Egerkingen

Tempo 30-Zone um die Schulhäuser: Anwohner wehren sich gegen das Projekt

Bald Ist-Zustand: Wegen einer Baustelle in der Gartenstrasse, öffnete die Gemeinde die Bleumattstrasse zuletzt temporär.

Bald Ist-Zustand: Wegen einer Baustelle in der Gartenstrasse, öffnete die Gemeinde die Bleumattstrasse zuletzt temporär.

Vor 15 Jahren verhandelte Egerkingen erstmals über ein beruhigtes Verkehrsregime. Nun setzt die Gemeinde die Tempo-30-Zone bei den Schulhäusern Kleinfeld und Mühlematt um.

Egerkingen und Tempo 30: Nach langen Jahren der Aushandlung will die Gemeinde die Verkehrsmassnahme im nächsten Jahr realisieren. Im November war das Tempo-30-Projekt aufgelegt. Der Gemeinderat hatte Ende August beschlossen, im Perimeter um die beiden Schulhäuser Kleinfeld und Mühlematt das gemässigte Verkehrsregime einzuführen.

Aus der Bevölkerung regt sich Widerstand gegen die Pläne: Beim Kanton ging eine Beschwerde ein. Einwohner meldeten sich vergangene Woche mit einem Leserbrief in dieser Zeitung zu Wort. Die neuste «Kreation» der Behörden missfalle ihnen, schrieben Anwohner der Bleumattstrasse. Es ist die nördlichste der drei Querstrassen, die zum Mühlematt-Schulhaus führt.

Man kann es den Anwohnern nicht verdenken. Bisher blieben sie vom Verkehr gänzlich verschont. Seit 2011 bestand an der Bleumattstrasse ein Fahrverbot, wie die Bauverwaltung in Egerkingen auf Anfrage angibt. Mit dem neuen Tempo-30-Verkehrsregime hat der Gemeinderat entschieden, dieses aufzuheben und die Bleumattstrasse in die Zone zu integrieren. Im Leserbrief schreiben die Anwohner, die vormaligen Besitzer hätten die Privatstrasse in den 60er-Jahren unentgeltlich an die Gemeinde abgetreten. Diese habe im Gegenzug zugesichert, die Strasse werde nicht zur Zufahrt der Schul- und Sportanlagen oder des Schwimmbads.

«Es ist eine Art Gleichheitsgebot»

Die Anwohner befürchten nun, «ihre» Bleumattstrasse werde zur ersten Zufahrt. Besonders im Sommer, wenn die Badi stark frequentiert ist, könne durch die Parkplatzsuche erheblicher Mehrverkehr entstehen. Die Gemeinde will trotz kritischer Stimmen an ihrem Plan festhalten. Auch an der alten Poststrasse hebt sie mit dem neuen Regime ein Fahrverbot auf. «Es ist eine Art Gleichheitsgebot», sagt Bauverwalter Markus Thommen. «Sonst stellt sich die Frage: Warum sind einzelne Strassenzüge nicht befahrbar und andere schon?»

Wie in vielen Gemeinden sorgten die Tempo-30-Bemühungen in Egerkingen früh für Diskussionen. Schon 2004 war die Gemeinde erstmals bestrebt, das Verkehrsregime flächendeckend einzuführen. Elf Jahre danach griff der Gemeinderat das Vorhaben wieder auf. Er beauftragte die Werkkommission, einen Projektentwurf für in Frage kommende Gebiete zu erarbeiten. Von Beginn weg zeichnete sich ab, dass eine Tempo-30-Zone rund um die Schulhäuser auf grosse Akzeptanz stösst. Hingegen stiess die flächendeckende Variante bei der Mitwirkung 2017 auf vehemente Ablehnung. Über einen Fragebogen konnte sich die Bevölkerung zu Tempo 30 äussern. «Daraus hat sich klar ergeben, dass das Verkehrsregime um die Schulhäuser Kleinfeld und Mühlefeld gewünscht ist», sagt Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi. Dies habe der Gemeinderat nun umgesetzt. Wie viele Orte kämpfe auch Egerkingen mit den Elterntaxis. «Die Tempo-30-Zone ist gewissermassen eine Antwort darauf», sagt Bartholdi.

Im Frühling sollen – nachdem die Beschwerde behandelt ist – die Markierungen angebracht und das neue Verkehrsregime eingeführt werden. Die Gemeinde hat hierfür einen Kredit von 50'000 Franken freigemacht. Gemäss Thommen werde dieser aber nicht aufgebraucht. Der Bauverwalter rechnet maximal mit Kosten von rund 40'000 Franken. Neben den Eingangstoren werden vereinzelt verkehrsberuhigende Massnahmen angebracht. Zusätzliche Parkplätze auf den Strassen werden nicht entstehen, sagt Thommen.

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