Wegzug von Bimbosan

Was Welschenrohr braucht, sind Menschen mit unkonventionellen Ideen

Die Firma Bimbosan zieht weg.

Die Firma Bimbosan zieht weg.

Die Produkte von Bimbosan werden künftig am Standort des Mutterkonzerns in Hochdorf produziert. Für die Gemeinde Welschenrohr war die Firma ungemein wichtig.

Anfang 80er-Jahre scheute Welschenrohr keine Mühen, als es darum ging, um Unternehmen zu buhlen. Mit Gratisbauland lockte das ehemalige Uhrendorf im hinteren Thal auch Bimbosan an und stach andere Gemeinden trotz deren besseren Lage aus. Die kühne Wirtschaftsförderung kam nicht überall gut an, brachte der Gemeinde aber zehn Firmenansiedlungen. Zuerst profitierte die kleine Firma für Babynahrung – dann profitierte Welschenrohr in Form von Steuereinnahmen.

Die Gemeinde statuierte ein Exempel dafür, wie strukturschwache Regionen bestehen können. Bald vier Jahrzehnte später endet mit dem Wegzug der Bimbosan jedoch ein Zyklus. Von den ursprünglich zehn Firmen ist nur eine in veränderter Form übrig geblieben. Eine Entwicklung, welche den Thaler Behörden Sorgen macht. Arbeitsplätze sind gefragt, wenn das Thal nicht zur reinen Schlafregion mutieren soll. Ihre Hoffnung: Die Verkehrsanbindung Thal. Sie soll Unternehmen in den vergessenen Bezirk locken. Kommt die Verkehrsanbindung, wird die Frage sein: Bringt die Strasse Arbeitsplätze ins Thal oder bringt sie die Thaler zu den Arbeitsplätzen vor dem Berg?

Das Beispiel Bimbosan lehrt, dass die Standortfrage eben nicht allein entscheidend ist. Was Welschenrohr braucht, sind Menschen mit unkonventionellen Ideen, die etwas wagen. Standort hin oder her. Welschenrohr ist überall. Ein neuer Zyklus beginnt.

yann.schlegel@chmedia.ch

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1