Die Gefahr der Ablenkung ist gross. «Aber wir haben einen Plan, dass sie möglichst gering ist», sagt David Schmid. Einfach wird das nicht – oder sogar ein Versteckspiel? Schliesslich kennen ihn am Sonntag fast alle.

Schmid hat vor einem Jahr das Nordwestschweizerische Schwingfest gewonnen. Und die Mission Titelverteidigung findet wortwörtlich vor seiner Haustür statt: in seiner Heimat Wittnau.

Als Helfer beim Abbau dabei

Der Zufall will, dass die kleine Gemeinde im Fricktal ausgerechnet im Jahr nach Schmids bisher grösstem Triumph das Teilverbandsfest austrägt. Und logisch kennen die gut 1300 Einwohner David Schmid, den erfolgreichsten Schwinger des Orts, den Landwirt, der sich selbst als Helfer für den Abbau der Festarena eingetragen hat. «Weil dann
oft Leute fehlen, die anpacken können.»

«Entweder oder» mit dem Fricktaler Schwinger David Schmid aus Wittnau

«Entweder oder» mit dem Fricktaler Schwinger David Schmid aus Wittnau

Vorher will Schmid aber am Sonntag auf dem Schwingplatz überzeugen. «Der Druck und die Erwartungen an mich werden natürlich gross sein. Ich muss einen Weg finden, damit umzugehen», sagt der 28-Jährige. Neben dem Plan, für genügend Rückzugsorte zu sorgen, hilft Schmid vor allem die Arbeit mit einem Mentaltrainer. So kehrt er geistig zurück zu früheren Erfolgen, um die positive Energie der Gedanken in den Wettkampf zu nehmen.

Das Eidgenössische Schwingfest simuliert

Verstecken wird sich Schmid aber nicht. Das Heimspiel ist ein einmaliges Highlight in seiner Karriere und macht die Saison gemeinsam mit dem Eidgenössischen Schwingfest am 24. und 25. August in Zug zu einer ganz besonderen für den Mann, der 2016 in Estavayer den eidgenössischen Kranz gewinnen konnte. «Ich kann gar nicht sagen, welches Fest für mich spezieller ist. Weil es beide sind», sagt Schmid.

Am vergangenen Wochenende hat er zusammen mit den weiteren Kaderathleten des Nordwestschweizer Verbandes in einem Trainingslager in Magglingen das Eidgenössische Schwingfest simuliert. Am Samstag und Sonntag standen je vier Gänge auf dem Programm, um die Belastungen des zweitägigen Wettkampfs realitätsnah zu erleben.

Seit der Verletzung von Nick Alpiger, der derzeit alles daran setzt, rechtzeitig für das Eidgenössische fit zu werden, fehlt dem Nordwestschweizer Teilverband ein klarer Leader. Schmid gehört ebenso zu den Thronfolgern wie Joel Strebel und Patrick Räbmatter. Schmid sagt: «Die Last verteilt sich jetzt auf mehrere Schultern. Es gibt keine klare Nummer zwei.»

Der Formaufbau stimmt Räbmatter zuversichtlich

Auch Räbmatter will nichts wissen von einer erhöhten Erwartungshaltung, die Lücke, die Alpiger hinterlässt, füllen zu müssen. «Mein Formaufbau passt», sagt der 27-Jährige,
der an allen Kranzfesten der Saison, an denen er teilnahm, das begehrte Eichenlaub erhielt. «Es stimmt mich positiv, dass ich bei jedem Fest eine Leistungssteigerung feststellen konnte», sagt er.

Schmid, Strebel und Räbmatter wird zugetraut, den Festsieg am Sonntag zu holen. Räbmatter bekommt gleich zu Beginn die Aufgabe zugeteilt, den vermeintlich stärksten Gast, Domenic Schneider, im Anschwingen etwas zurückzubinden.