Gossliwil
Susi und Susy schliessen den «Stärne» endgültig

Die Gossliwiler Traditions-Beiz Sternen serviert keine Koteletts, Bratwurst und Rösti mehr; die beiden Wirtinnen machen endgültig zu. Am Donnerstag und Freitag wurde ausgetrunken.

Ury Byland
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Ustrinkete im «Sternen» Gossliwil: Susy Fuhrer-Jost und Susi Paul-Emch.

Ustrinkete im «Sternen» Gossliwil: Susy Fuhrer-Jost und Susi Paul-Emch.

Hanspeter Bärtschi

«Es si 7 Wahnsinnsjohr gsi mit euch», schreiben Wirtin Susi Paul-Emch und ihre Wirtskollegin Susy Fuhrer-Jost. Die Ankündigung auf der Internetseite des Betriebes gilt dem endgültigen Ende des traditionsreichen Gastrobetriebes. Der «Sternen» in Gossliwil ist zu. Am Donnerstag und Freitag luden die Wirtinnen zur Austrinkete, was rege benutzt wurde.

Diesmal ist es keine Denkpause, die Susi Paul-Emch und Susy Fuhrer-Jost einlegen wollen, wie vor sieben Jahren, als der «Sternen» schon mal kurzzeitig geschlossen war. Damals waren die Rückmeldungen mit dafür verantwortlich, dass sie den «Sternen» nochmals mit einem neuen Betriebskonzept eröffneten. Jeweils zwei Tage in der Woche, am Donnerstag und Freitag, wurde gewirtet. Das ist vorbei. Der «Sternen» wird endgültig geschlossen.

«Das Haus ist 210 Jahre alt. Jetzt kommen die ‹Bresten›», berichtet Susi Paul. Die Heizung müsste erneuert werden, ebenso die Küchengeräte. «Die Küche ist alt und die Kocherei ein Wahnsinnsaufwand», berichtet Köchin Susy Fuhrer, die zudem 65 Jahre alt wird. Und bei einigen Frauen, die mithelfen, gehen deren Männer in Pension. «Es sind viele Mosaiksteinchen, die das Ganze ergeben haben. Man muss aufhören, wenn es am schönsten ist», sagt Susi Paul. Denn eigentlich lief es perfekt. Mutter Vreni Emch sorgte dafür, dass immer Gschwellti vorrätig waren. Trudi Stuber arrangierte die Blumen. Barbara Arni und Brigitte Prétat halfen in der Küche. Und Nelly Bider, Conny Egger sowie Eva Emch umsorgten im Service die Gäste. Fast nur Stammgäste suchten in den letzten Jahren den «Sternen» auf. «Es war ein Schaffen wie mit Freunden und Kolleginnen, und nicht wie mit Kunden», berichtet Susi Paul. «Wir waren ein super Team.»

Die in Nennigkofen wohnende Susy Fuhrer bestätigt dies. «Es war eine gute Zeit. Es tut weh, all die Gäste nicht mehr zu sehen.» Sie habe damals die Kochtradition mit den Koteletts und den Bratwürsten von Vreni Emch gelernt und weitergeführt. «Für die Rösti waren die richtige Kartoffelsorte, Désirée, und natürlich Schmalz nötig.» Gekocht habe sie in alten Gusspfannen und auf Holzfeuer. Sie habe vor sieben Jahren niemals gedacht, dass sie so lange wirten würden.

Neue Nutzung suchen

Das Hochstudhaus mitten in Gossliwil, das den «Sternen» beheimatete, wurde 1803/04 aus Holz und Stein erbaut. Bewohnt und genutzt wird das Haus seit sieben Generationen von den Familien Emch. Es bot mit Tenne, Ställen, Heubühne, «Sauer» und zwei riesigen Gewölbekellern genügend Platz, um neben dem Restaurant auch als Landwirtschaftsbetrieb genutzt zu werden. Das Traditionshaus erfährt eine neue Nutzung. Welche? Das weiss Susi Paul noch nicht. «Wir drei Schwestern bilden eine Erbengemeinschaft und haben nun die schwierige Aufgabe, die Gebäude einer neuen Nutzung zuzuführen.»

In Gossliwil wird damit nur noch ein Restaurant, das «Kreuz», den Betrieb aufrechterhalten. Das ist immer noch mehr als beispielsweise im Nachbardorf Bibern. Dort haben Einkehrer keine Möglichkeit, Durst oder Hunger zu stillen.

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