Volleyball NLA
Schönenwerd zieht den «Medical Joker» und rüstet nach

Wenn der Einzug in die Halbfinals gelingt, wollen die Schönenwerder auf die Verletzung von Annahmespieler Redjo Koci reagieren. Den passenden Ersatz zu finden für den 27-jährigen Albaner, der sich den kleinen Finger gebrochen hat, ist aber gar nicht so einfach. CEO Daniel Bühlmann und Sportchef Bujar Dervisaj sind gefordert.

Raphael Wermelinger
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Redjo Koci war in der Qualifikation Schönenwerds drittbester Punktesammler.

Redjo Koci war in der Qualifikation Schönenwerds drittbester Punktesammler.

Patrick Lüthy

Acht Spiele, acht Siege – es könnte nicht besser laufen für Volley Schönenwerd im Kalenderjahr 2021. Die Mannschaft von Trainer Liam Sketcher schaffte den Einzug in den Cupfinal. In der Meisterschaft könnten die Schönenwerder am Mittwochabend in der heimischen Betoncoupe-Arena mit dem dritten Sieg gegen Jona die Qualifikation für die Halbfinals klarmachen.

Die Schönenwerder sind seit bald zwei Monaten unbesiegt. In der vergangenen Woche sind indes ein paar dunklere Wolken am Klub-Himmel aufgezogen. Die Verletzungshexe hat zugeschlagen. Im Training vom letzten Donnerstagabend erwischte es den albanischen Aussenangreifer Redjo Koci. Ein Fingerbruch bedeutet das vorzeitige Saisonende für den 27-Jährigen, der in der Qualifikation Schönenwerds drittbester Punktesammler war.

«Schade, es lief zuletzt prima. Wir hatten alle Puzzlestücke zusammen. Jetzt fehlt uns wieder eines», kommentiert CEO Daniel Bühlmann den Ausfall. Glück im Unglück für die Schönenwerder: Sie dürfen nochmals nachrüsten, obwohl die Transferfrist Ende Januar abgelaufen ist. Der «Medical Joker» erlaubt dies. Den Joker wird der Klub ziehen, sobald der Halbfinaleinzug fix ist. «Nur für den Cupfinal holen wir keinen neuen Ausländer», stellt Bühlmann klar.

Captain Leandro Gerber kehrte rechtzeitig zurück

Die Lage ist für die Schönenwerder auch deshalb nicht ganz so düster, weil Captain Leandro Gerber zum idealen Zeitpunkt von einer Rückenverletzung genesen ist. Bei seinem ersten Einsatz beim 3:0-Sieg in Jona am Samstag hinterliess er einen bestechenden Eindruck. Doch hält der Rücken? «Er hat sehr gut gespielt, doch das geht vielleicht nicht bis zum Ende der Playoffs so weiter», sagt Bühlmann «Und von den Jungen können wir jetzt noch nicht erwarten, dass sie in die Bresche springen.»

Es sind intensive Tage für Bühlmann und Sportchef Bujar Dervisaj. Jetzt einen neuen Ausländer zu finden, ist gar nicht so leicht. Die Schönenwerder hatten einen Slowenen an der Angel. «Bis wir merkten, dass er ja aus einem Risikoland kommt», so Bühlmann. Der Spieler müsste also zuerst in Quarantäne. Die Playoff-Halbfinals würden aber bereits am 6. März beginnen.

Wegen der Arbeitsbewilligung müsste es ausserdem ein EU-Spieler sein, der Redjo Koci ersetzt. Und sind jetzt überhaupt Spieler auf dem Markt? «Mehrere Ligen im Ausland gehen langsam zu Ende. Die Teams, die in der Meisterschaft rausfallen, geben teilweise Spieler frei», antwortet Bühlmann.

Ein Unspektakulärer mit einer stabilen Annahme

Der neue Spieler müsse in das Puzzle reinpassen, unterstreicht Bühlmann. «Wir brauchen keinen, der 30 Punkte pro Spiel macht», führt er aus. «Er muss uns Stabilität in der Annahme bringen, unspektakulär spielen und sich in den Dienst des Teams stellen.» Das aktuell so gut funktionierende Mannschaftsgefüge dürfe nicht durcheinandergebracht werden.

«Wir werden nichts überstürzen. Eines nach dem anderen», merkt Bühlmann an. Zuerst muss das Team den Sack in der Viertelfinalserie gegen Jona zumachen. Am besten schon in Spiel drei vom Mittwochabend. «Es ist noch nichts erledigt», betont Bühlmann. Er erwartet einen harten Fight. In der Qualifikation konnte Jona die Schönenwerder einmal bezwingen. Doch in den beiden bisherigen Begegnungen der Viertelfinalserie gewannen die St. Galler erst einen Satz.

Vor allem Bojan Strugar, der Topskorer der Qualifikation, hatten die Schönenwerder sehr gut im Griff. «Wenn sie einen guten Tag erwischen, sind sie brandgefährlich», warnt Bühlmann. «Deshalb müssen wir sie gleich wieder von Anfang an mit guten Services unter Druck setzen und sie so zermürben.»