Snooker
Magischer Ursenbacher erinnert an Roger Federer

Der Aargauer Snookerprofi Alexander Ursenbacher besiegt Weltmeister Ronnie O'Sullivan im zweitwichtigsten Turnier des Jahres. Am Dienstag spielt er um den Einzug in die vierte Runde und um mehr als 20000 Franken.

Martin Probst
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Alexander Ursenbacher brilliert am Snookertisch.

Alexander Ursenbacher brilliert am Snookertisch.

zvg

Andere warten ein Sportlerleben lang darauf, Alexander Ursen­bacher hat es schon zweimal geschafft. Doch dieses Mal ist sein Sieg gegen Ronnie O’Sullivan, den sechsfachen Weltmeister und wohl besten Snookerspieler der Geschichte, noch spezieller. Weil ihn O’Sullivan kein zweites Mal unterschätzen würde, weil die UK Championship nach der WM das zweitwichtigste Turnier des Jahres sind und weil er nun mit 2:0-Siegen im Direktduell führt.

An den Welsh Open im vergangenen Jahr musste Ursen­bacher vier Spiele gewinnen, um das Duell mit der Legende für sich zu entscheiden. Am Sonntag waren es sechs. Vor laufenden Kameras und Millionen Fans in Grossbritannien, wo die Sportart Kultstatus geniest. 5:5 stand es nach zehn Frames. Der elfte, der letzte, der Decider, wie er im Snooker genannt wird, musste, wie es der englische Name sagt: entscheiden. Viele würden jetzt zittern. Doch Ursenbacher blieb cool und riskierte einen Stoss, der, wenn er missraten wäre, O’Sullivan gute Chancen auf den Sieg ermöglicht hätte. Doch der Aargauer traf in die Tasche und gewann später das Duell mit dem Star.

«Dieser Stoss war magisch», nannte es der siebenfache Weltmeister Stephen Hendry, der auf BBC als Experte kommentiert. Viele hätten in diesem Moment die sicherere Variante gewählt. Nicht Ursenbacher. Und da sind wir bei der Erklärung für diesen Exploit.

Ein Mann für die wichtigen Punkte

Es gibt diese Momente im Sport, in denen Talent und technisches Können nicht mehr ausreichen. Diese Momente im Rampenlicht, wenn alle hinschauen, weil es um alles geht. Penaltyschiessen im Fussball zum Beispiel. Wenn die Nerven flattern, trifft, wer im Kopf bereit ist. Oder Tennis. Die «Big Points», diese Punkte, die ein Spiel entscheiden können, erzielt nur, wer mental standhält. Roger Federer ist ein Meister darin.

Beim Snooker, einem Sport, in welchem kleine Bälle über einen grossen Tisch in schmale Taschen gespielt werden müssen, sind zitternde Finger gravierend. «Mehr als 50 Prozent der Spieler verlieren gegen O’Sullvian, bevor sind an den Tisch treten», sagte Ursenbacher im Interview nach dem Sieg. «Weil sie mental nicht bereit sind.» Der Aargauer war es.

Motiviert durch Kritik

Hendry sagt: «Ursenbacher hat, was es in diesen Momenten braucht.» Besondern Mut und starke Nerven. Und Ehrgeiz, sich nicht damit zu begnügen, den Besten gefordert zu haben. Das hat auch mit O’Sullivan selbst zu tun. Dieser sagte vor einiger Zeit, dass er im Moment keinen jungen Spieler erkennen könne, der bereit ist, so viel zu investieren, wie es die Legenden taten. «Wenn man das als junger Spieler hört und nicht motiviert ist, es ihm zu zeigen, ist man am falschen Ort», sagte Ursenbacher der az, nachdem er im Sommer erstmals die Hauptrunde an einer WM erreichte.

Dort scheiterte er in der ersten Runde. An der UK Championship spielt Ursenbacher heute in der dritten Runde gegen Jamie Jones. Gegen die 104 der Weltrangliste ist der Schweizer als Nummer 66 der Favorit. «Der Druck, der auf mir lastet, wird nun viel höher sein. Niemand erwartete den Sieg gegen O’Sullivan», sagte Ursenbacher. Gegen Jones wird das nach dem Coup erst recht anders sein.

14 000 Franken hat Ursenbacher mit dem Einzug in die dritte Runde bereits verdient. Und doch bleibt er bescheiden: «Eigentlich habe im Snooker noch nichts Grosses erreicht.» Der 24-Jährige träumt von Titeln. Und dafür muss er die Besten regelmässig besiegen. Die Auftritte gegen O’Sullivan sind nur der Anfang.