Es ist Sonntagmorgen, kurz nach 7 Uhr. Die Nordwestschweizer Schwinger wärmen sich intensiv für den zweiten Tag des Eidgenössichen Schwingfests in Zug ein. Nur einer steht daneben und schaut zu: Nick Alpiger. Der 22-Jährige geht an Krücken. "Ab sofort bin ich nur noch für meine Kollegen da", sagt er.

Weil er selbst nicht mehr starten kann. Das verletzte Bein ist geschwollen. Schwingen unmöglich. Eigentlich war ja schon nach dem zweiten Gang am Samstag klar, dass es nicht mehr geht. "Doch der Wille ist da, lässt es nicht zu, aufzugeben", schaut Alpiger zurück.

Fantasien geweckt

Zum Auftakt hatte er sensationell Samuel Giger besiegt, den bei den Buchmachern meistgenannten Favoriten für den Königstitel. Und das weckte natürlich Fantasien. Was für ein Start! Und dies, nur fünf Wochen, nachdem er sich auf dem Weissenstein schwer verletzte.

Ein Teilriss einer Sehne im Hüftbereich machte die Teilnahme in Zug zu einem Wettrennen mit der Zeit. "Ich wollte  konkurrenzfähig antreten und das habe ich geschafft", sagt Alpiger stolz.  Und in der Tat war nur schon der Start, aber insbesondere der Sieg gegen Giger, der zuvor zwei Jahre lang nicht verloren hatte, ein riesiger Erfolg.

Doch schon im zweiten Gang zwickte es wieder in der Hüfte. "Das Bein wurde im Verlauf des Tages immer dicker", sagt er. Mit Schmerzmitteln haben er und sein Team versucht, weitere Einsätze zu ermöglichen. Im dritten Gang, den er "irgendwie gewonnen hat", wie er selbst sagt, hat das besser geklappt. Im vierten, verloren Gang waren die Schmerzen dann wieder brutal.

Eine grosse Geste

Am Sonntag steht Alpiger nun seinen Kollegen unterstützend an der Seite. Es ist eine grosse Geste. Im Moment der grossen Enttäuschung ist er trotzdem da. "Ich habe es versucht", sagt er. So muss er sich im Rückblick nie die Frage stellen, was wäre gewesen wenn. Und nun hat der 22-Jährige Zeit für die Regeneration. Er wird zurückkommen. Vielleicht stärker denn je.