Oensingen

VCS findet geplantes Bell-Parkhaus «immer noch überdimensioniert», anerkennt aber Fortschritte

Mit dem neuen Bell-Standort wird die Oensinger Industriezone im Westen (unterer Bildrand) weiter wachsen.

Mit dem neuen Bell-Standort wird die Oensinger Industriezone im Westen (unterer Bildrand) weiter wachsen.

Der Verkehrsverband äussert sich zu überarbeiteten Bell-Ausbauplänen in Oensingen. Das Parkhaus ist dem VCS immer noch zu gross.

Die Expansionspläne der Bell in Oensingen befinden sich zum zweiten Mal in einem Mitwirkungsverfahren. Dass es soweit kam, hat auch mit dem Einfluss der kantonalen Sektion des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS) zu tun. Diese hatte sich im ersten Planungsprozess stark eingebracht und insbesondere die Dimension des geplanten Parkhauses und das fehlende Mobilitätskonzept kritisiert.

Bell redimensionierte die Gestaltungspläne daraufhin. Aufgrund der Grundwasserschutzzone des Pumpspeicherwerks Moos rückte das geplante Parkhaus weiter in den Süden. Für die künftig rund 1300 Mitarbeiter will der Fleischverarbeiter ein 30 Meter hohes Parkhaus mit neu nur noch 1200 Parkplätzen bauen. Ursprünglich wären rund 1700 Plätze vorgesehen gewesen. «Das geplante Parkhaus ist immer noch überdimensioniert», nimmt Präsident Fabian Müller im Namen der VCS Sektion Solothurn nun erstmals Stellung zu den überarbeiteten Plänen. Der VCS werde sich auch diesmal an der Mitwirkung einbringen. Trotz Kritik sieht der Verkehrs-Club einen Fortschritt: Das Mobilitätskonzept, welches er von Bell und der Gemeinde Oensingen gefordert hatte, liegt nun vor. In diesem Konzept seien diverse sinnvolle Massnahmen formuliert, um den Langsamverkehr zu fördern.

Verbindlichere Vorschriften gefordert

In diesem ist etwa festgehalten, dass eine direkte Fuss- und Veloverbindung zum Bahnhof geschaffen werden soll, dass die Parkgebühren erhöht werden könnten, Fahrgemeinschaften mit internen Kommunikationskanälen unterstützt oder Generalabonnements vergünstigt abgegeben werden könnten. Der VCS wertet dies positiv, aber: «Diese Elemente sind in den Sonderbauvorschriften zu wenig klar definiert und somit zu wenig verbindlich», sagt Müller.

VCS: Mobilitätskonzept wirkt nicht auf Parkhaus

Zudem seien die verbesserten Massnahmen für den Langsamverkehr aus dem Mobilitätskonzept nicht für die Parkhausplanung miteinbezogen worden, urteilt Müller. Im redimensionierten Parkhaus rechnet Bell mögliche Drittnutzer mit ein (rund 100 Parkplätze). Wie bereits heute geht Bell auch davon aus, dass weiterhin 80 Prozent der Mitarbeiter mit dem Auto zur Arbeit gelangen. Der VCS erachtet daher das geplante Parkhaus noch immer als zu gross. An der Mitwirkungsveranstaltung im Dezember gab Bell an, nach dem Ausbau mit einem Verkehrsaufkommen von rund 1320 Personenwagen und 390 Lastwagen pro Tag zu rechnen.

Nach aktuellem Erkenntnisstand stellt der VCS eine weitere Forderung: Auf den Dachflächen müssten, wo sinnvoll, Fotovoltaikanlagen erstellt werden. In den Sonderbauvorschriften ist derzeit festgehalten, die Nutzung der Dachflächen zur Produktion von Energie durch Fotovoltaikanlagen sei zu prüfen. Der VCS möchte verbindlich formuliert haben, die Sonnenenergie sei optimal zu nutzen.

Der Verkehrs-Club werde den Planungsprozess weiterhin begleiten und konstruktiv beeinflussen, so Müller. «Wir empfanden unsere Mitwirkung nie als Widerstand oder Reklamation», sagt der VCS-Präsident zur Rolle der Solothurner Sektion. Der Verein sei dankbar, dass er von Beginn weg einbezogen worden sei. Er wolle sein Fachwissen in Verkehrsfragen weiterhin einbringen.

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