Amateurfussball
«Gehen nicht immer den Weg des geringsten Widerstands»: Darum hat sich der AFV für eine Fortsetzung der Saison ausgesprochen

In der 2. Liga AFV herrscht Unmut. Nicht alle Vereine sind zufrieden mit der Entscheidung, dass die Hinrunde 20/21 noch zu Ende gespielt und die Meisterschaft damit gewertet wird. Nun stellt sich der Aargauische Fussballverband der Kritik.

Nik Dömer
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Die Zeichen stehen derzeit gut, dass die Hinrunde in der 2. Liga AFV im Juni noch beendet werden kann.

Die Zeichen stehen derzeit gut, dass die Hinrunde in der 2. Liga AFV im Juni noch beendet werden kann.

Alexander Wagner

Der Amateurfussball steckt in einer Krise. Es droht der zweite Abbruch in Serie. Der SFV und seine Regionalverbände möchten den Kopf aber noch nicht in den Sand stecken. Sie hoffen auf grünes Licht der Politik bis Ende Mai, damit im Juni die Hinrunde zu Ende gespielt wird und die Spielzeit gewertet werden kann.

Eine Entscheidung, die bei Aargauer Vereinen auch auf Gegenwind stösst. Wettbewerbsverzerrung, hohes Verletzungsrisiko und ungleiche Voraussetzungen wegen Nichteinhalten des eingeschränkten Trainingbetriebes diverser Mannschaften: Die Beschwerdenliste beim Aargauischen Fussballverband hat es in sich.

Auch der AFV hat für Fortsetzung gestimmt

Hannes Hurter, Geschäftsführer beim AFV, sieht Klärungsbedarf: «Wir stecken in einer aussergewöhnlichen Situation, keine Frage. Es ist daher nachvollziehbar, dass nicht alle Vereine mit den Entscheidungen einverstanden sind. Es ist wichtig, zu wissen, dass wir als AFV die Saison ohnehin nicht abbrechen könnten. Die Entscheidungskraft, eine Spielzeit abzubrechen, liegt einzig und allein beim Zentralvorstand des Schweizerischen Fussballverbandes.»

Hannes Hurter, Geschäftsführer Aargauischer Fussballverband AFV, fotografiert auf der Geschäftsstelle des AFV am 5. August 2020.

Hannes Hurter, Geschäftsführer Aargauischer Fussballverband AFV, fotografiert auf der Geschäftsstelle des AFV am 5. August 2020.

Severin Bigler/SPO

Trotzdem ist klar, dass sich auch der Aargauische Fussballverband für eine Fortsetzung des Spielbetriebs ausgesprochen hat: «Vielleicht hätten sich die Regionalverbände bei einem Abbruch viel Ärger ersparen können, aber wir gehen nicht immer den Weg des geringsten Widerstands. Unsere Aufgabe als Verband ist es, dass wir möglichst viel Fussball ermöglichen.»

Dabei sei der Wettkampf die Essenz: «Ohne Spielbetrieb fehlt uns die Grundlage. Deshalb ist wichtig, dass die Mannschaften so schnell wie möglich Spiele austragen und damit auch wieder das Vereinsareal beleben können.»

«Wir als Verband müssen unsere Meinung nicht durchboxen. Wir wollen im Interesse unserer 85 Klubs handeln.»
Der AFV geht davon aus, dass die Mehrheit der Vereine sich eine Fortsetzung der Saison wünscht.

Der AFV geht davon aus, dass die Mehrheit der Vereine sich eine Fortsetzung der Saison wünscht.

Alexander Wagner

Hurter geht davon aus, dass der AFV mit dieser Haltung im Interesse der Mehrheit im Verband gehandelt hat. «Wir als Verband müssen unsere Meinung nicht durchboxen. Wir wollen im Interesse unserer 85 Klubs handeln. Im vergangenen Februar gab es beispielsweise eine digitale Befragung, da hat sich die Mehrheit dafür ausgesprochen, die Halbjahresmeisterschaften zu werten und damit den Weg freizumachen für eine Fortsetzung der Saison.»

Dass der Austausch mit Vereinen künftig noch optimiert werden könnte, hält der AFV-Geschäftsführer dennoch für eine wichtige Erkenntnis aus der Pandemie. Nicht zuletzt, damit Unmut und Missverständnisse besser angegangen werden können.

«Können nicht die Polizei spielen»

Unmut herrscht in diesen Tagen besonders auch beim FC Lenzburg. Jüngst betonte Trainer Samuel Drakopulos gegenüber dieser Zeitung, dass sich innerhalb der Liga nicht alle Mannschaften an die Einschränkungen im Trainingsbetrieb halten würden.

Lenzburg-Trainer Drakopulos spricht sich klar gegen eine Fortführung der Saison aus.

Lenzburg-Trainer Drakopulos spricht sich klar gegen eine Fortführung der Saison aus.

Alexander Wagner

Bezüglich des Vorwurfs vom Lenzburger Trainer meint Hurter: «Wir können nicht die Polizei spielen, das liegt in der Verantwortung der Klubs. Wir können nur immer wieder in den Mitteilungen an die Vernunft der Klubs appellieren. Aber natürlich nehmen wir die Hinweise ernst. Wenn wir selber vor Ort etwas bemerken, schreiten wir auf jeden Fall ein.»