Kuhns Fussballwelt
«Hallo, ich bin Ottmar»

Seit 35 Jahren schreibt Ruedi Kuhn über den FC Aarau. In der Kolumne «Kuhns Fussballwelt» erzählt er von unvergesslichen Begegnungen mit Menschen, die ihn geprägt haben.

Ruedi Kuhn
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Ottmar Hitzfeld während seiner Zeit als Trainer des FC Aarau.

Ottmar Hitzfeld während seiner Zeit als Trainer des FC Aarau.

Keystone

Ein junger Mann in lockerem Sportanzug radelt mit seinem Militärvelo in Richtung Stadion Brügglifeld. Unsere Wege kreuzen sich ein erstes Mal. «Hallo, ich bin Ottmar», ruft er mir zu. «Hallo», entgegne ich. «Ich bin Ruedi.»

Mein erster Besuch im Brügglifeld im Frühling 1984 war der Auftakt einer seit 35 Jahren dauernden journalistischen Beschäftigung mit dem FC Aarau. Es war der Beginn einer besonderen Beziehung zu mehr als 30 Trainern, Hunderten von Spielern und Funktionären und Tausenden von Fans des besten und erfolgreichsten Fussballklubs im Kanton Aargau. Interessant: Meine erste Saison 1984/85 war die schönste. Den Höhepunkt am 27. Mai 1985 mit dem ersten und einzigen Cupsieg der Vereinsgeschichte werde ich nie vergessen.

Hitzfeld machte nicht nur mit dem Militärvelo gute Figur, sondern schrieb mit dem FC Aarau Schweizer Fussball-Geschichte. Die Siege waren so wertvoll, weil sie aus dem Nichts kamen. Niemand hatte den kleinen Provinzklub auf der Rechnung. Für mich zählte der menschliche Bereich allerdings mehr als der sportliche: Zwischen Hitzfeld und mir entstand im Lauf der Jahre eine Freundschaft. Wir trafen uns nicht nur beim Fussball, sondern auch in der Freizeit. In Engelberg fuhren wir zusammen Ski, gingen essen, klopften hin und wieder einen Jass, tranken feinen Wein und rauchten dicke Zigarren.

Hin und wieder lud mich Hitzfeld auch in sein schmuckes Häuschen in Oberentfelden ein. Wir spielten im Garten Fussball, dann gab’s Kaffee und Kuchen, serviert von Hitzfelds Frau Beatrix. Hitzfeld selbst schenkte mir von Beginn an sein Vertrauen. Ende der 1980er-Jahre verliess er die Aarauer und feierte mit GC, Dortmund und Bayern München grosse Erfolge. Wir verloren uns aus den Augen.

Umso überraschender war mein journalistisches Highlight mit Hitzfeld im Frühling 2001. Ich besuchte den Champions-League-Final in Mailand zwischen Bayern München und Valencia. Nach dem Sieg der Bayern im Penaltyschiessen war ich einer der ersten Gratulanten. Hitzfeld und ich umarmten uns. Was für eine Genugtuung, dass sich Hitzfeld in Zeiten des grössten Triumphs an mich erinnerte, ja sich sogar Zeit für mich nahm.

Eine Woche später sitze ich im Flieger nach Mallorca. Die Vorfreude auf ein Exklusiv-Interview mit Hitzfeld ist riesig. Ich bin stolz darauf, dass sich mein Freund Ottmar während seiner Golf-Ferien in Spanien einen Tag Zeit nimmt für mich.

Lesen Sie in zwei Wochen die Hintergründe zum Interview mit Ottmar Hitzfeld auf Mallorca.