Brügglifeld, Donnerstag, kurz vor 12 Uhr: Das letzte Training vor der Stunde der Wahrheit ist zu Ende. Marco Schällibaum trifft sich gleich mit Präsident Alfred Schmid, Vize Roger Geissberger und Sportchef Raimondo Ponte zum Mittagessen.

Schällibaum bleibt FCA-Trainer

Schällibaum bleibt FCA-Trainer

Der Vertrag des FC Aarau-Trainers Marco Schällibaum wird um eine Saison verlängert. Nicht unumstritten, nach der durchzogenen Saison.

Bevor er sich verabschiedet, sagt Schällibaum zur «az»: «Egal, was sie mir sagen: Sie können sicher sein, dass es heute von meiner Seite keine Entscheidung geben wird.» Damit meint er wohl: Wenn die Klubführung mich so lange hat warten lassen, dann nehme ich mir auch Zeit bis zur Entscheidung.

Das Stadion Brügglifeld, Schauplatz vieler Geschichten, ist um eine Episode reicher.

Das Stadion Brügglifeld, Schauplatz vieler Geschichten, ist um eine Episode reicher.

Gasthof Bären in Kölliken, 12.30 Uhr: Im Speisesaal wird Fischfilet mit Kartoffeln aufgetischt. Wein gibt es keinen, die Stimmung ist trotzdem gut. Die FCA-Bosse gratulieren Schällibaum zu seinem 55. Geburtstag. Und nach dem Hauptgang überreichen sie dem Jubilar ein ganz besonderes Geschenk: Das Angebot, den auslaufenden Vertrag bis Ende Juni 2018 zu verlängern. Inklusive Option für eine weitere Saison. Die vier Herren tauschen sich weiter aus – und irgendwann sagt Schällibaum: «Ich nehme an.»

Ist Schällibaum nur lachender Dritter?

Brügglifeld, 14.30 Uhr: Im schummrigen Licht der Sponsorenloge im Stadionbauch lässt Roger Geissberger die Katze aus dem Sack: «Marco Schällibaum bleibt Trainer des FC Aarau.»

Die Überraschung ist perfekt. Nicht nur wegen Schällibaums Worten wenige Stunden zuvor auf dem Trainingsplatz. In den vergangenen Wochen häuften sich die Indizien, dass der Zürcher spätestens im Sommer gehen muss. Allen voran die Gespräche mit Nachfolge-Kandidaten – Giorgio Contini soll sogar ein Angebot erhalten haben. Jeff Saibene hingegen wurde in dem Moment zur «Mission Impossible», als es den Luxemburger in die 2. Bundesliga zu Bielefeld zog.

Giorgio Contini soll ein Angebot vom FC Aarau erhalten haben. Dennoch bleibt Marco Schällibaum Trainer des FCA.

Giorgio Contini soll ein Angebot vom FC Aarau erhalten haben. Dennoch bleibt Marco Schällibaum Trainer des FCA.

Im Winter stand er kurz vor der Entlassung

Von mangelndem Vertrauen in Schällibaum will Geissberger nichts wissen. Er bezeichnet das Vorgehen in den vergangenen Wochen als «unsere Pflicht». Man habe aus mehreren Alternativen die beste Lösung wählen wollen. «Es gibt 20 Trainerjobs im Schweizer Profifussball – aber 150 Kandidaten mit der nötigen Lizenz. Es ist unser gutes Recht, dass wir uns umschauen. So, wie das Spieler und Trainer vor Verhandlungen auch tun.» Eine Notlösung, weil Contini und Saibene abgesagt haben, sei die Vertragsverlängerung mit Schällibaum nicht: «Der Entscheid des Verwaltungsrats war einstimmig.»

Das mag sein. Und die Argumente, die laut Geissberger für Schällibaum sprechen, leuchten auch ein: Er kenne den Verein und die Spieler, diese stünden zu 100 Prozent hinter ihm, das Verhältnis zwischen Trainer und Klubleitung sei ebenfalls gut. Und im vergangenen Jahr habe der FC Aarau zwischen Januar und September guten und erfolgreichen Fussball gezeigt.

Doch nach dem 1:1 gegen den FC Zürich am 25. September 2016 kam der Bruch. Es folgte eine sportliche Baisse mit Folgen: Schällibaum stand in der Winterpause, so hört man, kurz vor der Entlassung. Dann jedoch erhielt er eine Frist bis Anfang April, in der seine Arbeit weiter beurteilt wurde. Wie dieses Urteil ausfiel, ist nicht bekannt. Fakt ist: Das Ausscheiden im Cup gegen Luzern, zehn Punkte aus sieben Ligaspielen und die sinkende Leistungskurve sind kein sportliches Ruhmesblatt für Schällibaum. Geissberger dazu: «Dass wir unsere sportlichen Ziele verfehlt haben, liegt an allen, nicht nur am Trainer.»

Und was sagt Schällibaum zur überraschenden Wende im Trainerkrimi? «Ich habe bei unserem gemeinsamen Essen gehört, was ich hören wollte. Klar gab es zuletzt gemischte Gefühle. Dass andere Kandidaten im Spiel waren, das kratzt und beisst an meinem Stolz. Doch jetzt schauen wir nach vorne und planen mit Vollgas die neue Saison.» Das Ziel für 2017/18 steht bereits fest. Geissberger: «Wir wollen so lange wie möglich um den Aufstieg mitspielen.»