Ab in den Hofladen – in der Krise

Mit verschiedensten Konzepten erreichen Bauernhof-Familien in der Region Solothurn die Konsumenten.

Hans Peter Schläfli
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Volle Gestelle im Hofladen von Adrian Zimmermann und seiner Familie auf dem Dürihof in Aetigkofen.
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Volle Gestelle im Hofladen von Adrian Zimmermann und seiner Familie auf dem Dürihof in Aetigkofen.
Volle Gestelle im Hofladen von Adrian Zimmermann und seiner Familie auf dem Dürihof in Aetigkofen.
Volle Gestelle im Hofladen von Adrian Zimmermann und seiner Familie auf dem Dürihof in Aetigkofen.
Volle Gestelle im Hofladen von Adrian Zimmermann und seiner Familie auf dem Dürihof in Aetigkofen.

Volle Gestelle im Hofladen von Adrian Zimmermann und seiner Familie auf dem Dürihof in Aetigkofen.

Bilder: Hans Peter Schläfli

Die Hofläden in der Region Solothurn sind mit den unterschiedlichsten Geschäftsideen und Konzepten erfolgreich. Auch gerade jetzt in der Coronakrise, in der das Nahe, die kurzen Wege geschätzt werden.

Die Kuh im Stall beäugt neugierig die Fremden, die den Dürihof in Aetigkofen besuchen. Die orangefarbene Abendsonne bringt den geschmückten Weihnachtsbaum auf dem Vorplatz zum Leuchten, und auch der kleine Hofladen ist festlich geschmückt. «Wir sind sehr zufrieden», sagt Adrian Zimmer- mann zum Weihnachtsgeschäft. «Noch mehr als sonst sind die Geschenkkörbe gefragt», sagt der Landwirt. «Nachdem viele Firmen das Weihnachtsessen absagen mussten, wurden wir von Anfragen förmlich überrannt. Auch viele Wurstbretter wurden bestellt.»

Der Dürihof ist für seine Eier weitherum bekannt. «Ich wollte etwas eigenes aufbauen, und da ist mir die Idee mit den Geschenkkörben gekommen», blickt Therese Zimmermann auf die Anfänge des Hofladens zurück. Konfitüre, getrocknete Tomaten, Früchte von den eigenen Hochstämmern, geräucherte Würste, Honig und vieles mehr aus der eigenen Produktion stellt sie zu einem Bouquet zusammen. 90 Prozent mache sie selber, nur die Teigwaren werden dazugekauft. «Mein Mann Bruno, die drei Kinder und gute Nachbarinnen helfen alle mit, sonst ginge das gar nicht.» Ganze 60 Kilogramm Chrömli habe sie gebacken. «Wir haben einen ganzen Tag lang eingepackt.»

Letztes Jahr wurde Therese Zimmermann pensioniert, aber ihr Sohn hofft, dass sie den Laden auf dem Dürihof noch lange weiterführt. Dabei gehe es nicht um den Umsatz, meint Adrian Zimmermann: «Meine Mutter hat ihren Hofladen mit viel Leidenschaft und Herzblut aufgebaut. Dank ihr sind wir weitherum bekannt. Ich bin froh, wenn sie sich noch lange nicht zur Ruhe setzt, denn sie macht beste Werbung für den Dürihof.»

An einem Tag ist alles ­verkauft

Ein ganz anderes Konzept hat Christian Lüthi umgesetzt. Auf seinem Vorplatz in Balm bei Günsberg hat er mit Strohballen einen zwei Meter breiten Tisch aufgebaut und mit einem grossen Tischtuch dekoriert. Damit sind die derzeit geltenden Distanzvorschriften gut erfüllt. «Die Leute sind froh, wenn sie für einen Einkauf nicht ins Gedränge müssen, aber sonst haben wir von der Pandemie nicht viel gemerkt», sagt Lüthi. Und dann, pünktlich um 13Uhr, trudeln die Kunden ein. Diese haben übers Internet bestellt und holen die Waren exakt zur vereinbarten Zeit ab.

Der Meisterlandwirt auf dem Balmhof hat sich auf Milchwirtschaft spezialisiert und zieht die überzähligen Kälber ohne zugekauftes Kraftfutter während eines halben Jahres selber gross. «Wir halten unsere Tiere ein wenig länger, deshalb ist das Fleisch auch schmackhafter», verrät Lüthi. «Vor Weihnachten wäre es gut, wenn ein Kalb sechs Filets hätte. Im Sommer sind dagegen die Steaks für den Grill am schnellsten weg.»

