Der Leuchtturm im kulturellen Birseck. Es ist zweifelsfrei richtig, diese Metapher heranzuziehen, wenn die Rede von der Sprech-, Musik- und Tanzbühne Neuestheater.ch ist. Im Jahr 2001 noch unter dem Namen «Neues Theater am Bahnhof» durch die Privatinitiative von Regisseur Georg Darvas und der Kulturmanagerin Johanna Schwarz gegründet, strahlt das Haus spätestens seit der Eröffnung des 4-Millionen-Franken-Neubaus 2015 auch tief ins Laufental und in den Thierstein hinein, hinüber ins Birsigtal und vor allem auch in die Stadt Basel.

Von dort kommt seit Beginn gut die Hälfte des Publikums. Mit einer geschickten Programmation von Gastspielen und Co-Produktionen, aber auch dank viel beachteter Eigenleistungen, hat sich das Haus unter der Leitung von Darvas und Schwarz den Ruf erarbeitet, mit beschränkten Ressourcen bei gleichzeitig hoher kreativer Potenz mächtig viel Theater auf die Bühne zu bringen.

Übergabe per 2021 geplant

In ihrer bewegten Geschichte als Theatermacher stehen Georg Darvas und Johanna Schwarz nun am Beginn des letzten Akts ihres Lebenswerks. «Wir haben uns entschieden, den Prozess des Übergangs rechtzeitig anzustossen», erklärt Johanna Schwarz. Mit dem Betriebsverein wurden schon im Frühjahr 2017 erste Gespräche geführt – altersbedingt und vor allem aus Verantwortung gegenüber allen Mitarbeitenden, Geldgebern und den vielen tragenden Freunden der semi-öffentlichen Kulturinstitution. «Das will nicht etwa bedeuten, dass wir theatermüde sind», betonen die beiden. «Wir werden bestimmt noch zwei volle Spielzeiten verantworten.»

Ab sofort geht es also darum, den Übergang geordnet zu vollziehen. Das ist ein Prozess, der sich aufgrund langer Produktionszyklen in einem Theaterbetrieb über mehrere Monate, ja sogar Jahre hinzieht. Spätestens im Frühjahr 2021 – so der optimale Fahrplan – soll die Theaterleitung in jüngere Hände übergeben werden. Die Stelle wurde in diesen Tagen ausgeschrieben, unter anderem auf der elektronischen Jobbörse der Universität Basel. Federführend ist hierbei der Betriebsverein, namentlich dessen Präsidentin Eva Zumbrunn.

Sie steht einer fünfköpfigen Findungskommission vor, der auch die beiden Betriebsvereinsmitglieder Daniel Reumiller und Hans J. Ammann angehören sowie eine externe Fachperson. Dem Gremium beratend zur Seite steht ein Vertreter des Kantons Solothurn – der wichtigste Geldgeber des Theaters.

Bewusst aus dem Ausschreibungsverfahren herausgenommen haben sich Darvas und Schwarz. «Wir vertrauen ganz der Weisheit der Findungskommission», sagt Georg Darvas. Beim Entscheid werden sie das Gremium lediglich beratend unterstützen, sagen aber auch: «Wir treten erst ab, wenn wir uns ganz sicher sind, dass das Theater in die richtigen Hände geht.»

Keine «Cüpli-Direktion»

Eva Zumbrunn schaut mit gespannter Zuversicht den Bewerbungen entgegen. «Johanna Schwarz und Georg Darvas haben dieses Theater aufgebaut, es trägt ihre Handschrift. Ob sich jemand findet, der ihre Geschichte im gleichen Stil weiterschreibt, oder ob ein ganz neues Kapitel aufzuschlagen ist, wird sich weisen.» Ob eine einzelne Person die künstlerische Begabung wie auch das betriebswirtschaftliche Know-how in gleicher Ausprägung mitbringt – auch dies bleibt abzuwarten.

Ob Einzelperson oder Team, eines ist für Zumbrunn klar: Die neue Theaterleitung muss bei einem jährlichen Betriebsbudget in Höhe von 800'000 Franken nebst Engagement auch viel Idealismus mitbringen. «Wir suchen keinesfalls eine ‹Cüpli-Direktion›. Die neue Leitung darf sich etwa nicht zu schade sein, an der Abendkasse Tickets zu verkaufen.» Auch ein relevantes Kriterium für Zumbrunn: Mit den regionalen Gegebenheiten sollten die Interessenten vertraut sein.

Während die Bewerbungsfrist noch bis zum 10. Januar läuft, geht der Theaterbetrieb seinen gewohnten Gang unter der Ägide von Georg Darvas und Johanna Schwarz. Nächstes Highlight – nach der Silvestergala – ist «The Roommate» mit Premiere am 10. Januar. Das Stück ist eine Co-Produktion mit Tobs, dem Theater Orchester Biel Solothurn.