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Tradition und Premieren am 600. Brugger Abendrennen: Jonas Döring holt sich vor Marcel Weber den Sieg

Ein besonderes Jubiläum konnten am Mittwoch die Brugger Abendrennen feiern. Zum 600. Mal wurde im Schachen eine Rennprüfung ausgetragen. Trotz dieser Tradition gab es am Jubiläum Premieren: Erstmals gewann der Walliser Jonas Döring ein Abendrennen und erstmals tauchten die Doping-Funktionäre in Brugg auf.

August Widmer
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Jonas Döring (M.) gewann vor Marcel Weber (l.) und Matthias Plattner (r.) das 600. Brugger Abendrennen.

Jonas Döring (M.) gewann vor Marcel Weber (l.) und Matthias Plattner (r.) das 600. Brugger Abendrennen.

August Widmer

Im Hauptrennen der Elite und Amateure gab es einen «halben» Fricktaler Sieg. Der während der Woche häufig in Gipf-Oberfrick anzutreffende Jonas Döring aus St. German im Kanton Wallis holte sich erstmals den Sieg. Das über 50 Runden führende Rennen blieb bis am Schluss spannend.

Letztendlich konnte sich Döring mit sechs Punkten Vorsprung vor dem Deutschen Marcel Weber, der in dieser Saison das dritte Abendrennen gewonnen hat, und vor Matthias Plattner (Basel) durchsetzen. Da der die Saisonwertung anführende David Amsler (Auenstein) den entscheidenden Postabgang verpasste und nicht über den elften Platz hinauskam, wird es im Kampf um die Gesamtwertung nochmals spannend.

Döring liegt noch 38 Punkte hinter Amsler. An den zwei restlichen noch verbleibenden Rennen der Saison 2019 hat der Walliser die Chance, Amsler noch abzufangen. Die Chancen stehen auch deshalb nicht schlecht, weil das letzte Abendrennen vom 14. August für die Gesamtwertung die doppelte Punktzahl, nämlich deren 50, gibt.

Vogel gewinnt Verfolgungsrennen, keine neuen Sieger beim Nachwuchs

Ein neues Siegergesicht brachte auch das zum zweiten Mal in dieser Saison durchgeführte Verfolgungsrennen. Bei diesem Rennen, bei dem einzig der Schlussspurt über die Klassierungen entschied, holte sich der Thurgauer Alex Vogel vor dem Zürcher Unterländer Mauro Schmid den Sieg.

Am Sonntag hatte es beim Kriterium von Olten noch anders ausgesehen. Da hatte sich Schmid den Sieg geholt, Vogel war Dritter gewesen. «In Brugg drehten die Beine nicht so gut wie am Sonntag in Olten. Deshalb musste ich Vogel den Vortritt lassen», erklärte Schmid nach diesem speziellen Rennen. Das Verfolgungsrennen war einer der Höhepunkte des 600. Abendrennens. Am Schluss der über acht Runden führenden Prüfung, wo alle Kategorien mit Vorgaben auf die Elite starteten, lagen fünf Elite-Fahrer vor dem Anfänger Jan Christen (Gippingen).

Vor dem wegen des Jubiläums in grosser Zahl erschienen Publikum zeigte sich auch der Nachwuchs von der besten Seite. Das Rennen der Junioren und Anfänger wurde zum sechsten Mal in dieser Saison zu einer Beute von Jeannot Rey (Unterentfelden). Der Junior konnte sich allerdings erst in der Schlussphase gegen den Anfänger Jan Christen (Gippingen) durchsetzen.

Bei den Schülern der Jahrgänge 2005 und 2006 gewann Francesco Caruso (Unterlunkhofen) zum vierten Male. Im Rennen der Jahrgänge 2007 und jünger scheint niemand den Fricktaler Lars Emmenegger (Kaisten) stoppen zu können. Er holte sich bei seinem neunten Start auch zum neunten Male den ersten Platz.

Von der Idee überzeugt

Das 600. Brugger Abendrennen ging nicht nur vor einer grossen Zuschauerkulisse, sondern auch vor den Augen etlicher Ehemaliger sowie vor den Gründervätern Max Keller und Edwin Rudolf in Szene. Edwin Rudolf, der spätere Direktor der Schweizer Sporthilfe, hatte 1967 die Idee mit den Abendrennen gehabt. Max Keller, der heutige Ehrenpräsident des RB Brugg setzte diese Idee um und arbeitet auch jetzt noch jeden Sommer in der Organisation mit.

