Chris de Burgh deutete am Freitagabend nach der Zugabe auf die Uhr am Handgelenk. Mit dieser ironischen Geste zeigte er dem Publikum an: Leute, es ist Zeit, schlafen zu gehen. Das war aber bloss Koketterie. Selbstverständlich wollte das Publikum noch etwas mehr vom irischen Live-Musiker hören.

Aber auch bei Chris De Burgh hatte man das Gefühl, er hätte Lust gehabt, noch lange weiterzuspielen. Während der ganzen Show fast zweistündigen war keine Spur von routiniertem Abspulen zu spüren, im Gegenteil. Chris De Burgh formulierte es selber, sogar nach 25 Jahren auf Tournee mit tausend Auftritten freue es sich immer noch auf den Kontakt mit dem Publikum. Dabei stapelte er erst noch tief, veröffentlichte der inzwischen fast Neunundsechzigjährige sein Debütalbum 1974.

Den Einstieg ins Konzert machte Chris De Burgh mit dem Song «Bethlehem» aus seinem neuesten Album «For a better world», von dessen Cover auch das Bühnenbild mit einer stilisierten spriessenden Pflanze inspiriert war. Ebenso die folgende Ballade «Chain of Command» (Befehlskette) stammte aus der aktuellen CD. Hier wie beim folgenden «Lonely Sky», wo De Burgh den Nordirlandkonflikt thematisiert, zeigt sich der politische Singer-Songwriter.

Chris de Burgh bei seinem Auftritt am St.Peter at Sunset in Kestenholz

Chris de Burgh bei seinem Auftritt

Mix von alt und neu

Bei der Ansage des Liedes «Homeland» (Heimat) erinnerte er an den Krieg in Syrien, wo Millionen Menschen auf der Flucht sind – «looking for shelter from the storm». Sie müssen Sicherheit in der Fremde suchen, wo sie doch lieber am Ort leben würden, wo sie geboren wurden, so Chris De Burgh.

Das Set war eine Mischung von neuen und älteren Stücken, von «s Ship to Shore» aus dem Jahre 1982 über den Welthit «Lady in Red», bei dem Chris de Burgh sich unters Publikum mischte, bis zum rockigen Schlusslied «High on Emotion». Bei den letzten paar Songs liess er die Band pausieren und begleitete sich auf der zwölfsaitigen Gitarre selber. Und erst nach dem gemeinsam gesungenen «Hey Jude» von den Beatles war endgültig Schluss.

Vor Chris De Burgh trat Anna Rossinelli auf. Auch sie strahlte unheimlich viel Energie aus. Ohne dass sie das Publikum zum Mittun animieren musste, standen alle schon beim dritten Stück von den Sitzen auf, sangen und klatschten mit. Den Abend eröffnete Rossellini mit dem Song «Wasting Time» ab ihrem aktuellen Album «Takes two to Tango». Anschliessend wechselte sie mit älteren und neuen Stücken ab, mit ihren grossen Hit und weniger bekannten Liedern. Sie hatte sichtlich Spass, ihren melodiösen Rock den Gäuer Zuhörerinnen und Zuhörern zu präsentieren, reicherte ihre englisch gesungenen Songs mit unartikulierten Passagen an.

Dabei hüpfte und tanze sie barfuss auf der Bühne. Musikalisch unterstützt wurde sie von einer gut aufgestellten Band mit Manuel Meisel und Benjamin Noti (Gitarren) sowie Georg Dillier (Bass) und Simon Kistler (Drums). Selbstverständlich durften ihre grössten Erfolge nicht fehlen, «Let ist go», der Winterolympiadehit «Shine in the light» oder «Streets of Love», das die Baslerin als ihr absolutes Lieblingslied bezeichnete. Sie wurde schliesslich vom Publikum mit anhaltendem Applaus zu mehreren Zugaben gezwungen und rundete ihren wunderbaren Auftritt mit «Head in the Sky» ab.

Hin- und Rückreise gut organisiert

Auch der Rahmen stimmte. Bereits bei der Anreise mit dem Linienbus, wo das Festivalbillett zur Gratisfahrt berechtigte, wies der freundliche Chauffeur die Gäste auf den besten Weg zum Open-Air-Gelände hin. Und nach Abschluss der Konzerte standen selbst zu später Stunde Fahrzeuge der Bussbetriebe BOGG Richtung Olten beziehungsweise Oensingen bereit, wobei sie die Anschlüsse an die Züge Richtung Solothurn oder Olten gewährleisteten. Zudem waren Kleinbusse nach Wolfwil und Fulenbach vorhanden. Das Busangebot wurde tatsächlich benutzt, die Busse waren sehr gut besetzt.