Welschenrohr

«Wir kommen kaum mehr nach»: Seifen Firma profitiert von der Coronakrise

Der Maître de Savon, Hans Ulrich Wälchli, bei der Herstellung der Seifen.

Der Maître de Savon, Hans Ulrich Wälchli, bei der Herstellung der Seifen.

Die Nachfrage nach Desinfektionsmittel und Seifen ist derzeit gross. Auch das «Seifen Haus» in Welschenrohr profitiert vom Boom.

Gekleidet in ein schmuckes Arbeitsgewand mit einer grossen Mütze, die an einen Kochhut erinnert, beschriftet der Maître de Savon farbige Seifen. Mit Hilfe von Schablonen macht Hans Ulrich Waelchli aus den Handseifen unverwechselbare, auf die Kunden zugeschnittene Produkte. Es ist nicht nur eine Show für die Leute, die zur Besichtigung der Seifenmanufaktur nach Welschenrohr kommen. Man sieht es Waelchli an, dass er stolz ist auf sein Handwerk.

Kaufen kann man die nach alter Tradition hergestellten Produkte nur im Laden in Welschenrohr oder über die Internetseite. Doch das Gestell hinter dem Maître de Savon ist fast leer. «Mit dem Ausbruch der Coronakrise ist die Nachfrage ex­trem gestiegen, und wir verkaufen seither deutlich mehr Seifen», erklärt Waelchli. Die Anweisungen des Bundesamts für Gesundheit, zur Eindämmung des neuen Coronavirus regelmässig die Hände zu waschen, haben das Geschäft der Seifenmanufaktur belebt. «Mit der Herstellung der Stückseifen kommen wir kaum mehr nach.»

Auch bei den Desinfektionsmitteln sei die Nachfrage förmlich explodiert. «Es gab Tage, da haben wir Tag und Nacht abgefüllt», sagt Waelchli. «Wir mussten unsere guten Kontakte spielen lassen, damit wir überhaupt noch Alkohol kaufen konnten. Seit einem halben Jahr ignoriert nämlich die Alkoholverwaltung unsere Bestellungen.»

Jahrzehntelange Erfahrung in der Seifenherstellung

Die Seifen sehen rustikal aus und heben sich so von den perfekt glänzenden Industrieprodukten ab. «Uns ist es wichtig, dass wir mit natürlichen Rohstoffen hauptsächlich aus der Schweiz arbeiten», sagt Waelchli. «Für die Kernseife verwenden wir echtes Tierfett aus gereinigten Schlachtabfällen, so wie man es seit Tausenden von Jahren macht.»

Gegründet wurde die Firma Seifen Manufacture & Partner vor 48 Jahren in Bern. Das erste Produkt sei ein Salz aus der Eberesche gewesen, mit dem man die Rinde der Käselaibe vor schädlichen Pilzen schützen kann. «Heute wird das Naturprodukt auch zur Konservierung von Konfitüre eingesetzt», sagt Waelchli. Emmentaler Melkfett in Tuben und die Seifen kamen mit der Zeit dazu. Die Palette der Produkte umfasst heute Fensterreiniger, Entkalker, Bodenreiniger und andere Putzmittel, aber auch Raumdüfte, Salben und Hautpflegemittel. Sogar eine Antifaltencreme, die auf Basis des Schleims der Weinbergschnecke hergestellt wird, gibt es im «Seifen Haus».

Das Mutterhaus Dextro AG handelt mit Lösungsmitteln, Polymeren, Säuren und Laugen. Erst vor sechs Jahren ist der Familienbetrieb nach Welschenrohr umgezogen. «Nicht ganz freiwillig», erklärt Waelchli. «Unser damaliger Vermieter brauchte das Gebäude für andere Zwecke, und wir suchten lange, bis wir in der ehemaligen Uhrenfabrik etwas Passendes gefunden haben.» Die Tragkraft des Bodens sei entscheidend gewesen, denn die Paletten mit den Rohprodukten, wie zum Beispiel dem tierischen Fett aus Schlachtabfällen, seien extrem schwer.

Mittlerweile ist der Generationenwechsel im Gang. Mit seinen 74 Jahren hat der Gründer die meisten Bereiche des Familienunternehmens an seine Kinder Philomena, Pandora und Christopher übergeben. Doch als Maître de Savon durch das «Seifen Haus» zu führen, das bleib Hans Ulrich Waelchli vorbehalten.

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