Wolfwil

«Wahrscheinlich einzigartiger Bus»: In der «Emma» sollen Schüler ihre Probleme lösen statt bekämpfen

Die Kreisschule Wolfwil weihte am Donnerstag feierlich den Beratungsbus für die Schulsozialarbeit «Emma» ein. Der Bus soll in der gesamten Kreisschule Gäu zum Einsatz kommen.

Die Schere nähert sich dem Band, ein schneller Schnitt und das rot-weisse Band ist durchtrennt. «Damit ist die ‹Emma› eingeweiht!», verkündet Martin Imobersteg in einem feierlichen Ton. Applaus hallt von den Gästen und den Schülern. Dann ist die Einweihungsfeier nach ungefähr 20 Minuten auch schon wieder vorbei und die Anwesenden stürzen sich auf den Apéro. Am Anlass am Donnerstagabend waren nebst der Schulleitung auch der Schuldirektor Silvan Jäggi und der Gemeindepräsident Georg Lindemann anwesend.

Doch was ist «Emma» eigentlich und wie ist dieses Projekt entstanden? Bei der «Emma» handelt es sich um ein Fiat-Wohnmobil, das zu einem «Beratungsbus» für Schulsozialarbeit umgerüstet wurde. «Als Kreisschule Gäu haben wir zwei Schulstandorte in Neuendorf und einen in Wolfwil. Wir verfügen über nicht genügend geeignete Räumlichkeiten, um mit Jugendlichen über ihre Probleme zu sprechen», sagt Schulleiter Martin Imobersteg. Ausserdem soll im nächsten Jahr das Neue Schulhaus Wolfwil um eine Klasse vergrössert werden. Abhilfe verschaffen sollte ein mobiles Büro. «Das war auch die billigste Lösung, die wir finden können», so Imobersteg.

Probleme im abgeschotteten Raum besprechen

Zwar müsse man für das Fahrzeug aufkommen und es kämen wiederkehrende Kosten, doch das sei laut dem Schulleiter immer noch billiger als einen neuen Raum zu beschaffen. «Ausserdem ist es ein abgeschotteter Raum, denn die Probleme der Jugendlichen gehen uns nichts an», nennt Imobersteg einen weiteren Vorteil. Das Mobil kann aber nur dort stehen, wo auch ein Stromanschluss vorhanden ist, denn im Winter müsse das Fahrzeug beheizt werden.

Als Fahrzeug wären anfangs entweder ein VW-Bus oder Toyota-Van in Frage gekommen, und Gemeindepräsident Georg Lindemann wurde angefragt, da er zusätzlich als Geschäftsführer der Auto Lindemann AG tätig ist. «Er meinte, dass wir ein Wohnmobil benutzen sollen. Lindemann habe mit seinem Know-how geholfen, erzählt der Schulleiter weiter.

Schüler gestalteten das Innere des Busses

Letztlich waren es die Schüler, die den Beratungsbus nach ihren Vorstellungen gestalten durften. Die Innenarbeiten wurden dabei von den beiden Schülerinnen, Melanie Graf und Tamara Muff, realisiert. «Wir haben vor allem die Wände weiss gestrichen, die Vorhänge genäht, den Tisch gemacht und dekoriert wie auch den Boden neu beklebt», erinnern sich die beiden Schülerinnen des dritten Kurses. Weil das Erstellen der Inneneinrichtungen Teil von Projektarbeiten war, die jeder Schüler des dritten Kurses der Sekundarschule im Kanton Solothurn machen muss, arbeitete das Duo die meiste Zeit über selbstständig.

Zwei ihrer Schulkollegen waren damit beschäftigt, das Gefährt mit grossen schwarzen Lettern zu verzieren. Und wie kommt das Beratungsmobil zu seinem Namen «Emma»? «Das war meine Idee», sagt Imobersteg lächelnd. Es sei eine Anspielung auf die Lokomotive aus dem berühmten Kinder-Roman Jim Knopf von Michael Ende. Die Lok «Emma», die Jim auf seinen Abenteuern begleitet, kann auf normalen Schienen fahren, kann aber auch schwimmen und sogar tauchen. «Sie ist ein Allrounder. Für jedes Problem gibt es eine passende Lösung, was auch auf den Beratungsbus zutrifft. Probleme sollen gelöst statt bekämpft werden», so der Schulleiter.

Laut Imobersteg dürfte «Emma» schon nach den Sommerferien einsatzbereit sein. Das Fahrzeug ist nicht nur für die Schule in Wolfwil gedacht, sondern soll in der gesamten Kreisschule Gäu seine Dienste anbieten. «Wahrscheinlich ist ein solcher Bus auf der ganzen Welt einzigartig», meint Imobersteg.

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