Bei den Grossratswahlen am 25. März kämpfen in den neun Wahlkreisen 2111 Kandidaten, darunter 730 Kandidatinnen, um die 160 Sitze. Bedingt durch die Verwaltungsreform von 2010 spielt das Bürenamt keine Rolle mehr im politischen Geschehen. Seine Gemeinden Pieterlen, Meinisberg und Lengnau gehören nun zum Verwaltungskreis Biel-Bienne, die übrigen zehn Gemeinden (Busswil fusionierte 2011 mit Lyss) wurden dem Verwaltungskreis Seeland zugeschlagen. Zusammen bilden sie den Wahlkreis Biel-Seeland, mit 26 Sitzen der grösste im Kanton.

Die verwaltungstechnische Rechenschieberei kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Region in der Zusammensetzung des Grossen Rates einen weissen Fleck bildet. Hier überlagern und verstärken sich das Übergewicht der Stadt Biel und die politischen Unterschiede zwischen Stadt- und Landbevölkerung.

Fehlende Hausmacht

Die Ehre des einstigen Bürenamtes retten derzeit Donat Schneider in Diessbach, der sich nun aus dem Grossen Rat verabschiedet, und Fritz Wyss in Wengi (beide SVP). Fritz Wyss tritt nächste Woche wieder zur Wahl an, für seine dritte Legislaturperiode. Das ist die gute Nachricht. «Bisher» ist bei Wahlen mit Abstand die erfolgreichste «Partei».

Die weniger gute Nachricht für die Region Büren: Die neuen Bewerberinnen und Bewerber aus den 13 Orten (Meienried stellt keinen Kandidaten) dürften es schwer haben. Im Vergleich zum Wohnort in einer Stadt wie Biel ist die Hausmacht in den Seeländer Gemeinden klein, und das gilt für Büren ebenso wie für Meienried. Hinzu kommt für Agglogemeinden wie Lengnau und Busswil (Letzteres wird als Wohnort von nicht weniger als drei Kandidaten angegeben) ein markanter Ausländeranteil, der die Zahl der Stimmberechtigten schmälert. Wenn es der SVP gelingt, Donat Schneiders Sitz zu halten, und zwar in der Region Büren, so ist Roger Maurer, Dotzigen, gemäss Wahlresultat von 2014 der aussichtsreichste Kandidat dafür. Der Lengnauer Max Wolf dürfte ebenfalls Chancen haben, in Schneiders Fussstapfen zu treten. Doch die Tatsache, dass Wolfs Name auf der anderen SVP-Liste, derjenigen von Biel-Bienne figuriert, könnte die Aufgabe erschweren; in Biel hat die SVP weniger Rückhalt als in den ländlichen Teilen des Seelands. Umso wichtiger sind in diesem Fall Panaschierstimmen, innerhalb der Partei wie auch ausserhalb.

Fünf Dotziger, ein Archer

Geografisch gesehen bieten Arch und Dotzigen einen interessanten Vergleich, sind die beiden Orte von der Einwohnerzahl her doch praktisch gleich gross. Doch bei den Grossratskandidaturen stehen diese Dörfer für unterschiedliche Welten: fünf Dotziger und Dotzigerinnen stehen einem Archer gegenüber. Eine Diskrepanz, die sich zum Teil mit dem politischen Interesse zweier Familien in Dotzigen erklären lässt, was aber nicht heisst, dass sie alle derselben Partei angehören.

Mindestens so interessant sieht es in Diessbach aus, das einwohnerzahlenmässig ein Drittel kleiner ist. Hier hat der «Donat Schneider-Effekt» drei Kandidierenden (zwei Frauen, ein Mann) Appetit auf einen Sitz im Grossen Rat gemacht – aus drei unterschiedlichen Parteien notabene.

Familienunternehmen CVP

Die 30 Kandidaten und 11 Kandidatinnen der Region Büren verteilen sich auf 15 Listen, wobei die bürgerlichen Kräfte, vor allem die SVP, traditionsgemäss dominant auftreten. So führt die SVP als einzige Partei pro Verwaltungskreis getrennte Listen (wie bereits 2014), eine für Seeland und eine für Biel-Bienne. SP und Gewerkschaften haben hingegen je eine Liste für Männer und für Frauen. Damit setzen die Genossen ein Zeichen für die Gleichberechtigung in der Politik. Dieses tut umso mehr not, als in der Region Büren der Frauenanteil der Kandidierenden bei einem Viertel liegt (Grossratswahl gesamthaft: ein Drittel).

Bei den Parteilisten fällt ferner die CVP auf. Das Seeland ist für die Partei alles andere als Stammlande, von allen bürgerlichen Kräften ist sie hier am wenigsten verankert. Entsprechend ist es nicht überraschend, dass die Liste hauptsächlich ein Familienunternehmen der de França-Chappatte in Pieterlen ist, die ihren Standpunkt als Zuwanderer mit französischen Berufsbezeichnungen überdeutlich, wenn auch politisch kaum wirksam machen.

Angesichts dieser Ausgangslage dürfte die Latte für die Bekämpfung des weissen Flecks in der Legislative hoch liegen. Die Eroberung von zusätzlichen Sitzen für das ehemalige Bürenamt dürfte am ehesten Persönlichkeiten gelingen, die sowohl über die Parteigrenzen als auch über ihre Gemeinde hinaus bekannt sind. Solche lassen sich in Büren, Dotzigen und Lengnau ausmachen – mit unterschiedlichen Parteibüechli.