NLA-Handball
Die Zukunft heisst «Handball Endingen»: Wie die Surbtaler das Ambri der Handballschweiz werden wollen

Die neue Führung um Präsident Roger Küng stellt den NLA-Verein als Handball Endingen neu auf, erhöht das Budget massiv – und will sich mittelfristig in den Top 6 etablieren.

Dean Fuss
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Unter dieser Bildmarke tritt Handball Endingen ab der kommenden Saison in der NLA auf.

Unter dieser Bildmarke tritt Handball Endingen ab der kommenden Saison in der NLA auf.

Bild: zvg

Surbtal statt Leventina. GoEasy-Arena statt Valascia. Platte statt Eisrink. Harz statt Kufen. Handball Endingen statt HC Ambri-Piotta. Die Aargauer NLA-Handballer des TV Endingen wollen das Ambri des Schweizer Handballs werden. Kurz: ein sympathischer Aussenseiter mit Ausstrahlung und Ambitionen.

Dass sich beim TV Endingen etwas tut, ist seit mehreren Monaten bekannt. Im Mai war angekündigt worden, dass sich die Handballer vom Turnverein abspalten und sich zwecks einer notwendigen Professionalisierung künftig als Aktiengesellschaft organisieren.

Diese ist als Handball Aargau Ost AG seit Anfang Februar im Handelsregister eingetragen. Wie bereits im vergangenen Mai angekündigt, ist die Gründung der AG unter Federführung von Roger Küng geschehen.

Ist Verwaltungsratspräsident der neu gegründeten Handball Aargau Ost AG: Roger Küng.

Ist Verwaltungsratspräsident der neu gegründeten Handball Aargau Ost AG: Roger Küng.

Bild: zvg

Der 44-Jährige ist der neue starke Mann der Organisation. Als Sponsor ist der Inhaber und Geschäftsführer der Gross Garage, die über mehrere Standorte in der Region und der Innerschweiz verfügt, bereits seit mehreren Jahren im Umfeld des TVE aktiv, seit vergangenem Frühling amtet er ausserdem als Sportchef des NLA-Vereins. Als Verwaltungsratspräsident steht das Gründungsmitglied Küng der Handball Aargau Ost AG künftig vor.

Im Zuge der Neupositionierung kommt es zu einem Namenswechsel: Der TV Endingen tritt ab kommender Saison als Handball Endingen im Meisterschaftsbetrieb an. Es ist ein bewusster Entscheid, die Nähe zum bisherigen Verein aufrecht zu erhalten. Küng erklärt das so:

«Endingen hat sich in den vergangenen Jahren einen guten Namen im Schweizer Handball gemacht. Davon wollen wir unbedingt weiterhin profitieren.»

Nach aussen wird das durch ein komplett neues Erscheinungsbild ersichtlich. Dieses soll gemäss Küng identitätsstiftend und imagefördernd sein.

So sieht das neue Logo von Handball Endingen aus.

So sieht das neue Logo von Handball Endingen aus.

Bild: zvg

Neue Bildmarke

Logo soll Aufbruchstimmung sichtbar machen

Die moderne Bildmarke, unter der Handball Endingen ab der neuen Saison auftritt, wurde mit sehr viel Liebe zum Detail kreiert. Sie soll die «Aufbruchstimmung auch visuell sichtbar machen», wie es in der Medienmitteilung vom Donnerstagmorgen heisst. Das Logo setzt sich zusammen aus einem «E» für Endingen, einem Hexagon für die einzelnen «Lederblätzen» des Balles und einem Stern für das Wappen des Kanton Aargau. «In Kombination mit den bekannten Endinger Farben Rot, Gelb und Blau haben wir so eine unverkennbare, einzigartige und starke Bildmarke für Handball Endingen», heisst es dazu weiter. (dfs)

So setzt sich das neue Logo von Handball Endingen zusammen.

So setzt sich das neue Logo von Handball Endingen zusammen.

Bild: zvg

Neu eine starke Frau: Geschäftsführerin Rosalba Borer

Übernimmt in zweieinhalb Monaten die Stelle als Geschäftsführerin: Rosalba Borer.

Übernimmt in zweieinhalb Monaten die Stelle als Geschäftsführerin: Rosalba Borer.

Bild: zvg

Neben dem neuen starken Mann gibt es künftig auch eine neue starke Frau: die designierte Geschäftsführerin Rosalba Borer. Die 38-Jährige ist eine Handball-Quereinsteigerin, hat aber als Sporttrainerin und Ernährungscoach lange Erfahrung im Leistungssport-Umfeld.