Dass die Abendrennen 600. Mal durchgeführt wurden ist auch ein Erfolg für die beiden Initianten, den heutigen RB Brugg-Ehrenpräsident Max Keller (r.) und Edwin Rudolf (l.), den früheren Direktor der Schweizer Sporthilfe.

Dass die Abendrennen 600. Mal durchgeführt wurden ist auch ein Erfolg für die beiden Initianten, den heutigen RB Brugg-Ehrenpräsident Max Keller (r.) und Edwin Rudolf (l.), den früheren Direktor der Schweizer Sporthilfe.

August Widmer

«Obwohl wir anfangs skeptisch angeschaut wurden, hat sich die Idee der Abendrennen bewährt und durchgesetzt. Sie sind bei Zuschauern und Rennfahrern weiterhin beliebt. Deshalb würde ich am Ablauf der Rennen nichts ändern», zeigte sich Rudolf von seiner in die Tat umgesetzte Idee immer noch überzeugt.

Im Schweizer Sport angekommen

Dass in Brugg schnell gefahren wird und das 599. Abendrennen das schnellste Rennen der Geschichte wurde, beeindruckte Rudolf am meisten: «Die Entwicklung der Tempi im Schachen zeigt die Entwicklung des Radsportes. Da hat sich im letzten Jahrhundert einiges getan. Das Material wurde besser und auch die Trainings sind anders. Das all das die Abendrennen widerspiegeln, finde ich eine tolle Sache».

In den Anfangsjahren als «Trainingsrennen» ins Leben gerufen, sind die Brugger Abendrennen im Verlaufe des ersten halben Jahrhunderts ihres Bestehens zu mehr, nämlich zu «Rennen unter der Woche» geworden. Und dass gerade am Jubiläumsrennen erstmals die Doping-Funktionäre von Swiss Olympic auftauchten und die Besten des 600. Rennabends zur medizinischen Kontrolle baten, zeigt, dass die Brugger Abendrennen im Schweizer Sport definitiv angekommen, beobachtet werden und nicht mehr wegzudenken sind.

Ergebnisse 10. Brugger Abendrennen vom 31.07.2019:

Elite, Amateure: 1. Jonas Döring (St. German VS ) 48 km in 1:01:028 (46,86 km/h), 30 Punkte, 2. Marcel Weber (De) 24, 3. Matthias Plattner (Basel) 22, 4. Gian Schmid (Seon) 13, 5. Christian Weber (Spreitenbach) 12, 6. Ivan Hasler (Gipf-Oberfrick) 10, 7. Pierre Neve (Zürich) 9, 8. Claude Abderhalden (Bern) 8, 9. eine Runde zurück: Mauro Schmid (Steinmaur) 29, 10. Timo Güller (Döttingen) 21, 11. David Amsler (Auenstein) 15, 12. Manuel Zobrist (Rupperswil) 9.

Verfolgungsrennen: 1. Alex Vogel (Märwil TG), 2. Mauro Schmid (Steinmaur), 3. Zobrist, 4. Güller, 5. Döring, 6. Jan Christen (Gippingen).

Junioren, Anfänger, Frauen: 1. Jeannot Rey (Unterentfelden/Junior) 19,2 km in 26:12 (43,97 km/h), 28 Punkte, 2. Jan Christen (Gippingen/1. Anfänger) 25, 3. Jonas Stäuble (Sulz) 16, 4. Sebastian Roth (Seon) 11, 5. Dominik Weiss (Sulz) 8, 6. Nicola Schleuniger (Klingnau) 7, 7. Sandra Weiss (Sulz/1. Frau) 6, 8. Lea Huber (Sulz(2. Frau) 5.

Schüler: Jahrgänge 2005 und 2006: 1. Francesco Caruso (Unterlunkhofen) 9,6 km in 14:54 (38,658 km/h), 19 Punkte, 2. Cedric Graf (Affoltern) 13, 3. Miro Leubin (Schupfart) 9, 4. Leandro Schleuniger (Klingnau) 6, 5. Nik Zbinden (Gränichen) 5, 6. Jan Huber (Sulz) 4, 7. Nicola Zumsteg (Gansingen) 3, 8. Tina Zbinden (Gränichen/1. Mädchen).

Jahrgänge 2007 und jünger: 1. Lars Emmenegger (Kaisten) 5,76 km in 09:05 (35,146 km/h), 12 Punkte, 2. Seybien Zumsteg (Sulz) 6, 3. Levin Hüsler (Gansingen) 4, 4. Aron Müller (Wittnau) 4, 5. Aline Graf (Affoltern/1. Mädchen) 4, 6. Tobias Rauber (Riniken) 2.