2.Liga

Welschenrohr Top, Mümliswil Flop?: Thaler Fussballwelt steht kopf

Im Juni besiegelte der FC Welschenrohr die Rückkehr in die 2. Liga, auch dank der tatkräftigen Unterstützung der Fans

Im Juni besiegelte der FC Welschenrohr die Rückkehr in die 2. Liga, auch dank der tatkräftigen Unterstützung der Fans

Der Aufsteiger Welschenrohr überrascht in der 2. Liga, Mümliswil tut sich schwer. Der schwache Saisonstart scheint unerklärlich, die Mannschaft will so schnell aber nicht aufgeben. In Welschenrohr hingegen kann man bereits drei Siege feiern.

Verkehrte Fussballwelt im Thal: Der Aufsteiger Welschenrohr liegt in der 2. Liga nach vier Spieltagen auf dem dritten Tabellenrang. Nicht auf Touren kommt dagegen der FC Mümliswil in seiner dritten Saison in der höchsten Solothurner Regionalliga. Letztes Jahr hatten die Guldentaler nach vier Runden acht Punkte auf dem Konto. Sie blieben bis zum neunten Spieltag ungeschlagen. Jetzt liegt Mümliswil mit einem Unentschieden und drei Niederlagen auf dem vorletzten Platz.

«Wenn ich das wüsste», tut sich Mümliswils Präsident Peter Nussbaumer schwer mit einer Begründung für den schwachen Saisonstart. «Wir waren nicht schlechter als die Gegner, doch wenns nicht läuft, dann läufts nicht.» In der Defensive verlor das Team im Sommer mit Patrick Schalt und Dennis Kanwar zwei wichtige Leistungsträger. Nussbaumer sagt zwar, dass diese Abgänge nicht kompensiert werden konnten, unterstreicht aber auch, dass das Team insgesamt «nicht schwächer geworden ist».

Acht Gegentore in vier Spielen sind sicher kein Spitzenwert für die Abwehr, doch momentan haperts beim Team von Trainer Bruno Kaufmann vor allem in der Offensive: Nur zwei Tore schauten bislang heraus, darunter ein Penalty. «Die Angreifer Nicola Ackermann und Reto Schärmeli, die beide lange verletzt waren, sind noch nicht bei hundert Prozent», erklärt Nussbaumer die Torflaute.

Vorsorglich wurde deshalb im Sommer der langjährige Goalgetter Bozo Krizanovic vom FC Kestenholz zurückgeholt. Doch auch der 29-Jährige scheint Probleme zu haben, in die Gänge zu kommen. «Bozo ist bemüht und gehörte in den vier Spielen zu den Besseren», schwächt der Präsident ab, «ich bin grundsätzlich zufrieden mit seinen Leistungen, aber auch ihm fehlt das erlösende Tor.»

Gelingt der Befreiungsschlag?

Am fünften Spieltag vom Samstag empfängt Mümliswil den neuntplatzierten FC Trimbach. Nussbaumer hofft auf den Befreiungsschlag seines Teams: «Es braucht eine geschlossene Mannschaftsleistung, von jedem Spieler noch ein bisschen mehr, und auch ein wenig Glück kann nicht schaden.» Er sei überzeugt, dass es die Mannschaft «draufhat». Die Spieler seien nach der letzten Niederlage gegen Deitingen natürlich sehr enttäuscht gewesen, die Stimmung befinde sich aber nicht am Boden. «Die Moral im Team ist gut. Wir werden sicher nicht nervös und werfen nach vier Spielen alles über den Haufen.»

Dass der FC Welschenrohr in der Tabelle viel weiter vorne klassiert ist, nagt nur ein bisschen am Stolz des Mümliswil-Präsidenten: «Ich hätte es natürlich lieber umgekehrt, alles andere wäre gelogen.» Die Rivalität zwischen den beiden Klubs habe in den letzten Jahren deutlich abgenommen, so Nussbaumer. Insbesondere das Verhältnis zu Welschenrohrs Präsidenten Christoph Fink sei sehr gut. Er freue sich sicher nicht, wenn der FCW verliere. «Wir sind so neidisch, wie sie schadenfroh sind.»

Die Harmonie ist zurück

Beim FC Welschenrohr hält sich die Schadenfreude in Grenzen. Es sei schön, wenn möglichst viele Mannschaften aus dem Thal gut spielen, so Christoph Fink. «In der Nachwuchsabteilung arbeiten wir ja sogar eng mit dem FC Mümliswil zusammen, das klappt hervorragend.»

Geklappt hat auch der Saisonstart in der 2. Liga. Drei Siege aus vier Spielen und Platz drei hinter Fulenbach und Iliria, dies der aktuelle Stand. Dass es so gut läuft, hatte auch Präsident Fink nicht erwartet. Überrascht sei er indes nicht: «Der Grossteil des Teams hat Zweitliga-Erfahrung. Die Spieler wissen, was es braucht.» Ein Pluspunkt der Mannschaft ist in seinen Augen der Fitness-Stand: «Der war schon in der letzten Rückrunde und vor allem in den Aufstiegsspielen gut und konnte im Sommer gehalten werden.» Eine weitere grosse Stärke sei die Harmonie im Team.

Nach dem Abgang von Trainer Martin Hert am Ende der Abstiegssaison 2012/13 habe es gekriselt, jetzt sei der «Kitt wieder zurück». Der wiedergefundene Teamgeist ist laut Fink zum grössten Teil der Verdienst von Coach Christoph Büschi. Auffallend ist zudem, dass beim FCW acht verschiedene Torschützen für die neun bislang erzielten Treffer verantwortlich sind. «Im Gegensatz zu anderen Teams haben wir keinen Spieler, der zwanzig Tore schiesst, sondern haben offensiv diverse Möglichkeiten», bekräftigt Fink.

Am Sonntag trifft Welschenrohr vor eigenem Anhang auf den FC Riedholz, den aktuellen Tabellenvierten der Liga. Gegen den Mitaufsteiger soll der vierte Saisonsieg her. «Das wird ein interessantes Spiel gegen einen Gegner, der bis jetzt ebenfalls sehr gut mithält», blickt Fink voraus. «Wir müssen versuchen, unseren Schwung auszunutzen.» Er hofft, dass die Euphorie möglichst lange anhält und sich das Team langfristig im Mittelfeld der Liga festsetzen kann: «Eine Platzierung ganz vorne an der Spitze ist nicht realistisch.»

Das Derby zwischen den beiden Thaler Zweitligisten steht in vier Wochen an. Ob sich die beiden Klubs bis dahin punktemässig wieder etwas annähern, werden die kommenden drei Spieltage zeigen.

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