Neue Zelg
Der Hof Neue Zelg in Bettlach war früher ein Landeplatz

Früher waren Aussenlandungen mit Motorflugzeugen noch gang und gäbe. So landete exakt heute vor 50 Jahren auch eine Piper J3C vom Flugplatz Grenchen nördlich des Bauernhofs Neue Zelg.

Peter Brotschi
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Die historische Aufnahme nach der Landung bei Familie Wenger.

Die historische Aufnahme nach der Landung bei Familie Wenger.

pgb

Eine geschlossene Schneedecke ermöglichte die Ausrüstung des Flugzeugs mit Skis, als der Flieger vor 50 Jahren zur Aussenlandung beim Bettlacher Hof ansetzte. Natürlich war die Landung eine Attraktion für die Bauernfamilie Wenger und weitere Bekannte. Die Bildaufnahme vom 1. März 1963 zeigt von links nach rechts: Mani Bessire, Verena Wenger (heute Verena Lehmann-Wenger), René von Burg, Urban Marti, Walter Arn, Landwirt Erwin Wenger, Hans Wenger mit Johann Scherrer auf dem Arm, Otto Wenger, Rolf Wenger.

Der Pilot, der Bettlacher Eduard Daumüller, sitzt verdeckt im Flugzeug. Etwas über ein Jahr später, am 23. Mai 1964, kam dieser bei einem Flugunfall auf dem Obergrenchenberg ums Leben. Zusammen mit seinem Passagier, dem ebenfalls in Bettlach wohnhaften Konrad von Burg, touchierte er nach dem Start vom Flugplatz Obergrenchenberg beim Augstengraben eine Tanne und stürzte ab. Ein Holzkreuz erinnert an der Unfallstelle an dieses Schicksal, mit dem auch das Ende des seit 1948 existierenden Flugplatzes Obergrenchenberg eingeläutet wurde.

Auch Fallschirmspringer

Die Aufnahme von Ernst Daumüller, dem Bruder des Piloten, ist heute noch im Besitz der Familie Wenger, die den Hof Neue Zelg seit weit über 100 Jahren bewirtschaftet. 1904 kaufte Karl Wenger den Hof vom Lommiswiler Josef Meier. Er übergab ihn 1952 seinem Sohn Erwin Wenger. In der dritten Generation folgte Hans Wenger, der wiederum im Jahr 2009 die Verantwortung an seinen Sohn Florian Wenger weitergab. Nach der Erinnerung von Hans Wenger ist Eduard Daumüller nicht nur einmal bei der Neuen Zelg gelandet. «Ich sehe das Flugzeug noch heute vor meinen Augen, wie es über dem Wald in Landerichtung eindreht», erzählt er.

Hans Wenger war es auch, der den Grenchner Fallschirmspringern ein Landerecht bei seinem Hof gewährte. Anfang der 70er-Jahre, als der Para-Club Grenchen gegründet wurde, waren die Fallschirmspringer auf dem Flugplatz unerwünscht. Ausserhalb der unmittelbaren Flugplatzzone bauten sie den Landeplatz dann bei der Neuen Zelg auf. Auf der Ostseite wurde ein Landekreis mit Kies erstellt. Mit den Rundkappenschirmen, die noch nicht so fein gesteuert werden konnten wie die heutigen «Matratzen», endete nicht jeder Sprung beim Hof. Mancher Springer erwartete eine eher unsanfte Landung auf einem Baum im angrenzenden Wald.