Schweizer Cup
«Der FC Basel? Bei mir? Ja klar, Verarschen kann ich mich selbst»: So bereitet sich Zweiligist «SchöNie» auf das grösste Spiel der Vereinsgeschichte vor

Der FC Schönenwerd-Niedergösgen steht vor dem grössten Spiel der Klubgeschichte. Am Sonntag um 14 Uhr trifft er im Schweizer Cup auf den FC Basel. Klubbeiz-Chefin, OK-Präsident und der AFV-Geschäftsführer nehmen vor dem Cup-Kracher Stellung.

Martin Probst
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Madeleine Bagréaux wird auch gegen den FC Basel auf ihr bewährtes Konzept setzen.

Madeleine Bagréaux wird auch gegen den FC Basel auf ihr bewährtes Konzept setzen.

Alexander Wagner

Im ersten Moment glaubte Madeleine Bagréaux ja an einen Scherz, als ihre Tochter anrief und sagte: «Mama, jetzt kommt dann schon bald der FC Basel zu dir!» Bagréaux übernahm 2006 die Klubbeiz beim Fussballplatz Schönenwerd, einige Jahre später wechselte sie nach Nieder­gösgen, wo die erste Mannschaft spielt.

Also jenes Team, das am Sonntag den FC Basel empfängt. Dem Traumlos sei Dank. Als die Kugel mit dem Gegner vor gut einem Monat gezogen wurde, freute sich Bagréaux auf ihre Ferien. «Darum dachte ich, meine Tochter will mich hochnehmen und mich kurz vor der Abreise verarschen.»

Der FC Schönenwerd-Niedergösgen darf sich am Sonntag gegen den Super-League-Leader messen.

Der FC Schönenwerd-Niedergösgen darf sich am Sonntag gegen den Super-League-Leader messen.

Alexander Wagner

Erst als das Beweisfoto eintraf, war auch Bagréaux klar: Da kommt etwas Grosses auf den Verein zu. In die Ferien ging sie dann trotzdem. «Ich habe ein super Team, das alles wunderbar organisierte». Seit einer Woche ist sie aber zurück und bibbert dem Sonntag entgegen. «Es ist lustig, egal, wo ich hingehe, alle wissen, dass der FCB zu uns kommt.» Zwar gibt es dann von allem etwas mehr –aber das bewährte Konzept Wurst und Bier bleibt.

«Ich wusste, dass ich dafür meine Ferien opfern werde»

Marco Capillo hat schon immer gerne Dinge organisiert: grosse Geburtstagsfeste oder Hoch­zeiten zum Beispiel. «Aber das übertrifft alles bei weitem», sagt er.

Klar habe er sich Gedanken gemacht, als ihn Co-Präsident Joel Kleger fragte, ob er für das Cupspiel gegen den FC Basel als OK-Präsident bereitstehen würde. «Ich wusste, dass ich meine zwei Wochen Ferien opfern werde. Doch der Reiz war gross, es zu tun. Dass es so viel mit sich bringt, hätte ich aber niemals gedacht.»

Marco Capillo verzichtete auf seine Ferien, um das Fussballfest zu organisieren.

Marco Capillo verzichtete auf seine Ferien, um das Fussballfest zu organisieren.

Alexander Wagner

Dass er die Aufgabe angenommen hat, bereut Capillo aber bis heute nicht. «Es wird ein einmaliges Fussballfest, ein Event, das in der Vereinsgeschichte im Normalfall nur einmal vorkommen wird.»

Und so setzte er sich eifrig mit Ab­läufen auseinander, die ihm zuvor fremd waren. «Wir be­gannen ja quasi bei null.» Doch die Unterstützung, die er erfuhr, war riesig. «Ohne diese Hilfe wäre es unmöglich gewesen. Und jeden Tag kommen neue Anfragen von Leuten, die helfen wollen.» Helfen, dass das Highlight für 2255 Zuschauer möglich wird.

«Der Fussball verbindet uns, der Rest spielt überhaupt keine Rolle»

Ist Hannes Hurter, der Geschäftsführer des Aargauischen Fussballverbands AFV, ein wenig eifersüchtig, dass mit Schönenwerd-Niedergösgen ein Verein aus dem Kanton Solothurn das Traumlos FC Basel zog? Und das als Sieger des Aargauer Cups. Hurter winkt sofort ab. «Das spielt überhaupt keine Rolle, wir sind eine Region und der Fussball vereint uns. Schönenwerd-Niedergösgen ist ein vollwertiges Mitglied des AFV und unser Vertreter.»

AFV-Geschäftsführer Hannes Hurter freut sich darüber, dass mit dem Traumlos auch der Aargauer Cup aufgewertet wird.

AFV-Geschäftsführer Hannes Hurter freut sich darüber, dass mit dem Traumlos auch der Aargauer Cup aufgewertet wird.

Alexander Wagner

Hurter freut vielmehr, dass der Aargauer Cup zum Türöffner für das Fussballfest wurde. «Das Traumlos wertet unseren Wettbewerb noch zusätzlich auf, weil SchöNie als Aargauer Cup­sieger an der ersten Hauptrunde des Schweizer Cups teilnehmen darf. Darum nehmen die AFV-Klubs den Aargauer Cup ernst, weil sie wissen, dass etwas Grosses entstehen kann.»

Schönenwerd-Niedergösgen gehört seit der Fusion der beiden Teams dem AFV an. «Und sie fühlen sich gemäss eigenen Aussagen pudelwohl bei uns», sagt Hurter. «Wir sind stolz, sie als Mitglied in unserem Verband zu haben.»

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