Das vom Verein Wisent Thal geplante Projekt zur Wiederansiedlung des Wisents im Thal wurde vom Vorstand des Bürgergemeinden- und Waldeigentümer-Verbandes Thal anlässlich einer Vorstandssitzung im vergangenen Dezember zur Diskussion gestellt.

Der Vorstand schreibt in einem Statement an die Medien: «Der Vorstand lehnt das Projekt einstimmig und vehement ab, und, dies aus folgenden Gründen: Das Risiko von Schäden im Wald und an landwirtschaftlichen Kulturen ist gross. Schon heute verursachen Rehe, Gämsen und Wildschweine solche Schäden. Die künftige Zuwanderung von Rothirschen, Bibern und Wölfen wird die Problematik noch verschärfen.» Und weiter ist zu lesen: «Es wäre fahrlässig, solche Schäden mit der Aussetzung von Wisenten zusätzlich zu provozieren.»

«Völlig illusorisch»

«Es entsteht eine isolierte Wisent-Herde ohne jede Vernetzung zu anderen Populationen. Eine Besiedlung des Jurabogens durch weitere Wisent-Projekte ist völlig illusorisch», lassen sich die Thaler Waldbesitzer verlauten. Sie sind der Meinung, dass diese Wisent-Herde auch nach der Entlassung aus dem Versuchsgehege dauernd begleitet und überwacht werden müsste.

Überzählige Bullen müssten entfernt, das heisst abgeschossen werden. Und ab und zu wäre eine Blutauffrischung zur Verhinderung von Inzucht nötig. Selbst nach der definitiven Auswilderung nach zehn Jahren wären diese Massnahmen weiterhin notwendig, sind die Waldeigentümer sicher.

«Unter diesen Umständen von einem neuen einheimischen Wildtier zu reden, ist völlig daneben.» Man sei überzeugt, dass die Natur und die Biodiversität im Naturpark Thal mit anderen Projekten viel effizienter gefördert werden könne, als mit der Auswilderung von Wisenten.

Hans Fluri, Herbetswil, Präsident der Thaler Waldeigentümer, ergänzt noch, dass man mit der Solothurner Bürgergemeinde, welche im Besitz des geplanten Gehege-Waldgebietes sei, in dieser Sache kein Gespräch geführt habe. Die Thaler Waldbesitzer repräsentieren den Wald von Holderbank bis Gänsbrunnen. In der Mehrheit die Bürgergemeinden des Thal und wenige private Besitzer.

Vorerst nur ein Schaugehege

Stefan Müller-Altermatt vom Verein Wisent Thal und Präsident der Einheitsgemeinde Herbetswil (Bürger- und Einwohnergemeinde), meint zu dieser Meldung: «Die Reaktion der Waldbesitzer überrascht mich nicht.» Wisent Thal habe wegen der Vorbehalte der Waldeigentümer auch bereits beschlossen, das Projekt zu modifizieren. «Damit wir die Schäden, die am Wald durch die Tiere entstehen, besser und mit weniger Risiko beobachten können, wollen wir zuerst nur ein vergrössertes Schaugehege und kein Auswilderungsgehege anlegen.»

Auch sei das Gegner-Argument Inzucht ein Grund für den Versuch, eine neue Population zu etablieren. «Wir nehmen die Anliegen der Bedenkenträger laufend auf und hoffen, so vielleicht doch noch zu einer gewissen Akzeptanz zu kommen», sagt Müller-Altermatt.

Das Projekt laufe weiter, er sei unbeirrt. In den nächsten Tagen werde man mit Vertretern der Bürgergemeinde Solothurn das weitere Vorgehen besprechen und gleichzeitig seien beim Kanton Abklärungen im Gange, um die nötigen Bewilligungen zu erhalten, informierte der Herbetswiler.