Baoshida Swissmetal versucht es mit einer neuen Strategie, das Ende der Firma zu verhindern. Das Unternehmen teilte am Montag mit, dass es sich nun in provisorischer Nachlassstundung befinde. Das Regionalgericht Berner Jura-Seeland hat diese bis 14. Dezember 2018 gewährt. Bis dahin hofft Swissmetal darauf, eine Lösung zu finden, um das Geschäft zu retten. Eine Reihe von möglichen Käufern verschiedener Seiten, namentlich Kunden oder Mitbewerber, hätten Interesse an Swissmetal bestätigt, sagt Swissmetal-Chef Claudio Penna auf Anfrage. «Es bestehen sehr gute Perspektiven für eine Weiterführung des Betriebs», sagt Penna weiter.

Bereits im Oktober hat das Gericht einen Konkursaufschub gewährt. Damals wurde Penna vom Gericht wieder als Chef der Firma eingesetzt. Er wurde im Juli 2018 von den chinesischen Besitzern von Baoshida auf die Strasse gestellt. Der Konkursaufschub wäre bis April 2019 gelaufen und hätte der Firma sechs Monate Zeit gegeben, die finanziellen Probleme zu klären. Diese Zeitspanne hat sich nun deutlich verkürzt.

Der Vorteil einer provisorischen Nachlassstundung ist, dass keine neuen Betreibungen mehr eingereicht werden können. Die Firma erhält also eine Verschnaufpause und muss nun unter Zusammenarbeit mit seinen Gläubigern einen Nachlassvertrag ausarbeiten.

Ermittlung gegen Besitzer

Grundsätzlich sagt der Einsatz des einen oder anderen Instruments nichts über die Situation der Firma aus. Der Wechsel vom Konkursaufschub zur provisorischen Nachlassstundung ist aber aussergewöhnlich. Der Grund laut Baoshida: Der Gerichtspräsident sei zusammen mit dem Sachwalter zum Schluss gekommen, dass die Perspektiven einer Betriebssanierung der Swissmetal im Nachlassverfahren besser sei. Egal ob Konkursaufschub oder provisorische Nachlassstundung Baoshida: Swissmetal hat noch immer ein grosses Problem.

Baoshida Swissmetal ist eine Tochterfirma der Baoshida Holding. Der chinesische Konzern hatte 2013 die Produktionsstätten in Dornach und Reconvilier sowie den Markennamen Swissmetal aus der Konkursmasse der Swissmetal AG herausgekauft. Finanzielle Probleme und Umstrukturierungen prägten die vergangenen Jahrzehnte des Unternehmens. Die Folgen waren mehrere aufsehenerregende Streiks und ein andauernder Kampf ums Überleben.

Die Übernahme des Buntmetallherstellers durch Baoshida war ein Lichtblick, nicht zuletzt für die Angestellten. Doch bereits 2017 gab es erste Medienberichte von Millionenschulden der Firma. Und gegen den chinesischen Besitzer Xingjun Shang ermittelt der Staatsanwalt, wie die bz vor einem Monat exklusiv berichtete. Der Verdacht: Urkundenfälschung und ungetreue Geschäftsbesorgung. Für Shang gilt die Unschuldsvermutung.

Die Untersuchungen gegen Shang seien noch im Gang und es sei noch nicht klar, wann diese abgeschlossen seien, sagt ein Sprecher der Berner Staatsanwaltschaft auf Anfrage. Beim Gerichtstermin am 3. Oktober, an dem die Massnahme des Konkursaufschubs verhandelt wurde, tauchte Shang nicht auf, obwohl er eingeladen war.