Regiomech

«Die Arbeitslosen kamen zum Arbeiten – nicht um Kurse zu besuchen»

Peter Kürsener, Roger Siegenthaler, Peter Vitelli, Stefan Hug, Andreas Gasche auf dem Rundgang durch die Regiomech

Peter Kürsener, Roger Siegenthaler, Peter Vitelli, Stefan Hug, Andreas Gasche auf dem Rundgang durch die Regiomech

Peter Vitelli, Peter Kürsener und Kurt Fluri erinnern sich an die Anfänge der Regiomech. Die Beschäftigungswerkstätte begann mit 30 Plätzen. Zu Spitzenzeiten waren es über 400.

Die Regiomech darf aus heutiger Sicht als Erfolgsgeschichte angesehen werden» sagt Peter Vitelli. Der frühere Bauverwalter von Zuchwil war lange Jahre Präsident der Repla Espace Solothurn (Regionalplanungsgruppe) und ist «schon ein bisschen stolz» auf diese spezielle Institution. Solothurns damaliger Stadtpräsident Urs Scheidegger war der eigentliche Vater der Idee. «Er hat auch die ersten Kontakte geknüpft», so Vitelli.

1993, in den Jahren der Rezession, wurde die mechanische Werkstätte der Repla zur Beschäftigung von Arbeitslosen im ehemaligen «Union»-Gebäude an der Werkhofstrasse in Solothurn eingerichtet. Die Regionalplanungsgruppe, gebildet von den Gemeinden der Bezirke Solothurn, Lebern, Bucheggberg und Wasseramt, stellte sich als Trägerschaft zur Verfügung. Die Firmen Ascom und Sulzer sponserten einen grossen Teil der Maschinen und Werkstatteinrichtungen. So konnte damals mit einem Kapital von rund 200 000 Franken gestartet werden.

Rezession dauerte an

Die Beschäftigungswerkstätte der Repla war damals eine komplett neue Idee. In Grenchen hatte Josef Arnold, damaliger Leiter des Sozialamtes, ebenfalls eine Art Beschäftigungsprogramme gestartet. «Das war aber anders als unser Angebot», so Peter Kürsener, der erste Betriebsleiter der Werkstatt. Für ihn war von Anfang an klar, dass handfeste Arbeit ausgeführt werden muss. «Die Arbeitslosen, die zu uns kamen, wollten arbeiten. Nicht irgendwelche Kurse besuchen oder ‹gfätterlen›.»

Zu Beginn gab es deshalb Probleme mit den Gewerkschaften und dem Arbeitgeberverband. Beide Seiten fürchteten eine von den Gemeinden und vom Kanton subventionierte Billigkonkurrenz.

Da die Rezession weit länger andauerte, als Fachleute ursprünglich glaubten, sahen sich die Gemeinden schon bald mit einem neuen Problem konfrontiert: Den Langzeitarbeitslosen, die ausgesteuert wurden. Für diese wurde darauf neben der Beschäftigungswerkstätte die Regiomech eingerichtet. Wiederum übernahm die Repla die Trägerschaft. Im Sommer 1997 konnten die Werkstätten in das Gebäude an der Langfeldstrasse in Zuchwil zügeln.

«Gemeinsam sind wir nach Bern gefahren und haben mit der Bank über den Kauf des Gebäudes verhandelt», erinnern sich Peter Vitelli und Peter Kürsener. Sie haben sogar noch mit den Verantwortlichen «g'märtet», bis der Preis mit 1,85 Mio. Franken nicht mehr weiter gedrückt werden konnte. «Dazu mussten wir noch einiges investieren. Aber im grossen Ganzen war das Gebäude gut im Schuss.»

Mit dem Umzug der Werkstätten nach Zuchwil wurde das Unternehmen nominell von der Repla abgekoppelt und in eine Genossenschaft überführt. Hauptgenossenschafter ist allerdings auch heute noch die Repla: Die Mitglieder ihres geschäftsleitenden Ausschusses sind gleichzeitig die Genossenschafter der Regiomech. Der Präsident der Repla ist von Amtes wegen zugleich Präsident der Genossenschaft.

Stetig weiter entwickelt

Im ersten Betriebsjahr wurden rund 30 Arbeitsplätze für Arbeitslose angeboten. «Das steigerte sich in den Spitzenzeiten auf bis 400 Personen», so Kürsener. Der Umsatz der Regiomech betrug zwischen 16 bis 20 Mio. Franken. Damals gab es auch extern, in den Gemeinden durchgeführte Beschäftigungsprogramme.

«Rund 25 bis 30 Prozent der Beschäftigten konnten stets in den Arbeitsprozess integriert werden», erklärt Kürsener. Tausende Personen wurden im Lauf der Zeit in der Regiomech beschäftigt. «Für mich war es oft traurig, wenn ich plötzlich ehemalige Arbeitskollegen antraf», erinnert sich Kürsener. Für Stadtpräsident Kurt Fluri ist die Regiomech eine Institution, die nicht wegzudenken ist: «Das Angebot wird immer noch genützt.» Die Arbeitslosigkeit sei zwar in der Schweiz vergleichsweise gering, aber es gebe sie immer noch.

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