Sommerserie

Wo die Dünnern zur «Gäuerin» wird

Der Kiessammler in der Äusseren Klus: Bannt die Hochwassergefahr und ist eine kleine Naturoase mitten in Oensingen.

Der alte Lauf der Dünnern führte auf Oensinger Gemeindegebiet vom Bad Klus in Richtung Schachen, durchs Mühlefeld und danach mitten durchs Dorf. Das enge Flussbett mit dem geringen Gefälle führte immer wieder zu Hochwassersituationen im Dorf. So auch im Jahr 1931, als das heutige Bahnhofsgebiet und der Schachen fast zwei Meter unter Wasser standen. Anlässlich der Dünnernkorrektion Ende der 1930er-Jahre wurde dann ein Kiessammler in der Äusseren Klus gebaut, der bis heute seine Funktion erfüllt. Das Wasser des Flusses wird hier in zwei Kammern mit insgesamt 15 Metern Breite und 90 Metern Länge geteilt. Jede Kammer fasst zwischen 2000 und 2500 Kubikmeter Wasser. «Es geht darum, das Geschiebe der Dünnern hier zu sammeln und vor allem bei Hochwasser den Abfluss aufrechtzuerhalten», erklärt der Oensinger Brunnenmeister Christian Wyss. «Auch befindet sich hier der Schieber für den Einlauf des Dünnernwassers in den Mittelgäubach, dessen Wassermenge hiermit reguliert wird.»

Für die Leerungen des anfallenden Geschiebes im Kiessammler ist der Kanton verantwortlich. «Durchschnittlich alle fünf Jahre muss ausgebaggert werden», erklärt Wyss weiter. Und nach grossen Regenfällen muss hin und wieder zusätzlich querstehendes Holz weggeräumt werden. Wyss schildert, dass die rechte Kieskammer sich schneller mit Kies und Schlamm füllt, als die linke. «Das hat mit der Biegung des Flusslaufes zu tun.» Das letzte Mal wurde 2017 Geschiebe ausgebaggert. «Aus beiden Kammern holte der Kanton insgesamt 2030 Kubikmeter Material, was gut 77'000 Franken kostete.» Allerdings, so Wyss, wurden damals auch noch die Wasserpumpen für den Mittelgäubach erneuert, was für einmal höhere Kosten verursachte. Durchschnittlich bezahle der Kanton 25 Franken pro Kubikmeter Material. Wyss hat erfahren, dass bis in die späten 60er-Jahre die Ablagerungen voll mit Rückständen aus der Papierfabrik Balsthal gewesen seien, da die Abwasser der «Papieri» bis dahin einfach in den Augstbach geleitet wurden. «Im Kiessammler soll damals eine ziemliche Sauerei anzutreffen gewesen sein.»

Der Auslauf am linken Beckenrand für den Mittelgäubach fliesst unterirdisch mit 500 Liter pro Sekunde durch Oensingen, bis er im Bereich der Autobahn Richtung Kestenholz wieder an der Oberfläche erscheint. Die Dünnern ist also die «Lebensader» des Mittelgäubachs, denn hätte man diesen Einlauf nicht gebaut, wären nach der Dünnernkorrektion die Gäuer Bächlein versiegt, die ursprünglich mit dem Dünnernwasser gespeist wurden, das in mehreren Strängen durch das Gäu floss.

Das Gelände rund um den Kiessammler in der Äusseren Klus ist mit einem Zaun abgesperrt. Dieser wurde gebaut, da es einmal zu einem tragischen Badeunfall mit tödlichem Ausgang für ein Kind gekommen war. «Alle Wasserverbauungen von Menschenhand sind gefährlich. Besonders wenn man die Anlagen, die nicht an der Oberfläche sichtbar sind, nicht kennt», sagt Wyss dazu. Schliesslich sind vor einigen Jahren auch Fischtreppen beim Kiessammler eingerichtet worden. «Diese schaffen allerdings nur die grösseren Exemplare.»

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