Kommentar

Der Fussballverband und seine sinnlose Salamitaktik

Marcel Kuchta

Marcel Kuchta

Obwohl sich die Amateurliga und die 13 regionalen Fussballverbände einhellig für einen Saisonabbruch ausgesprochen und einen entsprechenden Antrag an den Zentralvorstand des Schweizerischen Fussballverbands (SFV) gestellt haben, will der Dachverband in Bern noch zuwarten. Ein eigentlicher Affront gegen die Basis.

Der Entschluss war einstimmig abgesegnet, die Meinung – mit wenigen Ausnahmen – klar gemacht. Die Amateur-Liga und die 13 Regionalfussball-Verbände der Schweiz entschieden am vergangenen Wochen­ende, dass sie die laufende Meisterschaft abbrechen und annullieren wollen. Auch der Präsident des Aargauischen Fussballverbands, Luigi Ponte, unterstützte diesen letztlich unvermeidlichen und vernünftigen Schritt.

Umso befremdender und unverständlich ist das Vorgehen des Zentralvorstands des Schweizer Fussballverbands (SFV). Statt sich bedingungslos hinter den Beschluss der Regionalverbände zu stellen und dem zähen Warten offiziell ein Ende zu setzen, hat man die endgültige Absage der Meisterschaft noch einmal um eine Woche aufgeschoben. Offensichtlich hofft man im realitätsfremden Fussball-Bern, dass Sportministerin Viola Amherd in ein paar Tagen auf wundersame Art und Weise kurzfristig doch noch grünes Licht gibt für Kontaktsport auf allen Ebenen.

Selbst wenn man das Prinzip Hoffnung ja immer mal wieder bemühen darf: Das, was der SFV hier praktiziert, ist nicht mehr als sinnlose Salamitaktik. Welch klareres Signal als ein geschlossener Entscheid aller Regionalverbände braucht es denn noch? Diese Ignoranz ist letztlich nichts weniger als ein Affront und ein deutliches Zeichen dafür, dass man das fussballerische Fussvolk offensichtlich nicht ernst nimmt.

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