Kunstturnen
Christian Baumann und sein verlorenes Jahr

Der Aargauer Kunstturner spricht über sein spezielles Jahr 2020, in dem er keinen einzigen Wettkampf bestreiten konnte. Im neuen Jahr möchte er deshalb wieder voll angreifen. Sein Höhepunkt werden die Olympischen Spiele in Tokio, wo er auf ein Olympisches Diplom hofft.

Nicolas Blust
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Christian Baumann absolvierte 2020 keine Wettkämpfe. Dafür will er im neuen Jahr wieder voll angreifen.

Christian Baumann absolvierte 2020 keine Wettkämpfe. Dafür will er im neuen Jahr wieder voll angreifen.

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Seit über einem Jahr wartet der Kunstturner Christian Baumann bereits auf einen Wettkampf. Grund dafür ist die anhaltende Corona-Pandemie, die dem 25-Jährigen aus Leutwil einen Strich durch die Saisonplanung gemacht hat. «Eigentlich habe ich damit gerechnet, dass dieses Jahr eines der wichtigsten in meiner Karriere wird», sagt Baumann. Gekommen ist dann aber alles anders.

Aufgrund der vielen angesagten Wettkämpfe entschied sich der Leutwiler dazu, im Frühjahr keine Wettkämpfe zu turnen. Es galt schliesslich, im Sommer für den Saisonhöhepunkt Olympia topfit zu sein. «Mein erster Wettkampf wäre die EM gewesen», sagt der Turner über seine Saisonplanung. Danach sollte das Augenmerk auf die Olympischen Sommerspiele in Tokio gelegt werden: «Ich habe seit Ende letzten Jahres darauf hingearbeitet.»

Christian Baumann ist zweifacher Schweizermeister am Barren. 2015 und 2018 krönte er sich jeweils besten Schweizer. Christian Baumann ist zweifacher Schweizermeister am Barren. 2015 und 2018 krönte er sich jeweils besten Schweizer.

Christian Baumann ist zweifacher Schweizermeister am Barren. 2015 und 2018 krönte er sich jeweils besten Schweizer. Christian Baumann ist zweifacher Schweizermeister am Barren. 2015 und 2018 krönte er sich jeweils besten Schweizer.

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Zwangspause statt Wettkämpfe wegen Lockdown

Im Frühjahr folgte dann die grosse Ernüchterung - Lockdown in der Schweiz, inklusive achtwöchiger Trainingszwangspause und die Absage der Olympischen Spiele. «Am Anfang war es schwierig, von hundert auf null herunterzufahren», so der 25-Jährige über den abrupten Trainingsstopp im Frühling. «Es war im Nachhinein aber gar nicht so schlimm, einmal eine längere Trainingspause zu haben.» Eine solche Pause hatte der Aargauer seit er turnt nicht mehr gehabt.

«Nach vier Wochen habe ich es aber gesehen.» Das führte dazu, dass ihm der Wiedereinstieg ins Training nach der Zwangspause besonders leicht fiel: «Ich war nach der Pause wieder richtig motiviert und freute mich auch, das Team wieder zu sehen.» Baumann kann also auch Positives aus der schwierigen Zeit des Lockdowns ziehen.

Nach dem Lockdown steigerten Baumann und seine Teamkollegen im Nationalkader Stück für Stück die Trainingsintensität. «Wir haben langsam angefangen. In der ersten Woche hatten wir lediglich vier Trainings. Danach steigerten wir die Intensität, um uns optimal für die Europameisterschaft und die Schweizermeisterschaft vorzubereiten.»

Schweizer verzichteten auf eine EM-Teilnahme

Aber auch diese beiden Wettkämpfe fielen ins Wasser. Während die Schweizermeisterschaften coronabedingt ausfielen, entschied sich der Schweizer Verband gegen eine Teilnahme der Schweizer Turner an der Europameisterschaft. Die ständige Ungewissheit, ob die Anlässe stattfinden, war keine einfache Situation für die Turner. Baumann warfen diese Entscheidungen aber nicht aus der Bahn: «Die Absagen im Herbst waren einfacher zu verkraften. Bereits im Vorfeld mussten wir davon ausgehen, dass die Wettkämpfe kurzfristig noch abgesagt werden müssen.»

Momentan hat Baumann kein grosses Programm und kann sich das Training selbst einteilen: «Ich arbeite momentan viel an meinen Wettkampfübungen. Da ich seit langer Zeit keinen Ernstkampf mehr hatte, nutze ich das Training momentan als Standortbestimmung.» Immerhin scheint der 25-jährige Leutwiler weiterhin gut in Form zu sein: «Ich war positiv überrascht.»

Der Fokus liegt bereits auf den ersten Grossanlässen im neuen Jahr. Erstes Saisonhighlight wird die Europameisterschaft im April in Basel. Dafür gilt es, Anfang Jahr alle sechs Geräte zu trainieren, um auch für den Mehrkampf vorbereitet zu sein. Ob Baumann auch an diesem starten darf, entscheidet sich an der internen Qualifikation im Schweizer Team.

Olympische Spiele sind der Saisonhöhepunkt 2021

Neben der EM im eigenen Land sind nächstes Jahr die Olympischen Spiele der Höhepunkt der Saison. Vor allem im Team-Wettkampf erhofft sich Baumann eine Finalteilnahme, was eine Platzierung unter den besten Acht inklusive Olympischen Diplom bedeuten würde. Aber auch persönlich schielt der 25-Jährige an gewissen Geräten auf eine Topplatzierung: «Meine grösste Chance sehe ich am Barren, wo ich bereits vor vier Jahren an der EM im Final stand. Auch am Pferd und am Reck rechne ich mir durchaus Chancen für eine Finalteilnahme aus.» Die Vorfreude ist auf jeden Fall jetzt schon zu spüren, wenn Baumann von Olympia redet.

Grund dafür sind auch die schönen Erinnerungen, die er bei seinen ersten Olympischen Spielen 2016 in Rio sammeln durfte. «Es war wunderschön. Ich kann mich noch genau an die Ankunft im Olympischen Dorf erinnern. Die Stimmung, unter so vielen Spitzensportlern zu sein, war überwältigend.»

Kommenden Sommer hofft Baumann, dass einige schöne Erinnerungen dazu kommen. Und vielleicht klappt es ja sogar mit einem Olympischen Diplom. Dann hätte der Aargauer neben Erinnerungen auch ein materielles Souvenir im Gepäck.