Skeleton
«Jetzt muss ich nicht, jetzt darf ich»

Das Geld, der Verband und die mangelnde Skeleton-Entwicklung in der Schweiz haben den Untersiggenthaler Stefan Mörker dazu bewogen, den Rücktritt aus dem Spitzensport zu geben.

Tirza Gautschi
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Stefan Mörker hängt den Schlitten an den Nagel. zvg

Stefan Mörker hängt den Schlitten an den Nagel. zvg

Aargauer Zeitung

«Ich habe mir einen anderen Abschluss gewünscht», lauten die frustrierten Worte des Skeletonfahrers. Noch nicht offiziell, aber gedanklich hat sich der 32-Jährige vom Verband getrennt und damit den internationalen Rennen den Rücken zugekehrt.

Gründe dafür gibt es mehrere. «Wenn man als Athlet das Gefühl hat, man macht das Ganze ziemlich professionell und dann sieht, dass der Verband, der eine professionelle Plattform zur Verfügung stellen sollte, das nur hobbymässig betreibt, ist man frustriert.»

Geplatzter Traum von Olympia

Die Saison 09/10 war für Mörker nicht ganz wie erwartet gelaufen «In den Selektionsrennen habe ich einen Startplatz im Weltcup verpasst. Erst als Gregor Stähli ausfiel, hatte ich die Chance mich auch dort zu beweisen». Magen-Darm-Grippe, Bahnprobleme und der Druck, «immer Vollgas zu geben» machten dem Skeletonfahrer das Leben im Weltcup schwer. Am Weltcuprennen in Cesana schaffte der Aargauer aber trotz eines schlechten Starts den 14. Schlussrang – sein bestes Weltcup-Resultat.

All diese Anstrengungen von Mörker bewegten sich auf ein sportliches Ereignis hin: «Wir wussten, dass Swiss Olympic nur zwei Starplätze an Olympia zur Verfügung stellte- ich wollte einen davon.» Doch als dann die Medaillenhoffnungen nach Vancouver geschickt wurden, war Mörker nur als Zuschauer mit dabei.

Mörkers geplatzter Olympia-Traum war für den Untersiggenthaler eine herbe Enttäuschung. «Es war mein sportliches Ziel und nochmals vier Jahre, bis zur nächsten Olympia traue ich mir nicht zu. Ich habe das fast acht Jahre lang gemacht. Jetzt fehlt mir das Ziel vor Augen», erklärt der Untersiggenthaler seinen Rückzug. «Ich brauche einen Grund, wieso ich null Freizeit und eine grosse finanzielle Belastung auf mich nehmen soll.»

Lust auf Unabhängigkeit

Trotzdem hat sich der Athlet nur schweren Herzens zum Rücktritt aus dem Spitzensport entschieden und will jetzt auf eigene Faust lokale Rennen fahren. «Es ist schön, so zu fahren, unabhängig vom Verband und den politischen Spielen.» Auch wenn Mörker keinen Groll gegen den Skeletonverband hegt, ist ihm ein gewisser Unmut anzumerken: «Ich kam nicht mehr damit klar, wie der Verband teilweise mit aktiven Athleten umspringt – vielleicht spricht da auch ein bisschen der Frust aus mir», fügt der Skeletonfahrer hinzu.

Mörker kritisiert damit nicht hauptsächlich den Verband, sondern die gesamte Skeletonentwicklung in der Schweiz. «Die anderen Nationen laufen uns in grossen Schritten davon, während die Schweiz den Anschluss und Sponsoren verliert.»

Für Mörker werden diese Probleme in Zukunft nebensächlich sein. Nach seiner Hochzeit im vergangenen Frühjahr sucht der Sachbearbeiter nun die Herausforderung im Job. Und wenn er jetzt mit dem Schlitten durch die Bahnen fährt, weiss er: «Jetzt muss ich nicht, jetzt darf ich.»