Eine Liebesgeschichte
Die Aargauer Karatekämpferin Elena Quirici fühlt sich wie frisch verliebt

Elena Quirici konnte in Spanien zwei Wettkämpfe gewinnen. Dass sie überhaupt wieder kämpfen darf, ist für die 26-jährige Aargauerin das grösste Geschenk überhaupt.

Martin Probst
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Elena Quirici sieht positiv in die Zukunft.

Elena Quirici sieht positiv in die Zukunft.

Zur Verfügung gestellt

Das schönste Weihnachtsgeschenk hat Elena Quirici schon erhalten. Von ihrem Freund und vom spanischen Karateverband. «Es war so schön. Ich habe die ganze Zeit gestrahlt, ich konnte gar nicht aufhören», erzählt die 26-Jährige. Doch wer nun glaubt, dass es romantisch wird, der irrt. Und doch ist es eine Liebesgeschichte. «Weil ich fühlte, wie sehr ich es mag und warum ich so viel Zeit für diese Momente investiere. Warum sich das alles lohnt.»

Quirici durfte kämpfen. In einem Wettkampf. Nicht nur im Training. Zum ersten Mal seit neun Monaten. Und es war wie frisch verliebt. Die Endorphine tanzten. Der Bauch kribbelte. Der Mund lachte.

Möglich gemacht hat es Raul Cuerva Mora, ihr Freund. Dieser wurde für zwei Turniere auf­geboten: die spanische Klubmeisterschaft und einen Wettkampf in den olympischen Gewichtsklassen. «Wir dachten uns, vielleicht gibt es eine Chance, dass ich da auch starten darf», sagt Quirici. Ihr Freund fragte beim spanischen Verband an – und dieser stimmte dem Wunsch zu. «Dafür bin ich sehr dankbar», sagt sie.

Wichtige Motivation für die erneute Qualifikation

Quirici konnte beide Turniere gewinnen. «Das ist schön. Doch wichtiger war es, den Vergleich mit anderen zu haben. Dass ich im Wettkampf erfahren konnte, ob ich richtig trainiert habe und mich mein Gefühl, dass meine Form im Moment sehr gut ist, nicht täuschte.» Dass ihr Fahrplan, der sie im Sommer 2021 an die Olympischen Spiele in Tokio bringen soll, stimmt. «Das es so ist, hat mich enorm motiviert. Was in dieser schwierigen und langen Phase nicht nur einfach war. Es gab Höhen und Tiefen», sagt sie.

Vor Corona war Quirici für die Olympischen Spiele in Japan qualifiziert. Dann wurden diese um ein Jahr verschoben und die Qualifikation nochmals geöffnet. Die Aargauerin muss sich erneut beweisen. «Das Niveau an den Wettkämpfen in Spanien war gut, aber nicht vergleichbar mit dem an internationalen Turnieren», sagt die Sportlerin. «Trotzdem hat es mir einen guten Anhaltspunkt gegeben, wo ich stehe. Ich werde jetzt jede Startgelegenheit nutzen, um meinen Olympiatraum auch ein zweites Mal zu erfüllen.»

Das Extrajahr ist aber nicht nur sportlich eine zusätzliche Herausforderung sondern auch finanziell. Für die Olympischen Spiele wurde Quirici mit Hilfe von Sponsoren temporär zum Profi. Sie konzentrierte sich nur auf den Sport. Ein zusätzliches Jahr bedeutet, dass sie noch einmal gleich viele Mittel generieren muss. «Doch momentan sieht es sehr gut aus, dass mir das gelingt.»

Auch im Wettkampf muss die Maske getragen werden

Für Weihnachten reist Quirici zusammen mit ihrem Freund in die Schweiz. Bald darauf aber zurück nach Spanien. «In der Schweiz ist Karate aufgrund von Corona derzeit noch verboten. In Spanien dürfen wir trainieren», sagt sie. Zwar nur mit Maske. «Doch daran habe ich mich gewöhnt, ich spüre sie fast nicht mehr.» Ihr Strahlen konnte man an den Wettkämpfen zwar nicht sehen. Aber spüren.