«Nei danke, ich mag nümme.» Wie so manche an jenem späten Nachmittag lehnt die Seniorin aus Zürich dankend die angebotenen frischen Baumnussmakronen der Familie Gasser in Laupersdorf ab. Kein Wunder: Das üppige Mittagessen inklusive Dessert liegt keine zwei Stunden hinter ihnen. Von Appetit ist keine Rede mehr. Jedoch aber von Wissensdurst, den sie seit dem Beginn ihres Ausfluges zu tilgen versuchten.

Der jährliche Seniorenausflug der Pfarrei Bruder Klaus aus Zürich führt die 23 Teilnehmer in das Herz des Naturparks Thal: Am Morgen haben sich die Besucher von der Geschichte der Kammfabrik in Mümliswil beeindrucken lassen. Die Führung im «Haarundkamm»-Museum habe die Senioren in Staunen versetzt, erzählt Franz-Othmar Schaad, Sozialarbeiter der Pfarrei, beim Mittagessen. Viele hätten zum ersten Mal von der Existenz der Fabrik erfahren und seien verblüfft gewesen über die Tatsache, dass der Absatz der Kämme weit über die Landesgrenze hinausgereicht hatte. Schaad organisiert jeweils die jährlichen Ausflüge und gibt zu, Inspiration aus seiner eigenen Biografie zu schöpfen. «Den Leuten gefällt es, wenn ich persönliche Aspekte in die Reise miteinfliessen lasse.» Der gebürtige Grenchner war als Kind viel in Laupersdorf, seinem Heimatort, in den Ferien. Im Naturpark Thal fühlt er sich also zu Hause. «Es ist schön, wenn ich als Veranstalter mit Herz dabei sein kann.»

Auch Belinda Zahner-Bussmann erzählt bei einem saftigen Cordon bleu im Restaurant Passwang von ihren Laupersdorfer Wurzeln: Die gebürtige Zürcherin und halb Spanierin erinnert sich noch sehr gut an die Wochenenden bei ihren Grosseltern in Laupersdorf. «Ich habe für meine Mutter immer Schnecken im Garten gesammelt», sagt sie. Aber nicht zum Spass: Diese habe es dann am anderen Tag zum Abendessen gegeben. Genauso wie die Kaninchen, die sie zu streicheln pflegte, erzählt sie. «Die habe ich nie gegessen.»

Erste Begegnung mit dem Naturpark Thal

Viele aus der Gruppe jedoch gaben zu, zum ersten Mal im Thal zu sein. «In ländlichen Regionen wie hier entdeckt man die Schweiz», sagt Marie-Thérèse Padovan aus Zürich. «Es ist schön, an Ortschaften zu reisen, wo man sonst nicht hingeht.» Der Schaffhauser Peter Chiozza verbindet mit dem Naturpark Thal vor allem Spiritualität und er will seine Kultur und seine Handwerke näher kennenlernen. Das ist auch das Ziel des Gruppenleiters. Er habe die Reise nach dem Motto «Bewahrung der Schöpfung» geplant. «Der Naturpark Thal hat eine besonders schützens- und schätzenswerte Natur», sagt er. Ebenso auch wertvolles Handwerk. Passend zum Thema führt er die Gruppe auf der letzten Etappe der Reise in die Ölpresse der Familie Gasser in Laupersdorf. Der Landwirt Willy Gasser sei sein Cousin, teilt Schaad den Senioren mit, bevor Landwirtin Ruth Gasser das Wort übernimmt.

Begeisterung am «Thaler Rapsöl»

Die Senioren zeigen sich durchaus erfreut über die kleine Ölpresse der Familie: Seit zehn Jahren produzieren sie Raps- und Sonnenblumenöl und verkaufen die Produkte in der Region. Zunächst unter dem regionalen Label «So Natürlich». Vor neun Jahren hat jedoch der Detailhändler Coop ihr kalt gepresstes Rapsöl ins Sortiment aufgenommen, letztes Jahr schloss sich auch die Migros an. Gasser erzählt weiter, dass sie vor fünf Jahren 300 Baumnussbäume hinter ihrem Haus gepflanzt hätten, aus dessen Früchten sie letztes Jahr bereits Baumnussöl pressen konnten. Während einer kleinen Führung durch die Räumlichkeiten mit den Pressmaschinen erläutert die Landwirtin Einzelheiten über die Pressvorgänge und lud die neugierigen Senioren anschliessend auf eine kleine Degustation ihrer Produkte ein.

Der Ansturm auf die vielen Häppchen mit Baumnusspaste und Rapsöl hält sich wegen dem schweren Mittagessen noch immer in Grenzen. Umso grösser ist jedoch das Interesse am Öl: Es wurde fleissig gekauft, bis der Gastgeber am Ende sogar noch eine kleine Flasche frisches Öl abfüllen muss. «Unglaublich, wie viel Handarbeit hinter einer Flasche Öl steckt», beginnt im Anschluss Franz-Othmar Schaad den Besuch zusammenzufassen. «Mit dem heute gewonnenen Wissen können wir solche Produkte und die Landschaft im Thal besser zu schätzen wissen.»