Die heisse Geschichte aus Sicht des FC Aarau spielt sich momentan nicht auf sondern neben dem grünen Rasen ab. Der FC Wil will mit Igor Nganga ausgerechnet den Publikumsliebling der Aarauer verpflichten.

FC Winterthur - FC Aarau 0:2: Stimmen zum Spiel

Die Stimmen zum Spiel

Sehen Sie hier die Match-Interviews mit Captain Sandro Burki sowie mit Cheftrainer Marco Schällibaum vom FC Aarau. 

Der Krösus der Challenge League mit dem türkischen Multi-Millionär Mehmet Nazif Günal an der Spitze hat dem 29-jährigen Kongolesen ein beinahe schon unmoralisches Angebot gemacht. Hinter vorgehaltener Hand spricht man von einem monatlichen Fixum von rund 20000 Franken.

«Natürlich hätten wir den Vertrag mit Nganga gerne verlängert»

Erliegt Nganga der finanziellen Verlockung? Oder hält er dem FC Aarau im letzten Moment doch noch die Treue? Jenem Klub also, bei dem er seit fünf Jahren spielt und bei dem er in dieser Saison zum beliebtesten Spieler geworden ist? Nganga selbst war beim Auswärtsspiel des FC Aarau in Winterthur wegen einer Sperre nur Zuschauer.

Kurz vor dem Anpfiff nahm er im Stadion Schützenwiese Stellung zu seiner sportlichen Zukunft. «Ich habe jeweils ein gutes Angebot aus dem Ausland, aus der Super League und vor allem vom FC Wil», sagt Nganga. «Ich werde mich aber erst Ende Saison definitiv entscheiden. So wie es momentan aussieht, verlasse ich den FC Aarau aber zu achtzig, ja sogar neunzig Prozent.»

Verlässt Publikumsliebling Igor Nganga den FC Aarau auf die nächste Saison?

Verlässt Publikumsliebling Igor Nganga den FC Aarau auf die nächste Saison?

Klare Worte von Nganga. Ebenso klar ist, dass der FC Wil im Rennen um den Abwehrspieler zumindest zum jetzigen Zeitpunkt die Nase vorne hat. Die Führungscrew des FC Aarau reagiert mit Ernüchterung auf die schlechte Nachricht. «Natürlich hätten wir den Vertrag mit Nganga gerne verlängert», erklärt Vizepräsident Roger Geissberger. «Aber wir wissen seit geraumer Zeit vom Interesse des FC Wil. Das können wir nicht beeinflussen. Und in finanzieller Hinsicht ist es für uns unmöglich, mit dem FC Wil mitzuhalten.» Und wie gross sind die Chancen, dass Nganga trotz des lukrativen Angebots der Wiler in Aarau bleiben wird? Geissberger zögert und sagt dann: «Die Chancen stehen fünfzig zu fünfzig.»

Spiel wird zur Nebensache

Geissbergers Optimismus in Ehren – es kommt höchstwahrscheinlich anders: Nganga wird den FC Aarau Ende Saison verlassen. Aus dem Umfeld des FC Wil ist zu vernehmen, dass die Unterschrift unter einen mehrjährigen Vertrag nur noch Formsache ist. So sieht es auch Raimondo Ponte. «Ich glaube nicht, dass wir Nganga halten können», sagt der Sportchef des FC Aarau. «Es ist schade, aber nicht zu ändern. Mit dem Angebot des FC Wil können und wollen wir nicht mithalten. Im Profifussball spielt das Geld nun mal eine entscheidende Rolle. Das war bei Marvin Spielmann während der Winterpause so. Und das wird höchstwahrscheinlich auch bei Igor Nganga so sein.» Einen Unterschied gibt es allerdings: Für Nganga muss der FC Wil keine Ablösesumme bezahlen. Für Spielmann kassierte der FC Aarau satte 825000 Franken.

Bei all dem Trubel um die Person von Nganga wurde das Spiel zwischen Winterthur und Aarau vor 3000 Zuschauern fast zu einer Randnotiz. FCA-Trainer Marco Schällibaum war wegen der Sperren von Nganga und Juan Pablo Garat zu Umstellungen in der Viererabwehrkette gezwungen. Den Platz neben Abwehrchef Stéphane Besle in der Innenverteidigung musste Sandro Burki übernehmen. Und siehe da; der FC Aarau blieb auch im 15. Spiel in Folge ohne Niederlage. Mehr noch. Das beste Challenge-League-Team der Rückrunde siegte dank einer starken Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit und dank Toren von Zoran Josipovic und Mart Lieder 2:0. Apropos Lieder: Der Holländer machte sich mit seinem dritten Saisontreffer ein verfrühtes Geburtstagsgeschenk. Er feiert ausgerechnet am Tag der Arbeit den 26. Geburtstag.

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