Neuendorf

Tempo 30 im Ortskern? Behörden erteilen VCS-Forderung eine Absage

Kein Platz für Velostreifen: Die Dorfstrasse in Neuendorf.

Kein Platz für Velostreifen: Die Dorfstrasse in Neuendorf.

Für seine Forderung nach direkteren Velorouten oder Tempo 30 auf der Dorfstrasse in Neuendorf erhält der Verkehrsklub keinen Support.

Über den Veloverkehr hatte niemand gesprochen: Im vergangenen November stellte der Kanton der Bevölkerung vor, wie er ab Herbst 2020 die Dorfstrasse Neuendorfs sanieren will. Die Kantonsstrasse, die durch das Gäuer Dorf führt, gleicht einem Flickwerk und soll aufgefrischt und sicherer gestaltet werden. Ein Schwerpunkt der Arbeiten legt der Kanton auf die Bushaltestellen, die er behindertengerecht umbaut. Und welchen Platz erhält der Veloverkehr? In der Dorfbevölkerung war dies an der Infoveranstaltung kein Thema gewesen. Sie kritisierte wie auch der Gemeinderat viel mehr, dass der Kanton die Bushaltestellen auf der Fahrbahn plant. Dies störe den Verkehrsfluss, argumentierten sie.

VCS zog seine Einsprache zurück

Ein Plädoyer für die Zweiräder kommt nun per Medienmitteilung von der kantonalen Sektion des Verkehrsclubs der Schweiz (VCS). Jedoch zeigt die Bushaltestellen-Debatte: Für den Veloverkehr bleibt auf der Kantonsstrasse kein Platz. Neuendorf hat ein Ortsbild das von nationaler Bedeutung ist – breiter kann die Strasse nicht werden. Zu dieser Einsicht kam auch der VCS. Er zog seine Einsprache zurück, mit der er für eine Fahrbahnaufteilung plädiert hatte. Ruhig stellt sich der VCS – gewissermassen als Anwalt des Langsamverkehrs – gleichwohl nicht. «Wenn aus räumlichen Gründen Mischverkehr zwingend ist, muss künftig innerorts, mindestens in Kernzonen Tempo 30 gelten», sagt Heinz Flück, Vorstandsmitglied des VCS Solothurn. Der Kanton Solothurn verfolge im Vergleich mit anderen Kantonen eine andere Philosophie und sei bezüglich Tempo 30 sehr zurückhaltend, urteilt Flück. «Wir wollen auch im Dorfkern gute Verhältnisse für Velos haben.» Bei Mischverkehr sei Temporeduktion ein gutes Mittel für erhöhte Verkehrssicherheit.

Kanton und Gemeinde winken jedoch ab. Tempo 30 ist kein Thema. «Einfach Neuendorf mit Tempo 30 zu belegen macht für mich keinen Sinn», sagt Gemeindepräsident Rolf Kissling. Dies müsse, wenn überhaupt, übergreifend für alle Dörfer an der Mittelgäuer Hauptachse diskutiert werden. Neuendorfs Gemeinderat habe sich sehr wohl mit dem Veloverkehr befasst, versichert Kissling, der sich selbst als Verfechter eines guten Velonetzes bezeichnet. «Wir haben komfortable Verhältnisse für Velofahrer», sagt er. «Ich fahre oft Velo und muss nie auf die Hauptstrasse.» Alleine nach Härkingen gäbe es drei verschiedene Velorouten, so Kissling. Für die zweite VCS-Forderung nach besseren Alternativ-Velorouten, hat er daher ebenso wenig Verständnis.

Auch Projektleiter Jürg Stuber ist der Ansicht, die Alternativrouten für Fahrräder seien gut genug. Dafür spreche, dass viele Schülerinnen und Schüler diese auf ihrem Weg an die Kreisschule nutzen. Auch gebe es viele Querverbindungen die von den südlich und nördlich durchführenden Velorouten auf die Dorfstrasse zurückführen. Mit der Umgestaltung der Dorfstrasse will der Kanton die Strassenquerungen – auch für Velos – sicherer machen. Dies anerkennt auch der VCS. Sein grösster Kritikpunkt ist aber, die jetzigen Routen führten zu grösseren Umwegen. «Wer den direktesten Weg sucht, fährt nicht auf der touristischen Mittelland-Route», sagt Heinz Flück. Der Kanton sei nicht untätig gewesen wie das Beispiel von Härkingen nach Neuendorf zeige. Aber bei Kantonstrassen ohne abgetrennte Velo-Fahrspuren wie in Neuendorf, sieht der VCS den Kanton noch stärker in der Pflicht. Dieser ist jedoch der Ansicht, die bestehenden Routen genügten. Stuber sagt: «Es sind gewisse Umwege, aber wir haben das Gefühl dass diese zumutbar sind.»

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