Sagts, und packt Räucherwürste, Hackfleisch, ein Paar Bratwürste und ein Kilo Äpfel für den nächsten Kunden ein. Spannend ist auch die Zusammenarbeit mit dem Betrieb der Familie seiner Lebenspartnerin Cornelia Schenker in Däniken. Von dort stammen das Mehl und der Honig, den Lüthi in Balm bei Günsberg verkauft. «Mit dem Direktverkauf bleibt etwas mehr Wertschöpfung in unserer Kasse», sagt Christian Lüthi. «Aber wenn man es auf Arbeitsstunden umrechnet, ist der Gewinn überschaubar. Das Schöne ist, dass wir so unsere Kunden persönlich kennen lernen.»

Der Veloweg sorgt für Umsatz

«Früher sind die Leute einfach auf dem Hof erschienen und haben gefragt, ob sie ein paar Kilo Kartoffeln kaufen können», blickt Urs Müller auf die Zeiten zurück, bevor er in Hüniken den Hof von seinem Vater übernahm. «Es war zwar schön, den persönlichen Kontakt so zu pflegen, aber dafür fehlt heute einfach die Zeit. Deshalb haben wir den Container eingerichtet, in dem man sich tagsüber selber bedienen kann.»

Die Auslage im «Landlade» der Familie Müller ist schnörkellos, schlicht und praktisch. Es gibt nur Lebensmittel, die wirklich auf dem Hof produziert wurden. Derzeit sind das frische Eier, zwei Sorten Kartoffeln, Zwiebeln, normale Rüebli, gelbe Pfälzer Karotten und selber gemachter Sirup. Die frischen Äpfel und Birnen sind alles alte, robuste Sorten von den Hochstämmern unterhalb des kleinen Ladens. «Meistens sind sie im März ausverkauft. Den Süssmost, der beim Nachbarn Walter Gloor gepresst wird, gibt es immer.»

Der «Landlade» ist zwar weihnächtlich geschmückt, aber Geschenke gibt es keine. Eine Videokamera sorgt dafür, dass Selbstbedienung nicht falsch verstanden wird. Wegen der Pandemie habe die Familie Müller keine Einbussen erlebt. «Seit der offizielle Veloweg von Langenthal nach Solothurn vor dem Hof vorbeiführt, ist die Nachfrage deutlich gestiegen», sagt Müller. «Aber wenn ich ehrlich bin, ist es mehr ein Hobby. Zu verdienen ist damit nicht so viel. Mir ist es wichtig, dass wir den Leuten zeigen, wie bei uns die Landwirtschaft funktioniert.»

Beim Nachbarn gibt es Kühe mit Kälbern zu sehen, hinter dem Laden hat es Ziegen und Ponys, die sich über Besuch freuen und gestreichelt werden wollen. So wird der «Landlade» für die Familien aus dem Dorf zum Ziel eines Spaziergangs.

Fleisch und Milch gibt es, in Hüniken keine zu kaufen. «Ich habe nur noch 15 Mastrinder in Pension. Diese weiden im Sommer unter den Obstbäumen und der Mist ist ein idealer Dünger für das Gemüse. Das hat den Vorteil, dass ich viel weniger Kunstdünger verbrauche», sagt der Bauer. Wenn die Kartoffeln die richtige Grösse haben, entlaubt er sie mechanisch. «Richtig gemacht, ist die mechanische Variante viel effizienter und preiswerter als Pflanzengift.»

Nüsslersalat als Renner in der Weihnachtszeit

Der Hofladen der Familie Schwaller in Biberist hat bereits beachtliche Dimensionen angenommen. «Mein Vater verkaufte Äpfel und Eier noch im Hausgang», blickt Urs Schwaller auf die Anfänge zurück. Mittlerweile ist aus dem alten Schopf ein schmucker Laden geworden, mit dem der Bauernhof einen Drittel des Einkommens generiert. Die Kiwis, mehrere Sorten Äpfel, Sellerie und Rüebli sind alle hier geerntet worden. «Die Teigwaren von Barilla beziehen wir über einen italienischen Laden in Pieterlen», erklärt Schwaller. «Es ist ein Gegengeschäft. Ich liefere dafür Kartoffeln, Erdbeeren und Äpfel.»

«Dass unsere Ware aus der Region kommt, ist das wichtigste Argument für unsere Kunden», erklärt Schwaller das erfolgreiche Konzept. «Der Nüsslersalat ist jetzt vor Weihnachten der absolute Renner. Auch die Weihnachtsbäume sind sehr gefragt. Weil die Leute nicht ins Restaurant dürfen, wollen sie wenigstens ihre Stube schön schmücken.»

Der selber gebrannte Schnaps und der Honig laufen immer gut. Wegen der Pandemie müssten aber viele Firmen und die Schulen auf den Pausenapfel verzichten – von denen hier nicht weniger als 30 Sorten wachsen. «Das merken wir deutlich am Umsatz. Wir haben nun mit der Produktion von Dörrfrüchten begonnen, damit wir die vielen Äpfel auch dieses Jahr alle verwerten können.»