Matthias Kyburz betreibt OL in der Tat nachhaltig. Seit acht Jahren gehört der 29-Jährige nun schon konstant zu den besten drei Athleten in seiner Sportart. Ein Ende ist nicht absehbar. Und doch gehen ihm die Ziele auch in der neuen Saison, die diesen Samstag mit der Schweizer Nacht-Orientierungslauf-Meisterschaft beginnt, nicht aus. Heuer schweift der Blick in Richtung Norwegen. Es ist ein Blick mit etwas veränderten Vorzeichen.

Nur zwei Titel hat Kyburz noch nie gewonnen: Weltmeister in der Königsdisziplin Langdistanz und Aargauer Sportler des Jahres. Während er auf den einen konsequent hinarbeitet, liegt der andere nicht in seinen Händen.

Bei der Publikumswahl zum Sportler des Jahres musste der studierte Biologe mehrfach feststellen, dass fünf Gesamtweltcupsiege, vier WM-Titel und fünf EM-Goldmedaillen zwar eine im Aargauer Sport überwältigende Bilanz darstellen, aber keine Garantie für eine entsprechende Würdigung bieten.

Jüngst durfte Kyburz wieder realisieren, dass seine Sportart selbst in der OL-Weltmacht Schweiz eine Randerscheinung bleibt. Es war nicht das erste Mal in diesem Winter, dass sich für ihn die Realitäten verschoben. Als er im Dezember aus dem Training heraus überraschend den traditionsreichen Zürcher Silvesterlauf gewann, war ihm ein Medienecho gewiss wie kaum je in seinem Sport.

«Für mich persönlich stand diese Aufmerksamkeit in keinem Verhältnis zu meinen gezeigten Leistungen im OL. Laufe ich bei einem Weltcup aufs Podest, ist dies höchstens eine Randnotiz wert», schrieb der in Bern wohnende Fricktaler ernüchtert in seinem Blog.

Matthias Kyburz gewann im Dezember 2018 den Zürcher Silvesterlauf.

Matthias Kyburz gewann im Dezember 2018 den Zürcher Silvesterlauf.

Kyburz neu ein «Bähnler»

Sei es, wie es ist – Kyburz kann die Welt schliesslich nicht verändern. Oder etwa doch? Seit vier Monaten arbeitet der letztjährige Profisportler in einem 40%-Pensum in der Abteilung Nachhaltigkeit der SBB. Er soll die Mitarbeiter dafür motivieren, bewusster mit den Ressourcen umzugehen. Kyburz zieht ein sehr positives erstes Fazit.

Zwar habe er weniger Zeit für die Erholung zur Verfügung, dafür sei er umso motivierter fürs Training, fokussiere mehr auf seine Tätigkeiten und erlebe spannende Tage. Die zaghafte Langeweile und das Gefühl, während der Vorbereitungsmonate auf die Wettkampfsaison nicht ausgelastet zu sein, liessen ihn eine Beschäftigung suchen.

Lundanes mit Heimvorteil

Auf seine Leistungsfähigkeit scheint sich die neue Situation nicht negativ auszuwirken. Den ersten internationalen Vergleich des Jahres in Portugal gewann er vor dem Norweger Olav Lundanes und Landsmann Daniel Hubmann. Es war das identische Podest wie in den letzten vier Jahren im Gesamtweltcup und sagt einiges über die unveränderten Favoritenverhältnisse an der Weltmeisterschaft im August aus.

Trotzdem wird Kyburz’ Traum vom ersten Langdistanz-Gold nicht unbedingt greifbarer. Denn die WM findet im Süden Norwegen statt und bietet der Weltnummer 1 Olav Lundanes einen zusätzlichen Heimvorteil, den dieser gar nicht braucht. Zuletzt dreimal in Serie und fünfmal insgesamt gewann er das WM-Rennen über die Königsdistanz bereits.

Zwei Monate in Norwegen

Damit er zumindest ein gefährlicher Herausforderer sein wird, investiert Matthias Kyburz trotz Berufseinstieg viel. Nächste Woche reist er für Trainingszwecke zehn Tage nach Norwegen. Im April erfolgt ein gleich langer Trip und im Mai noch eine Woche. Nach den Schweizer Selektionsläufen, die ebenfalls im WM-Land stattfinden, verbringt Kyburz den gesamten Juli im Land seiner nächsten Herausforderung. Schliesslich soll auch diese Vorbereitung nachhaltige Ergebnisse liefern.