Selzach

Gigathlon-Teilnehmer René Schiegg: «Eigentlich war alles super»

«Ich kann nicht inlinen.» Die Inline-Schuhe wollte René Schiegg eigentlich nicht mehr hervorholen. Frau Rita begleitete ihn als Betreuerin.

«Ich kann nicht inlinen.» Die Inline-Schuhe wollte René Schiegg eigentlich nicht mehr hervorholen. Frau Rita begleitete ihn als Betreuerin.

Der 59-Jährige beendete im Einzel-Wettkampf den zehnten Gigathlon. Die Strecke führte von Chur nach Lausanne. Schiegg war während sechs Tagen rund 85 Stunden unterwegs. Trotz Schmerzen und mehreren Stürzen erreichte er schliesslich das Ziel.

René Schiegg ist kein begnadeter Inlineskater. Die Schuhe mit den Rollen behagen dem 59-Jährigen nicht. Am Gigathlon, den der Selzacher erfolgreich beendete, stürzte er gleich vier Mal. «Das ist so, wenn man nicht inlinen kann. Es ist nicht meine Paradedisziplin», sagt er mit Humor. Immerhin schütze er sich mit Knie-, Ellenbogen-, Handgelenkschonern und einem Schutzanzug. «Aber einige blaue Flecken habe ich mir schon geholt.»

Trotz der blauen Flecken erreichte er das Ziel des Gigathlons. Das sind sechs Tage Ausdauersport. Jeden Tag gilt es Strecken in den fünf Disziplinen Inline, Laufen, Rennvelo, Bike und Schwimmen zu absolvieren. 106 Teilnehmer zählte seine Kategorie (One Week Single Man). Der Sieger Roger Fischlin spulte alle Strecken in 51 Stunden und 14 Minuten ab und erhielt in jeder Zeitung in diesem Land einen Bericht. René Schiegg musste sich in seinem Alter nach hinten orientieren und wurde 77., das heisst Fünftletzter. 25 der Gestarteten kamen nicht ans Ziel. René Schiegg schon. Er benötigte für die 1068 Kilometer und 17 850 Höhenmeter von Chur bis Lausanne 85 Stunden und 25 Minuten. «Im Schnitt kam er über fünf Stunden nach dem Tagesschnellsten ins Ziel und hatte damit auch fünf Stunden weniger Erholungszeit», rückt seine Frau Rita das Resultat ins rechte Licht.

«Es war ein Krampf»

Sie und Toni Stocker, ein früherer Arbeitskollege von René Schiegg, betreuten den Gigathleten, legten jeweils das Material in den Wechselzonen bereit, sorgten für seine Nahrung und Unterkunft. «Ein Einzel-Wettkämpfer darf zwei Betreuungspersonen haben, alleine wäre die Betreuung nicht zu machen», berichtet Rita Schiegg. «Es war ein Krampf.» Sechs Tage lang jeweils für die fünf Disziplinen das Material zu den Wechselzonen transportieren, zehre an den Kräften. «Manchmal war es Stress pur, dann gab es wieder leere Zeiten, wenn man auf die Athleten warten musste. Mit dem Auto kam es oft zum Chaos, wenn viele unterwegs waren. Und wir wussten auch nicht, sind die Parkplätze nah oder weit von den Wechselzonen entfernt.» Es habe aber immer geklappt, berichtet Rita Schiegg stolz.

Schmerzen in der Nacht

Derweil kämpfte ihr Mann auf der Strecke mit anderen Problemen. Das Unheil mit den Stürzen begann für René Schiegg schon am ersten Tag. «Eigentlich war alles super, mit Ausnahme der Bikestrecke, die in Chur eine Downhill-Strecke war. Ich stürzte in dieser Abfahrt und hatte Schwindelgefühle.» Geschwächt ging er auf die Inlinestrecke. Ein Gewitter kam auf. «Ich wollte das Ziel vorher erreichen. Einen Kilometer vor dem Ziel ging ich zu Boden.» Es war nicht das letzte Mal. In der Nacht schmerzte seine Schulter und er fürchtete die Schwimmstrecke am folgenden Tag. «Mit dem Laufen und Biken aber löste sich der Schmerz.»

Der bitterste Moment

Am Donnerstag kam der bitterste Streckenabschnitt, ebenfalls beim Inlinen von Bern nach Burgdorf. «Am Morgen beim Biken habe ich zu wenig getrunken. Ich dachte, ich hole dies nach auf der Rennvelo-Strecke über den Glaubenberg nach Bern.» Dabei habe er zu viel Kohlehydrate getrunken und auch noch dieses und jenes von Kollegen erbettelt und in den Magen gespült. Der Magen rebellierte. Mit dem Rennvelo kam er noch einigermassen durch bis Bern. Aber die anschliessenden 30 Kilometer Inlinen nach Burgdorf waren «das Schlimmste an diesem Gigathlon». Drei Stunden habe er gebraucht, eine Ewigkeit. Mental verarbeitete er das Missgeschick schnell. «Glücklicherweise folgte am Freitag ein Sprinttag. Das ist wie ein Ruhetag, ich wusste, da würde ich mich erholen können.»

An Gewicht habe er in dieser Woche eher zugelegt. «Das ist normal. Der Körper speichert wegen des Eiweissmangels mehr Wasser, das Gewicht nimmt zu.» Psychisch fühlt er sich gut. «Ich war zuversichtlich, dass ich den Gigathlon beenden kann.»

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