Gemeindepräsidium Gäu

Vier der acht Gemeindepräsidenten haben sich noch nicht entschieden, ob sie wieder antreten

Ein Jahr vor den Wahlen hat sich die Hälfte der Gäuer Gemeindepräsidenten noch nicht festgelegt.

Rund ein Jahr vor den Gemeindewahlen ist die Ausgangslage in Sachen Gemeindepräsidium in der Hälfte der Gäuer Gemeinden offen. Drei der acht Gemeindepräsidenten haben entschieden, 2021 wieder anzutreten – deren vier haben sich noch nicht entschieden. Arno Bürgi (Kestenholz), Georg Lindemann (Wolfwil) und Markus Zeltner (Niederbuchsiten) möchten weitermachen. Der Oberbuchsiter Daniel Lederer zieht sich derweil zurück. Mit vier Legislaturperioden zählt er zu den dienstältesten Gemeindepräsidenten. Rund 30 Jahre (!) schon gehört Lederer dem Gemeinderat an. «Bereits vor vier Jahren überlegte ich mir aufzuhören», sagt Lederer, «aber verschiedenste Personen haben mir gesagt, ich solle weitermachen.»

Nun hat er endgültig den Schlussstrich gezogen. «Die letzte war die intensivste Legislatur», sagt er. Und dies, obwohl es «je länger, desto einfacher geht.» Wie in vielen Gäuer Gemeinden ist in Oberbuchsiten das Thema Schulraum derzeit aktuell: Das neue Schulhaus wird erst in der neuen Legislatur fertig sein – aber die Vorarbeit ist gemacht. Die Ortsplanungsrevision möchte Lederer noch vor seinem Abgang von der lokalen Politbühne vollenden. «Ich habe immer versucht, die Gemeinde mit gesundem Menschenverstand zu führen», sagt er. Um seine Nachfolge macht er sich keine Sorgen: «Die Parteien sind gefragt – wir sind in einer Demokratie.» Die Erfahrung in anderen Gemeinden zeigt aber, dass es oft schwierig ist, Aspiranten für das Gemeindepräsidium zu finden.

Markus Zeltner hat noch nicht genug

Noch nicht genug hat Markus Zeltner. Für den Niederbuchsiter ist das Gemeindepräsidium fast schon ein Lebenswerk. Seit sechs Legislaturen und rund 23 Jahren hat er in der Gemeinde das höchste politische Amt inne. Ist er damit nicht am Zenit angelangt? «Aus politischer Sicht macht eine Amtsdauer von acht oder zwölf Jahren Sinn», sagt Zeltner. Aber das Gemeindepräsidium sei durchs Jahr hindurch kein rein politisches Amt. «Letztlich ist es eine Führungsaufgabe und für diese Rolle ist es kein Nachteil, länger im Amt zu sein.» Vor drei Jahren ging er in Frühpension und entschied im Alter von 58 Jahren, sich längerfristig für die Gemeinde einzusetzen. Durch die freie Zeit engagiere er sich nun vermehrt in Verbänden und Divisionen.

Eine Amtsperiode anhängen möchten auch Georg Lindemann und Arno Bürgi, die beiden führen ihre Gemeinde seit 2013 an. Und beide sagen auf Anfrage, die Arbeit in der Gemeinde mache ihnen Spass. «Nach acht Jahren weiss man, wie der Karren läuft», sagt der Kestenholzer Arno Bürgi. Da es im Gemeinderat zu einigen Wechseln kommen dürfte, möchte der Bäcker-Konditor für Konstanz sorgen und im Amt bleiben. In der kommenden Legislatur will Kestenholz eine neue Mehrzweckhalle realisieren und Bürgi würde das gerne begleiten.

Motivation sind laufende Projekte

Auch für den Wolfwiler Georg Lindemann sind laufende Projekte ein Motivationsgrund, weiterzumachen. Im Bauwesen gehe es darum, die Zukunft des Dorfes zu weisen. Zudem wird der Schulraum für die Sekundarstufe erweitert. «Z’Woufu sind wir fähig zu diskutieren», sagt Lindemann. So komme die Gemeinde sehr gut vorwärts. In seiner Rolle vertrete er die Meinung der Mehrheit, er repräsentiert das Dorf. Der Gemeinde­- präsident muss eine gewisse Demut haben, er ist kein Dorfkönig», sagt er. «Wenn mir jemand zu spüren gibt, ich könne gewisse Dinge selbst entscheiden, muss ich aufhören.»

Gloor und Bartholdi mit Herzblut, aber noch offen

Offen ist die Ausgangslage in den beiden grössten Gäuer Gemeinden Oensingen und Egerkingen. Fabian Gloor schaffte 2017 mit 27 Jahren eher über­raschend klar die Wahl zum Gemeindepräsidenten. Drei Jahre später scheint wahrscheinlich, dass der CVP-Kantonsrat auf kommunaler Ebene weitermacht. «Zwei bis drei Legislaturperioden sind generell sinnvoll», sagt er auf die Frage nach der idealen Amtsdauer. Zudem warten im Grossdorf in den nächsten Jahren gleich mehrere Projekte, welche der gebürtige Oensinger wohl mitgestalten möchte. An oberster Stelle steht die «Jahrhundertchance Verkehrsentlastung», wie Gloor die projektierte Entlastungsstrasse nennt. Noch hat der jüngste Gäuer Gemeindepräsident nicht definitiv entschieden, ob er wieder antritt. Gloor sagt: «Das Amt des Gemeindepräsidenten übe ich sehr gerne und mit viel Herzblut aus.»

Wie in Oensingen befindet sich auch Egerkingen vieles im Wandel. Johanna Bartholdi ist die einzige Frau an der Spitze einer Gemeinde im Gäu – und in ihrer elfjährigen Amtszeit machte sie sich mit ihrer Art zu politisieren schweizweit einen Namen. Ob die 70-jährige Vollblutpolitikerin nun noch mal antritt, ist ungewiss. «Ich bin hin- und hergerissen», sagt sie. Vor Corona wusste sie ziemlich sicher, dass sie weitermachen will. Doch durch das Virus wurde ihr bewusst, dass sie im fortgeschrittenen Alter ist. «Ich erschrecke selbst, wenn ich sehe, wie alt ich bin», sagt Bartholdi unverblümt. Aber sie fühle sich nicht so. Für den Kantonsrat tritt sie noch mal an. Bezüglich Gemeindeebene fragt sich die FDP-Frau, mit Blick auf die Auswirkungen der Pandemie, «darf ich die Gemeinde jetzt im Stich lassen? Jeder Gemeindepräsident möchte doch die Gemeinde dem Nachfolger in geordneten Bahnen übergeben.»

Nützi und Kissling noch nicht entschieden

Kurz vor einem Entscheid stehen die Gemeindepräsidenten Daniel Nützi und Rolf Kissling. Voraussichtlich bis Anfang Juni möchten sie Klarheit schaffen. Der Härkinger Daniel Nützi führt die Gemeinde bereits seit drei Legislaturen und gehört seit 20 Jahren dem Gemeinderat an. «Spass macht es nach wie vor», sagt Nützi. In den letzten Jahrzehnten sei es in Härkingen gelungen, eine Vertrauensbasis in der Gemeinde aufzubauen. Der vierfache Familienvater will für sich herausfinden, ob er nun anderen Lebensbereichen mehr Gewicht geben will. Für ihn ist klar: «Wenn ich ja zur Politik sage, ist es für die gesamte Amtsdauer.»

Autor

Yann Schlegel

Yann Schlegel

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