Er sei ein «gutmütiger Tscholi» sagte Verteidiger Reto Gasser über seinen Mandanten. Der Bellacher, der am 1. Juni 2009 seine Ehefrau erstochen hatte, stand am Dienstag dem Obergericht Red und Antwort. «Ich weine jeden Tag», sagte der Beschuldigte Reto T.* und sah ein: «Ich hätte mich vorher besser in die psychiatrische Klinik einweisen lassen.»

Vom Amtsgericht Solothurn-Lebern war er vergangenes Jahr wegen Mordes zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt worden - zwei Jahre mehr, als die Staatsanwaltschaft gefordert hatte.

Mordprozess in Bellach: Täter plädiert auf Totschlag

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Amtsgericht zu streng?

Dieses Urteil sei jenseits von Gut und Böse, sagte Verteidiger Gasser. Die Vorinstanz habe der Persönlichkeit des Täters sowie dessen Gefühlswelt während der Tat zu wenig Rechnung getragen. Der Beschuldigte sei seiner Frau «intellektuell und was die Rollenverteilung anging, unterlegen» gewesen. Oft habe sie ihn vor Bekannten niedergemacht.

Keine Konfliktlösungsstrategien

Als die Ehefrau Anfang 2009 eine Affäre hatte und die Familie zudem finanziell ins Schleudern geriet, habe sich die Beziehung dramatisch verschlechtert. Nach einem Streit am Morgen des 1. Juni habe Reto T.* befürchtet, die Frau würde «einen Seich machen» und die Situation noch verschlimmern. Weil er über keinerlei Konfliktlösungsstrategien verfüge, habe er die Frau getötet.

Totschlag anstatt Mord

Dies sei aber im Affekt geschehen und keinesfalls geplant gewesen. Weil sein Mandant keine Kontrolle über sein Handeln gehabt habe, forderte Gasser eine Verurteilung wegen Totschlags und eine Strafe von 5 Jahren und 6 Monaten anstelle der 18 Jahre wegen Mordes. Das Urteil wird am Mittwoch erwartet.