Borer ist aktuell bereits Mitglied der Projektgruppe «Phoenix», welche den Neustart der Gesellschaft seit rund zwölf Monaten im Hintergrund vorbereitet. Per 1. Juni 2021 wird sie ihren neuen Job in einem Teilpensum antreten.

Mittelfristige Etablierung in den Top 6 des Schweizer Handballs

«Gemeinsam nach den Sternen greifen», lautet der neue Leitspruch von Handball Endingen. Gelingt der Ligaerhalt, ist für die kommende Saison die Playoffteilnahme als Zielsetzung festgelegt, mittelfristig will sich Handball Endingen in den Top 6 des Schweizer Handballs etablieren.

Torhüter Dario Ferrante kehrt auf die kommende Saison hin nach Endingen zurück.

Torhüter Dario Ferrante kehrt auf die kommende Saison hin nach Endingen zurück.

Bild: Alexander Wagner

Dafür ist die eine oder andere Kaderveränderung nötig. Kurzfristig soll das wie im Fall von Torhüter Dario Ferrante, der auf die kommende Saison nach Endingen zurückkehrt, durch die Rückkehr etablierter NLA-Spieler aus der Surbtaler Talentschmiede und weitere Neuverpflichtungen erfolgen.

Langfristiges Budgetziel: Verdoppelung auf eine Million Franken

Damit das möglich wird, braucht es aber mehr als eine neue Führung und neue Strukturen. Es ist zusätzliches Geld nötig, das ist mittlerweile auch im Schweizer Handball so. Die Handball Aargau Ost AG strebt deshalb für Handball Endingen auf lange Frist ein jährliches Budget von rund einer Million Franken an.

Die Fans können sich als Aktionäre per sofort an Handball Endingen beteiligen.

Die Fans können sich als Aktionäre per sofort an Handball Endingen beteiligen.

Bild: Alexander Wagner

Angesichts des für die Saison 2020/21 ausgewiesenen Budgets von 520'000 Franken kommt das praktisch einer Verdoppelung gleich. Gemäss Küng soll bereits für die kommende Saison eine Budgeterhöhung von rund einer Viertelmillion Franken geplant sein. Nicht ins Budget eingerechnet werden sowohl das Aktienkapital von 100'000 Franken als auch das durch den Aktienverkauf entstehende zusätzliche Kapital von weiteren 150'000 Franken (siehe Box unten).

Handball Endingen will auf Eigengewächse setzen

Dass es den Verantwortlichen mit dem neuen Slogan ernst ist, zeigt auch die breite Abstützung der Neupositionierung. So wird Handball Endingen auf einem durch die HSG Aargau Ost und die regionalen Vereine gebildeten Fundament stehen, die Zusammenarbeit mit den Vereinen wird intensiviert.

Auf lange Sicht sollen Talente aus der Region beim dannzumaligen NLA-Spitzenklub in ihre Rolle hineinwachsen und nur noch punktuell durch Musterprofis aus der Fremde ergänzt werden.

Handball Endingen soll für die gesamte Region stehen. Küng und Co. wollen als sympathischer Underdog «gemeinsam nach den Sternen greifen» – eben das Ambri der Handballschweiz sein.

Aktienverkauf läuft ab sofort

Auch der Turnverein Endingen ist als Aktionär dabei

Die Handball Aargau Ost AG als Trägerschaft der Spitzensportabteilung Handball Endingen soll möglichst breit abgestützt werden – und deshalb den Fans gehören. Das Aktienkapital von 100000 Franken setzt sich aus 1000 Aktien zum Nennwert von jeweils 100 Franken zusammen. Ein einzelner Käufer darf indes maximal 10 Prozent, also 100 Aktien, in seinen Besitz bringen. Interessierte können unter www.handball-endingen.ch per sofort Aktien erwerben.

Verkauft werden sie zu einem Preis von 250 Franken pro Stück. Der dadurch gegenüber dem Aktienkapital entstehende Überschuss von 150'000 Franken soll vollumfänglich in die Finanzierung der Neuorganisation fliessen.

An der Handball Aargau Ost AG und damit am Neustart der Spitzenhandball-Abteilung beteiligt sich auch deren ehemalige vereinstechnische Heimat: der Turnverein Endingen. Dieser erwirbt für 12'500 Franken fünf Prozent Aktienanteil und tritt die Spielerlizenzen, die sich derzeit in seinem Besitz befinden, kostenlos an Handball Endingen ab. Das haben die Turner an ihrer ausserordentlichen Generalversammlung Anfang März beschlossen. (dfs)