurliga nicht erfüllt, war er gezwungen, seine erste Mannschaft in der Winterpause aus dem Meisterschaftsbetrieb zu nehmen. Weil alle bisherigen Resultate von Eagles Aarau gemäss Wettspielreglement des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV) Artikel 101, Ziffer 2, rückwirkend gestrichen und mit null Punkten und 0:0-Toren gewertet werden, wird die Tabelle der Gruppe 5 der 2. Liga interregional auf den Rängen eins bis drei durcheinander gewirbelt. Der SC Zofingen hat in der Vorrunde gegen Eagles Aarau 3:0 gewonnen. Diese Punkte werden abgezogen. Wettingen und Eagles trennten sich 0:0. Der grosse Profiteur ist der FC Muri, der gegen Eagles Aarau in der Vorrunde 3:4 verloren hat. Diese Niederlage fällt nun nicht ins Gewicht. So führt Muri die Rangliste vor dem Start zur Rückrunde mit einem Punkt Vorsprung auf Wettingen und drei Zählern auf Zofingen an.

Für Verwirrung, ja Unverständnis sorgte ein Mail der Amateurliga an die Adresse der interregionalen Vereine. Der Amateurliga-Sekretär Ramon Zanchetto schrieb nach dem Rückzug von Eagles Aarau unter dem Punkt «Weiteres Vorgehen» wörtlich: «Gemäss Artikel 101, Ziffer 3 des Wettspielreglements des Schweizerischen Fussballverbandes werden die Resultate der Hinrunde mit Beteiligung des FC Eagles Aarau gewertet.» Diese Information ist schlicht und einfach falsch.

Zanchetto gibt auf Anfrage der Aargauer Zeitung zu, dass seine Information falsch war. Zu einer Entschuldigung an die Adresse der Zofinger kann er sich indes nicht durchringen. Doch wenigstens gibt er zu, einen Fehler gemacht zu haben. «Diese Kommunikation war falsch», sagt Zanchetto und fügt an: «Ich habe sie entsprechend korrigiert. Entscheidend ist die Ziffer 2 im Artikel 101 des Wettspielreglements, in der klar und deutlich steht, dass alle Spiele eines zurückgezogenen Teams mit null Punkten und 0:0-Toren gewertet werden.»

Dass die Verantwortlichen des SC Zofingen sauer auf Zanchetto sind, ist verständlich. Nach der Falschinformation des Sekretärs der Amateurliga gingen Präsident Hansjörg Ryter und Trainer Flavio Catricalà nämlich davon aus, dass der 3:0-Sieg der Zofinger gegen Eagles Aarau bestehen bleibt. Bezüglich der Falschinformation von Zanchetto spricht Catricalà Klartext und sagt: «Zanchetto ist ein Profi und als Sekretär der Amateurliga schon lange im Geschäft. Eine solche Falschinformation darf ihm nicht passieren. Die Falschmeldung steht heute noch auf der Homepage der Amateurliga. Das ist schlichtweg unprofessionell.»

Es ist bitter für Zofingen, dass der 3:0-Sieg gegen Eagles Aarau im Nachhinein wertlos ist. Die Wiggertaler sind der grosse Verlierer des Rückzugs von Eagles Aarau. Logisch der Frust beim 42-jährigen Italiener Catricalà tief. «Es ist ein Skandal», sagt der Inhaber einer IT-Firma, «der Verband hat bewusst Einfluss auf die sportlich abgeschlossene Vorrunde genommen. Der Sport wurde mit Füssen getreten. Es kann nicht sein, dass Mitte der Saison Reglemente und Paragraphen durchgesetzt werden, die man schon vor Beginn der Saison hätten prüfen müssen. Auch hätte Eagles Aarau gemäss mir vorliegenden Dokumenten vor dem Rückrundenstart eine Junioren-Gruppierung mit einem anderen Klub realisieren können. Aber der SFV verweigerte einen Aufschub von zehn Tagen und versetzte Eagles damit den Todesstoss. Wir in Zofingen betreiben einen Riesenaufwand, um den Sprung in die 1. Liga zu schaffen. Ich will nicht daran denken, was passiert, sollte uns Ende Saison ein Punkt zum Aufstieg fehlen.»

Catricalà versteht auch nicht, warum der SFV im Fussball verschiedene Reglemente führt. Würde sich zum Beispiel des FC Aarau in der Winterpause aus der Challenge League zurückziehen, würden alle Vorrunden-Ergebnisse gewertet. Passiert das bei uns Amateuren, wird alles gelöscht.

Mal schauen, ob der SC Zofingen sein Saisonziel «Aufstieg» noch erreichen wird. Eines ist klar: Die Mannschaft ist vor dem Startschuss zur Rückrunde geladen. Dafür sorgt Catricalà alleine schon mit seinem Temperament. Das Startprogramm der Zofinger hat es in sich: Nach dem Auswärtsspiel in Grenchen am Samstag, 17 Uhr, heissen die Gegner der Reihe nach Freienbach, Muri, Olten, Pajde und Wettingen.

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