Thal-Gäu

Was läuft nicht rund bei der Sozialregion? – die Zeit der Geheimnisse ist vorbei

Seit einiger Zeit rumort es im Vorstand der Sozialregion Thal-Gäu. Nun gab es einen Präsidenten- und Vorstandsmitgliederwechsel.

Seit einiger Zeit rumort es im Vorstand der Sozialregion Thal-Gäu. Nun gab es einen Präsidenten- und Vorstandsmitgliederwechsel.

Der Vorstand des Zweckverbandes Sozialregion Thal-Gäu formiert sich neu und muss Altlasten beheben.

Man munkelte im Thal und Gäu seit ein paar Monaten, dass die Organisation der Sozialregion Thal-Gäu nicht rund läuft. An der vergangenen – nicht öffentlichen – Delegiertenversammlung vom 11. November trat der bisherige Präsident Kurt Bloch zurück und übergab sein Amt an Bruno Born (Gemeindepräsident Aedermannsdorf). Mit nur 12 anwesenden (von 22) Delegierten wurde die zu genehmigende Rechnung 2019 von der Traktandenliste genommen und soll nun im Januar 2021 genehmigt werden. Und fünf bisherige Vorstandsmitglieder verliessen den Zweckverband, um neuen Kräften Platz zu machen.

Was war denn aber passiert? Bruno Born, der neue Präsident und vorher noch bis Februar 2020 Vorstandsmitglied und die beiden Mitglieder der eingesetzten Begleitgruppe Georg Lindemann und Theodor Hafner geben Auskunft. «Vor gut eineinhalb Jahren stellten wir fest, dass viele Fälle nicht oder allzu lange nicht bearbeitet wurden.» Auch sei ihnen von Dritten zugetragen worden, dass die Klienten oft nicht wüssten, wer ihre Bezugsperson sei, oder dass Betreuer oft in kurzer Zeit wechselten.

«Es war schwierig, an Informationen zu kommen»

Es fiel auch auf, dass im Vorstand mehrmals nicht budgetierte Kredite genehmigt wurden, ohne dass darüber klare Angaben abgegeben wurden. An den Delegiertenversammlungen, die halbjährlich stattfanden, wurden solche Posten unter «Verschiedenes» abgehandelt.

Zunächst wurden zwei externe Berater angestellt, die sich die Abläufe genauer ansehen sollten. Doch gewisse Fragen blieben offen. Schliesslich wurde eine vierköpfige Begleitgruppe, bestehend aus zwei Vorstandsmitgliedern (Markus Wyss und Theodor Hafner) und zwei Gemeindepräsidenten (Edgar Kupper und Georg Lindemann) ins Leben gerufen. Diese sollte die Organisation hinterfragen und Klarheit in die Geldflüsse bringen, so Hafner.

«Doch es war sehr schwierig», sagt Georg Lindemann. «Wir kamen nur schwer zu den verlangten Unterlagen. Ihr habt keine Befugnisse, oder hier gilt Datenschutz, hiess es immer wieder.» Fakt ist, dass während der vergangenen vier Jahre mehrere zehntausend Franken für Überstunden und Ferien pro Jahr an Einzelpersonen ausbezahlt wurde.

Sehr grosse Personalfluktuation

Wie es aber sein kann, dass trotz so vieler Überstunden viel Arbeit nicht erledigt werden konnte? Hafner gibt eine Begründung: «Wir hatten in der Vergangenheit eine sehr grosse Personalfluktuation. Zum Beispiel haben wir 2019 um die 30 Personen verloren und neu anstellen müssen. Und das bei einem Personalbestand von 60 Personen. Da bleibt naturgemäss viel Arbeit liegen.» Bruno Born: «Die Führung, aber auch das Controlling haben versagt.

Zwar hätte man vom Amt für Soziale Sicherheit ASO des Kantons Hilfe bekommen. «Doch diese wurde von der Geschäftsleitung nicht angenommen, fanden wir heraus», so Lindemann. «Wir haben auch feststellen müssen, dass wichtige Informationen von der Geschäftsleitung nicht an die zuständigen Bereichsleiter weitergegeben wurden», sagt Hafner.

Es waren dann insbesondere die Gäuer Gemeindepräsidenten, die verlangten, dass es zu einem Bruch mit dem bisherigen Zweckverbandspräsidenten kommen muss. «So konnte das nun einfach nicht mehr weitergehen, denn es sind ja schliesslich Steuergelder, mit denen gearbeitet wird», sagt Lindemann.

Horrende Nachtragskredite in den letzten zwei Jahren

Zur jetzt noch hängigen Rechnung 2019 sagt Born: «Diese Rechnung wird jetzt nochmals geprüft, ebenso jene früherer Jahre». Was man sagen könne: «Es sind während den letzten zwei Jahren insgesamt 800'000 Franken an Nachtragskrediten gewährt worden.»

Dass es so weit gekommen ist, ist für Hafner unverständlich: «Man hat einen heissen Stein einfach immer weiter vor sich her geschoben und so hat sich immer mehr angehäuft.» Wie geht es nun weiter? «Es ist möglich, dass die ganze Sache auch personelle Konsequenzen haben wird», erklärt Born. Die Arbeit der Begleitgruppe endet mit dem Bericht der Rechnungsüberprüfung. «Nun muss der neue Vorstand und das gesamte Personal informiert werden, natürlich immer unter Beibehaltung des Datenschutzes», ist ihm wichtig zu sagen.

«Und dann werden wir die begonnenen Assessments, welche wir ebenfalls vor ein paar Monaten eingesetzt haben, weiter auswerten und die Erkenntnisse daraus in die Organisationsstruktur einfliessen lassen», sagt Lindemann. «Der Betrieb der Sozialregion Thal-Gäu läuft weiter, wie bisher». Doch: «Ab jetzt wird transparent gearbeitet», sagen die Drei.

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