Schweizer Volkslauf
Der Aargauer OL-Läufer düpiert die Laufelite: Matthias Kyburz gewinnt den GP Bern

Der Fricktaler Matthias Kyburz gewinnt bei einer starken Konkurrenz die 40. Austragung des bedeutendsten Schweizer Volkslaufs in Bern. Er absolvierte die zehn Meilen in einer Zeit von 48:52 Minuten.

Jörg Greb
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Hohe Temperaturen am Volkslauf in Bern.

Hohe Temperaturen am Volkslauf in Bern.

swiss-image.ch

Das Palmarès von Matthias Kyburz im Orientierungslauf ist eindrücklich: Fünf WM-Goldmedaillen, fünf Weltcup-Gesamtsiege, sieben Europameistertitel, 22 Weltcupsiege sowie 16 Schweizermeistertitel. Zuletzt aber profilierte sich das Mitglied der OLK Fricktal als Leichtathlet. Als Schweizer Meister im Cross liess er sich Anfang März feiern. Am Kerzerslauf Mitte März klassierte er sich hinter einer Armada afrikanischer Langstreckenspezialisten mitten in der Schweizer Elite. Und jetzt glückte ihm am bedeutendsten und grössten Volkslauf der Deutschschweiz das Vorzeigeergebnis: Matthias Kyburz siegte im Zehnmeilenrennen (16,1 km). Mit dieser Glanzleistung reihte er sich in die Siegerliste mit grossen Namen ein: Vierfachsieger Markus Ryffel (zuletzt 1988), Tadesse Abraham (2005, 2014 und 2015) und Aushängeschildern aus Kenia, Eritrea oder Äthiopien, angeführt von Idolen wie Haile Gebrselassie, Kenenisa Bekele oder Streckenrekordhalter Geoffrey Kamworer. Von «einer Riesenfreude und einem Riesengeschenk» sprach der 32-jährige Rheinfelder, der seit neun Jahren in Bern wohnt.

Matthias Kyburz gewann den GP Bern.

Matthias Kyburz gewann den GP Bern.

Gabriele Putzu / TI-PRESS

Mit eindrücklicher Lockerheit zum Sieg

Wie ist es zu diesem Exploit gekommen? Zum einen verzichteten die Organisatoren aufgrund der schwierigen Situation nach darauf, Topnamen aus dem Ausland zu verpflichten. An Konkurrenz mangelte es Kyburz dennoch nicht. Adrian Lehmann ist der Marathon-Meister des letzten Jahres und seines Zeichens Halbmarathon-Team-Europameister von 2016. Und ein Kenianer lief auch mit: John Kipkorir. Kyburz aber blieb gelassen: «Ich wusste von meiner hervorragenden Form.»

Und drei gewonnenen Direktduellen (2x Cross, Kerzerlauf) gegen Lehmann. Zusätzlich trug er so etwas wie ein Rachegefühl in sich: Die Startnummer mit der 1 hatte Lehmann erhalten. Er hatte sich mit der 2 zurechtzufinden. Spätestens ab Streckenhälfte begann sich Kyburz’ Sieg abzuzeichnen. Seine Körpersprache war eindeutig, während jene seiner letzten Widersachern Unsicherheit verrieten. Die Folge: Matthias Kyburz zog weg. Die letzten Kilometer wurden zum Schaulaufen. Er genoss es sichtlich und zog durch. Vor allem die zweite Schlaufe durch die Altstadt erlebte er als «etwas vom Geilsten». Läuferinnen und Läufer späterer Startblocks kamen ihm entgegen und applaudierten von der Gegenseite.

Der Triumphzug geriet nicht mehr ins Stocken. Trotz der hohen Temperaturen lief Kyburz nach starken 48:52 Minuten ins Ziel. Der Vorsprung auf Kipkorir und Lehmann ist vielsagend: 48 Sekunden und 1:06 Minuten. Durch die Parforceleistung fühlt sich der Fricktaler zusätzlich gestärkt im Hinblick auf die OL-Highlights. Ende Monat erfolgt in Schweden der Weltcup-Auftakt, Ende Juni stehen die ersten Sprint-Weltmeisterschaften in Dänemark auf dem Programm. Augenzwinkernd sagt er: «Den GP lief ich mit einer grossen Lockerheit, das war cool.»

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