Brand Herbetswil

Abgebrannter Bauernhof: Neu aufbauen oder ganz aufhören?

Nach dem vernichtenden Brand eines Landwirtschaftsbetriebs in Herbetswil stellen sich Fragen – auch zum Brandschutz. Fest steht, dass bei einem Neustart wieder eine gleichartige Betriebshalle aufgebaut würde.

Hans-Jürg Gerber und Jost Meier hatten sich entschieden, eine Tierhaltegemeinschaft zu bilden. Mit ausserordentlich viel Eigenleistung erstellten sie dafür östlich von Herbetswil eine frei stehende 80 mal 24 Meter grosse Betriebshalle und bezogen diese im Jahr 2005. Jetzt sind die beiden Männer 59 Jahre alt. Dies, die Ungewissheit in Bezug auf eine Nachfolge und der Blick auf die immer schwieriger werdende Situation in der Landwirtschaft machen den Entscheid schwer: Neu aufbauen oder ganz aufhören?

Problem Brandschutz bekannt

Fest steht, dass bei einem Neustart wieder eine gleichartige Betriebshalle aufgebaut würde. Die Bauweise entspricht jenem Modell, wie sie seit einem guten Jahrzehnt gängig ist: offen, mit einem Minimum an Unterteilungen, in der Nutzung so rationell wie möglich. «Waren früher in den Scheunen der Stall, die Heubühne und der Maschinenpark voneinander getrennt, so befindet sich heute alles nebeneinander unter einem Dach. Der Melkraum ist meist offen gehalten, nur der Technikraum muss abgetrennt sein», erklärt ein Fachmann, der in den letzten zwölf Jahren rund 120 Landwirtschaftsgebäude geplant und gebaut hat.

«Das Problem Brandschutz ist bekannt», sagt der Fachmann, «aber letztlich ist die Frage entscheidend, wie viel der Bauherr für Brandschutzmassnahmen investieren will. Oder besser gesagt: Wie viel er sich leisten kann.» Denn in der Regel müsse sehr knapp kalkuliert werden. «Alles, was nichts bringt, wird weggelassen.» Was die elektrischen Installationen angeht, würden aber keine Kompromisse gemacht. Zu gross sei die Gefahr, dass die Kabel von Mäusen angeknabbert werden und so einen folgenschweren Kurzschluss auslösen. «Wir lassen Kabel so verlegen, dass Mäuse keine Chance haben.» Brandmeldeanlagen hingegen seien praktisch nie ein Thema.

Zu viele Störfaktoren für Brandmeldeanlage

Ob eine Brandmeldeanlage in einem landwirtschaftlichen Gebäude wie den heute gängigen das Richtige ist, bezweifelt Thomas Fluri, Leiter Brandschutz bei der Solothurnischen Gebäudeversicherung. «Da sind zu viele Störfaktoren vorhanden, die immer wieder Fehlalarme auslösen würden», erklärt er.

Mehr Chancen sieht er, wenn landwirtschaftliche Bauten mit Brandschutzwänden unterteilt würden. «Doch solche baulichen Massnahmen stören Betriebsabläufe, sind kostenaufwendig. Und deren Nutzen zeigt sich erst im Brandfall.» Für Landwirtschaftsbetriebe gelten dieselben Brandschutzvorschriften wie für Industrie und Gewerbe. Dort sind zusammenhängende Betriebsflächen bis zu 2400 Quadratmeter ohne besondere Massnahmen möglich. Und zukünftig sollen noch grössere Flächen erlaubt werden.

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